Erinnerungsarbeit auf zwölf Einzelpostern

Wanderausstellung der Kriegsgräberfürsorge in der Eichenschule 

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Referent Karl-Friedrich Boese (l.) erläuterte dem Kreisvorsitzenden Hermann Luttmann (Mitte) und Schulleiter Christian Birnbaum das neue Ausstellungskonzept auf zwölf Einzelpostern.

Scheeßel - Henri Dunant – den Namen des Begründers des Internationalen Roten Kreuzes mag man kennen. Aber wer sind Raoul Wallenberg, Roméo Daillaire oder Karen Jeppe?

Aufschluss gibt eine Ausstellung an der Eichenschule, die am Montagvormittag von Schulleiter Christian Birnbaum, dem Bildungsreferenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Karl-Friedrich Boese sowie Herrmann Luttmann eröffnet wurde. Letzterer freute sich, nicht vornehmlich als Landrat geladen worden zu sein, sondern vor allem in seiner Funktion als Kreisvorsitzender der Kriegsgräberfürsorge.

Das 100. Jubiläum in diesem Jahr nahm Luttmann zum Anlass für einen kurzen geschichtlichen Abriss: Nur in den ersten Jahrzehnten habe die Aufgabe einzig in der Pflege von Kriegsgräbern zunächst des Ersten Weltkriegs im Ausland (mittlerweile 45 Länder) bestanden. Seit Längerem habe man sich aber auch die Friedenserziehung von Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben. Die Gräber seien als „Pädagogische Ressourcen“ zu verstehen, aus denen man lernen könne, führte Boese in seiner Eröffnungsrede vor einer neunten Klasse aus. „Das wird immer wichtiger, weil die Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges ausstirbt.“

Einzelne Schicksale thematisiert

An Einzelschicksalen wollen die Pädagogen Geschichte erfahrbar machen – bei vorigen Ausstellungen wie der immer noch in Schulen stark nachgefragten „Flucht und Vertreibung“ (im Vorjahr auch an der Eichenschule gezeigt) genau wie mit der jüngsten Wanderausstellung zum Thema „Menschenrechte“. Erstmals auf zwölf Einzelposter konzipiert, werden einzelne Schicksale von Opfern von Menschenrechtsverletzungen thematisiert, aber auch von Menschen, die sich für deren Verteidigung einsetzen. Etwa Anton Schmid, der im Zweiten Weltkrieg als Feldwebel im litauischen Vilnius stationiert war und unter eigener Lebensgefahr Juden in seinem Dienstfahrzeug aus dem Ghetto herausschmuggelte. Oder der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, der durch die Verhinderung von Transporten ins Konzentrationslager Tausenden von Juden das Leben rettete.

Ausstellung ist zwei Wochen lang zu sehen

Aber auch die sowjetischen Gulags werden thematisiert – „das passt sehr gut zum gerade behandelten Lehrstoff“, freut sich Lehrer Christian Kind, der den Besuch der Ausstellung als Abschluss des Epochalunterrichts mit dem Thema Erster Weltkrieg und Sowjetunion eingeplant hatte. Auch wenn die Menschenrechte in keinem Jahrgang explizit auf dem Lehrplan stehen, knüpfen sie doch an diversen Punkten an, denn: „Es gibt keinen Krieg ohne Menschenrechtsverletzungen“, so Boese.

Die Neuntklässler sind die ersten Besucher der Ausstellung, die hier zwei Wochen lang Station macht, bevor sie an anderen Schulen und öffentlichen Einrichtungen gezeigt wird, vornehmlich Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen. Dort wird sie durchschnittlich von 100 bis 200 Schülern gesehen. Bei Bedarf lässt sich die Thematik mit zubuchbaren Modulen vertiefen, die Poster geben zumindest einen guten Einstieg und Überblick über das Thema.

„Eine gute Abwechslung vom normalen Unterricht“

Greta Hagel und Lara Buttmann sind an diesem Vormittag wie ihre Mitschüler mit einem „Erkundungsbogen“ ausgestattet, auf dem sie den Namen des amtierenden UN-Generalsekretärs ebenso vermerken wie historische Ereignisse wie die Gründung des Internationalen Kriegsgerichts in Den Haag oder die Menschenrechtskonventionen in chronologische Reihenfolge bringen.

„Eine gute Abwechslung vom normalen Unterricht“, findet Buttmann. Hagel haben es vor allem die Überblicke angetan: „Das ist echt interessant!“ Spannend: Sie schließen jüngste Geschichte und neue Perspektiven ein wie die Anerkennung von sexueller Gewalt im Bosnien-Krieg als Kriegsverbrechen. „Das Thema der Menschenrechte und die Menschenrechtskonventionen müssen immer wieder erweitert werden, weil sich ja auch die Kriegswaffen ständig ändern“, so Landrat Hermann Luttmann. Früher sei das beispielsweise das Aufkommen von Giftgas gewesen, heute sind es hingegen unbemannte Drohnen. 

hey

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