Künstlerinnen setzen sich in neuer Ausstellung „Wege“ mit ihrer regionalen Prägung auseinander

Entwurf eines neuen Heimatbegriffs

Es ist angerichtet: Bildhauerin Susanne Hoppe (v.l.), Kuratorin Birgit Ricke und Malerin Ruth Cordes freuen sich auf die neue Ausstellung im Kunstgewerbehaus. Foto: Heyne

Scheeßel – Nur wenige Tage nach der Finissage der Fotoausstellung „Local Heroes“ halten neue Werke im Kunstgewerbehaus des Heimatvereins Einzug. Die Wände zieren großformatige Bilder von Alleen, die den Betrachter hineinziehen in die Natur, in das, was jenseits des Weges liegen mag. Kein Zufall, dass die Ausstellung der Grafikerin und Malerin Ruth Cordes sowie der autodidaktischen Bildhauerin Susanne Hoppe den Titel „Wege“ trägt.

Die jüngste Einzelpräsentation von Cordes, die eine Galerie im Bremer Schnoor betreibt, hatte die Leiterin des Kunstgewerbehauses Birgit Ricke neugierig gemacht, schon ob des Titels „Innere Heimat“. „Der Heimatbegriff spukt mir immer im Hinterkopf herum, vielleicht weil ich nach 40 Jahren in meine Heimat zurückgekehrt bin“, so Ricke. Cordes, die viel mit dem Hund in der Natur ihrer norddeutschen Heimat unterwegs ist und hier mit Skizzen oder der Kamera Inspiration für ihre Bilder findet, will die Begriffsfindung jedoch nicht im klassischen Sinne verstanden wissen: „Mir geht es darum, wie uns Heimat innerlich prägt.“ Dabei stehe nicht die naturgetreue Abbildung von Landschaften im Vordergrund. „Am Anfang steht die Empfindung, die Begeisterung für Farben und Formen“, so die Sykerin.

Regionalität spielt auch bei den Skulpturen von Susanne Hoppe eine entscheidende Rolle. Die Hölzer, die in die Werke der Bothelerin Eingang finden, stammen ausnahmslos aus der Gegend. „Ich weiß bei jedem noch genau, von welchem Bauern ich sie bekommen habe“, so die Tierärztin. Schon als Teenager zog es die Autodidaktin in den Ferien in eine Tischlerei, wo sie sich das Handwerkliche aneignete. Über die Gestaltung, Erfahrungen zu verarbeiten und sich künstlerisch auszudrücken, sei sie erst später gekommen. Ihre Werke leben von der minimalen Ungenauigkeit, den sie durch Bearbeitung von Hand erreicht: „Gerade ist nie wirklich gerade.“ Dabei arbeitet Hoppe oft themenbezogen, wie mehrere gezeigte Werke zum Thema „Knien“ oder „Verbeugung“ zeigen; jedoch nicht in sequentiellen Phasen, „sondern gleichzeitig“. Dabei hat sie die Gestalt ihrer Holzskulpturen fast fotografisch vorher im Kopf.

Beiden Künstlerinnen gemeinsam ist, dass sie ihre Inspiration aus der umgebenden Natur schöpfen. Und: Beide vermeiden es, die Deutung des Betrachters durch Titel zu kanalisieren. „Viele wollen das gar nicht, wollen beim Erstkontakt den eigenen Ideen und Empfindungen freien Lauf lassen“, sagen sie.

Für Birgit Ricke, die nach der Anfrage von Hoppe, nach 2012 erneut auf dem Heimathausgelände auszustellen, nach „etwas für die Wände“ suchte, bilden die Werke beider Frauen eine perfekte Symbiose: „Die Bäume passen wunderbar zu den Holzarbeiten, das ist Harmonie und Spannung.“ Als sie das Titelbild der letzten Ausstellung von Cordes im Internet sah, wo sie über Netzwerke immer wieder auf neue Kunstschaffende stößt, „sah ich es vor meinem geistigen Auge sofort bei uns hängen.“

Die öffentliche Vernissage mit einer Einführung von Kunsthistoriker Alarich Rooch findet heute Abend um 18.30 Uhr auf der Meyerhofdiele statt, der Eintritt ist frei. Noch bis zum 30. Juni wird die Werkschau im Kunstgewerbehaus zu sehen sein.  hey

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