Erschließung mit Abzügen

Neues Wohngebiet für Westerholz kann vorerst nur in Teilen bebaut werden

Die schraffierten Flächen in der Planzeichnung markieren jene Bereiche im Baugebiet „Vorm Holz“, in denen aufgrund der Geruchsimmissions-Richtlinie noch keine Grundstücke bebaut werden dürfen. Skizze: Gemeinde Scheeßel
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Die schraffierten Flächen in der Planzeichnung markieren jene Bereiche im Baugebiet „Vorm Holz“, in denen aufgrund der Geruchsimmissions-Richtlinie noch keine Grundstücke bebaut werden dürfen. Skizze: Gemeinde Scheeßel

Westerholz – Einen Vorgeschmack darauf, wie das von der Gemeinde Scheeßel geplante Neubaugebiet „Vorm Holz“ in Westerholz aussehen wird, haben Besucher der jüngsten Sitzung des Westerholzer Ortsrates bekommen. Dort stellte Rathaus-Mitarbeitern Silke Meyer einen bereits endgültig ausgearbeiteten Entwurf vor. Den braucht es zwingend, um das Projekt zur dörflichen Eigenentwicklung in einem beschleunigten Bauleitplanverfahren auf den Weg zu bringen.

„So wäre man nach nur einem Verfahrensschritt, nämlich dem der Behördenbeteiligung mit der öffentlichen Auslegung, so weit, dass man den B-Plan als Satzung beschließen kann“, erläuterte die Verwaltungsfrau.

Etwa zwei Dutzend interessierter Einwohner war zu der öffentlichen Sitzung in die Schützenhalle gekommen und bekam eine Einführung in eine doch umfangreiche Thematik serviert. Wie Meyer erklärte, befinde sich das Plangebiet direkt hinter dem Dorfgemeinschaftshaus – dort, wo jetzt noch der Sportplatz liegt. Der werde umgesiedelt, mit einer zusätzlichen Fläche südlich davon sei später ein ausreichend großes Wohngebiet für Einzel- und Doppelhäuser in eingeschossiger Bauweise vorhanden. Was die Grundstücksgrößen betrifft, lägen die bei mindestens 700 Quadratmetern. Die Zuwegung, führte sie weiter aus, erfolge vom Röhberg über eine 6,50 Meter breite Straße. Für die Verkehrsführung innerhalb des neuen Wohngebietes sei ein 22 Meter breiter Wendehammer vorgesehen. Zwei etwas schmalere Stichstraßen seien ebenfalls vorhanden.

Girl ist im Weg

Ein besonderes Augenmerk richtete Meyer auf eine schraffierte Fläche, die die Planzeichnung im nördlichen und nordwestlichen Bereich zu einem Drittel überdeckt. „Dort werden wir nach jetzigem Stand leider keine Bauplätze verkaufen können.“ Grund hierfür sei, dass der zulässige Grenzwert, bis zu dem es laut der Geruchsimmissions-Richtlinie (Girl) in einem Wohngebiet stinken darf, in jenem Bereich leicht überschritten sei. Dies habe ein Geruchsgutachten gezeigt, bei dem die umliegenden Stallanlagen mit einberechnet worden seien. „Wir hoffen, dass sich die Rechtssprechung irgendwann ändert, sodass auch mal eine Ausnahme gemacht werden kann, selbst wenn die Werte zu hoch sind“, so Meyer. „Im Moment sehen wir da aber keine Möglichkeit, das wird seitens des Landkreises streng gesehen.“

Geruch ist das eine einschränkende Element, Lärm das andere. Sollte nämlich der Schützenverein als Nachbar zum Baugebiet sein einmal jährlich stattfindendes Sommernachtsschießen nach wie vor bis 23 Uhr im Schießstand austragen, ließe sich laut der Fachfrau aufgrund einer lärmtechnischen Richtlinie, wonach die Veranstaltung als sogenanntes seltenes Ereignis einzustufen sei, nur die Hälfte des Plangebietes umsetzen.

„Die Nachtwerte gelten ab 22 Uhr, wären demnach in diesem Fall also überschritten.“ Verwaltungsseitig sei man jedenfalls zum Schluss gekommen, für das Dorf ausreichend Bauplätze vorzuhalten und die Schießveranstaltung künftig schon eine Stunde früher enden zu lassen. „Wir haben für ein Baugebiet in Westerholz auch keine anderen Alternativen – und es stehen schon einige bauwillige Leute auf der Matte“, verdeutlichte sie.

Einen nicht ernst gemeinten Vorschlag unterbreitete in diesem Zusammenhang Christian Kirschstein, der Vorsitzende der Westerholzer Schützen: „Sollten wir unsere Pflicht nicht erfüllen und lassen unser Sommernachtsschießen weiterhin bis 23 oder 24 Uhr stattfinden, könnte man die betroffenen Bauplätze ja auch gleich an unseren Verein verkaufen – dann natürlich zu günstigeren Konditionen.“ Dies, versicherte Stefan Behrens, der in Vertretung der Bürgermeisterin an der Sitzung teilnahm, werde selbstverständlich nicht geschehen.

Was die textlichen Festsetzungen zum B-Plan betrifft, soll unter anderem jeder, der einen Bauplatz erwirbt, zwei Bäume auf seinem Grundstück pflanzen. Nicht ganz einleuchten wollte Ortsratsmitglied Volker Bammann, warum auch solche Eigentümer zu dieser Maßnahme gezwungen seien, auf deren Grundstücke ohnehin schon später Bäume stünden – sieben im Norden und einer im Osten –, die von der Gemeinde in Abstimmung mit einem Landschaftsplaner als erhaltenswert eingestuft worden seien. „Ich finde, dass jemand, der dort einen Bauplatz kauft, in seinem eigenen Recht und Verhalten doch extrem eingeschränkt wird“, äußerte er sich. „Ich selbst habe schon viele Bäume gepflanzt, möchte aber auch selbst entscheiden, wo ich das mache.“

Halten wir also fest: Wenn der Bauherr Glück hat, kann er im Herbst nächsten Jahres ungefähr anfangen.

Ortsratsmitglied Ralf Münkel

Einen anderen Aspekt griff sein Ortsratskollege Ralf Münkel auf. Er fragte sich, wann in etwa die ersten der nach aktuellen Kriterien noch elf zur Verfügung stehenden Baugrundstücke angeboten werden könnten. Dazu Meyer: „Nachdem der B-Plan rechtskräftig geworden ist, wird mindestens noch ein halbes bis dreiviertel Jahr die Erschließung benötigen.“ Münkel: „Halten wir also fest: Wenn der Bauherr Glück hat, kann er im Herbst nächsten Jahres ungefähr anfangen.“

Ob es denn neben der Tatsache, dass nur Menschen mit Westerholzer Bezug bauen dürften, noch weitere Verkaufsbedingungen gebe, wollte eine Zuhörerin wissen. „Innerhalb von fünf Jahren nach Erwerb sollte das Grundstück bebaut werden“, gab Meyer Auskunft. „Aber man muss auch mindestens fünf Jahre dort selbst wohnen – es soll jedenfalls nicht passieren, dass jemand baut und vermietet.“

Den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss zum Plan fasste der Ortsrat Westerholz am Ende einstimmig.  lw

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