Experteneinschätzung

Er bleibt optimistisch: Biologe Norbert Jürgens aus Scheeßel zum globalen Klimawandel

Kommt es zum Klimakollaps? Der Scheeßeler Wissenschaftler Norbert Jürgens bleibt optimistisch.
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Kommt es zum Klimakollaps? Der Scheeßeler Wissenschaftler Norbert Jürgens bleibt optimistisch.

Scheeßel – Das Klima kennt keine Grenzen: Eine der beherrschenden Krisen der Gegenwart gilt so auch für den Landkreis Rotenburg. Der international renommierte Biologe Prof. Dr. Norbert Jürgens (68), der mit seiner Familie in Scheeßel lebt und an der Universität Hamburg lehrt, zeigt auf ein DIN-A4-Blatt mit Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes, der seit 60 Jahren auf dem Gelände des Rotenburger Flugplatzes eine Wetterstation betreibt.

„Während die Welt in Glasgow noch darum ringt, wie die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann, müssen wir leider feststellen, dass der Landkreis Rotenburg bereits heute zwei Grad wärmer ist als in der vorindustriellen Zeit“, sagt der Wissenschaftler. Also vor der Haustür auch bei uns brennende Klimaprobleme der Gegenwart, die so rasch wie möglich gelöst werden müssen, um die Chancen für das Leben auf der Erde zu erhalten.

Jürgens, Hochschullehrer für Biodiversität, Evolution und Ökologie der Pflanzen am Biozentrum Klein Flottbek und dem Botanischen Garten der Universität Hamburg, ist Optimist und davon überzeugt, dass es Lösungen gibt, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Er weiß aber auch, dass ohne Länder wie China und Indien, die noch Jahrzehnte bis zur völligen Klimaneutralität warten wollen oder müssen, gesteckte Ziele nicht zu verwirklichen sind. „Ohne diese Länder kann das Paris-Ziel, nämlich die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, nicht erreicht werden“, befürchtet der 68-Jährige, dessen Forschungsschwerpunkte die Evolution der Pflanzen sowie die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Biodiversität in afrikanischen Trockengebieten sind. „Diese Problematik zeigt, dass in den westlichen Industriestaaten größere Anstrengungen als bisher erforderlich sind.” Für den Scheeßeler ist dies der entscheidende Schlüssel, um die notwendige CO2-Reduktion zu erreichen: Alle nur erdenklichen Möglichkeiten konsequent nutzen, um unsere Energieproduktion auf Solar- und Windenergie auszurichten.

Wir müssen leider feststellen, dass der Landkreis Rotenburg bereits heute zwei Grad wärmer ist als in der vorindustriellen Zeit.

Norbert Jürgens

Die Sonnenenergie mit mehreren Hundert Watt pro Quadratmeter sei, so Jürgens, die größte, dazu völlig „ungefährliche und kostenlose” Energiequelle, die zur Verfügung stehe. Der Mensch sollte das Beispiel der Pflanzen, nämlich die Fotosynthese, kopieren, die diese vor mehr als drei Milliarden Jahre „erfunden” hätten. Die Nutzung fossiler Brennstoffe durch den Menschen gehöre endgültig der Vergangenheit an. Dass das gelinge und in die Praxis übertragen werden könne, da sei er optimistisch.

Das sonnenverwöhnte Afrika ist ein Kontinent für die Produktion von grünem Wasserstoff: die Spaltung von Wasser und der Transport des flüssigen Wasserstoffs mit Tankschiffen zum Endverbraucher. „Hier wird ein neuer Markt entstehen, der den alten von Öl und Gas ersetzt und vor allem die Sonnenländer bevorteilt. Ich bin zuversichtlich, dass die noch bestehenden Probleme des Transports gelöst werden.” Der grüne Wasserstoff, da ist er überzeugt, sei zusammen mit der Windkraft die Lösung der Energieprobleme der Zukunft.

Forschungsgebiet Afrika 

Norbert Jürgens‘ Forschungsergebnisse über die Entstehung der rätselhaften Feenkreise in Namibia erregten weit über die wissenschaftlichen Kreise hinaus großes Interesse. Die Forschungsleistungen des Wissenschaftlers im Bereich des südlichen Afrika wurden vor sieben Jahren mit der Verleihung des Elisabeth-Appuhn-Preises gewürdigt. Von 2012 bis 2018 hat der Scheeßeler den Aufbau der regionalen Forschungszentren von „SASSCAL geleitet, in der zahlreiche Wissenschaftler Forschungsergebnisse zu Umweltproblemen zusammengetragen haben. Am kommenden Sonntag ist das südliche Afrika wieder einmal das Ziel einer seiner Reisen. Der 68-Jährige leitet dort weiterhin ein großes ökologisches Forschungsprojekt, bei dem unter anderem 150 neu aufgebaute Wetterstationen auch wichtige Daten zum Klimawandel in Afrika sammeln. 

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