Die Entdeckertour bietet Bürgermeister Reinhard Frick mehrere Lieblingsorte

Mundraub erlaubt

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Viel grün am Wegesrand. Das Äpfelpflücken am alten Postweg ist den Hetzwege-Entdeckern ausdrücklich gestattet.

Hetzwege - Von Matthias Röhrs. Die Geschichte Hetzweges erleben, und dann noch aktiv dabei sein. Seit einem Jahr hat das Dorf seinen eigenen Entdeckerpfad für Radler und Wanderer, der an zwölf Punkten in und um den Ort mit Tafeln auf Details und Eigenheiten der Gegend aufmerksam macht. „Ideal für einen spontanen Ausflug, der nicht zu lange dauern soll“, so Hetzweges Bürgermeister Reinhard Frick über seinen Lieblingsort.

Frick hat bereits die Fahrräder aus der Garage geschoben. Es geht zunächst zur Grundschule, dort ist einer der beiden Startpunkte der Tour. Auf einer Landkarte sind alle zwölf Punkte markiert, daneben die erste Infotafel, die über die Geschichte der Schule informiert. Diese geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Ironie: Dort, wo heutzutage um den Erhalt der Schule gekämpft wird, stieß die Schule in ihren ersten Jahren auf Ablehnung bei den Bürgern. Die Kinder sollten lieber auf dem Hof arbeiten, anstatt die Schule zu besuchen, hieß es damals. Wenige hundert Meter weiter, beim Hofcafé an der Straße Richtung Abbendorf, ist der zweite Startpunkt. „Die Entdeckertour ist einzigartig in der Gegend“, sagt Frick. Im Landkreis gebe es derartige Tafeln nur selten. „Das kennt man ja nur aus Urlaubsregionen.“

Es geht los, die Straße Püttjerberg hinauf. Am Ende dieser erklärt eine Tafel die Namensgebung. Dort, wie auch an vielen anderen Punkten, sind es vor allem die alten plattdeutschen Begriffe, die das heutige Hetzwege immer noch prägen. Im 18. Jahrhundert hat an dieser Straße der Püttjer, der Töpfermeister des Dorfes, Johann Cord Holsten, gelebt und gearbeitet.

Die Entdeckertour geht zurück auf die Ortschronik, die Fricks Vater Günther zusammen mit dem hiesigen Kulturverein Hekiswidi – Hetzweges plattdeutscher Name – im vergangenem Jahr veröffentlicht hat. Diese wollte der Verein gerne etwas besser veranschaulicht haben, daher hat Frick Senior zusätzlich die Tafeln ausgearbeitet. Im Herbst kommen noch einmal drei weitere dazu, so der Bürgermeister.

Für norddeutsche Verhältnisse geht es ziemlich steil den Blocksberg hinauf, der direkt neben dem Ort steht. Das ebenfalls für den Norden untypische warme Sommerwetter trägt zum Schwitzen bei. Frick fährt voraus zum alten Postweg, der einst Bremerhaven mit Hannover verbunden hat. Heute ist dieser allerdings ein herkömmlicher Feldweg. Ganz neu sind die 25 Apfelbäume, die der Hetzweger Ortsrat gepflanzt hat. „Pflücken ist ausdrücklich erlaubt“, so Frick.

Es geht weiter bergauf, der Gipfel des Blocksbergs auf 54 Metern Höhe ist noch nicht erreicht. Er ist ein sogenannter trigonometrischer Punkt für Landvermesser, ein markanter Platz in der Landschaft. Für Fahrräder wird es dort unbequem, der Weg ist mit Gras zugewachsen. „Es ist eigentlich auch ein Wanderweg“, erläutert der Bürgermeister. „Ein wunderbarer Ausblick“, fährt er oben angekommen fort. Man kann sogar die Bartelsdorfer Windräder sehen.

Endlich geht es bergab, vorbei an Tafeln, die die örtliche Flora erläutern, zurück zur Grundschule. Schilder weisen den Weg. Eine viel zu kurze, aber dafür schöne Tour. Frick sieht man die Anstrengung nicht an. Kunststück, er ist die Tour ja auch gewohnt.

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