Früheres Traditionslokal wird abgerissen / Große Pläne für die Zukunft

Endgültiger Abschied von Ehlermann

Das vollständige Aus für die ehemalige Gaststätte steht kurz bevor. Noch vor Weihnachten soll das Gebäude komplett dem Erdboden gleichgemacht sein.
+
Das vollständige Aus für die ehemalige Gaststätte steht kurz bevor. Noch vor Weihnachten soll das Gebäude komplett dem Erdboden gleichgemacht sein.

Bartelsdorf – Wer momentan auf der Langen Straße durch Bartelsdorf fährt, dem ist es vielleicht schon aufgefallen: Die frühere Gaststätte Ehlermann ist nicht mehr. Zumindest steht sie nur noch in Teilen, denn momentan wird sie abgerissen. Schwere Bagger sind dabei, die Mauern einzureißen – zunächst die des hinteren Gebäudeteils, noch vor Weihnachten soll dann auch das Haupthaus, in dem einst ein kleines Lebensmittelgeschäft untergebracht war, dem Erdboden gleichgemacht werden. Und somit verschwindet das Gebäude nach und nach. Damit verliert die Ortschaft nicht nur einen ortsbildprägenden Bau, der es früher sogar auf die ein oder andere Postkarte geschafft hat, sondern auch eine Gaststätte, die jahrzehntelang für die Bartelsdorfer nur eines war: eine Möglichkeit zur Einkehr bei „Mutti“ und „Papi“, wie das frühere Betreiberpaar, Frieda Ehlermann und ihr Mann Fritz, von den Gästen stets liebevoll genannt wurde. Beide leben schon lange nicht mehr. Und so hatte der Traditionsgasthof, nachdem dessen Hochzeit schon lange vorbei war, bereits 2010 für immer seine Pforten geschlossen und den Betrieb eingestellt.

Einer, der die Geschichte des Hauses wie kein zweiter kennt, ist Sohn Hans-Dieter Ehlermann. Er lebt ebenfalls in Bartelsdorf, nur unweit der ehemals elterlichen Gaststätte. Wenn er sich die alten Zeitungsartikel so anschaut, die im Laufe der Jahre über seine Eltern und deren Betrieb geschrieben worden sind, dann wird ihm ganz warm ums Herz. „Das waren damals noch Zeiten, kann ich Ihnen sagen – hier war immer was los.“

Ja, das war es, nachdem der Vater, kaum, dass er aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, die ehemalige Dorfschule 1950 aufgekauft hatte und noch im selben Jahr, nach einem Umbau, zusammen mit seiner Frau Frieda ein Gemischtwarengeschäft eröffnete. „Die Gaststätte kam dann erst sieben Jahre später dazu“, berichtet der Senior, der im Gegensatz zu seinem Bruder, der ebenfalls im elterlichen Betrieb beschäftigt war, beruflich eine ganz andere Richtung eingeschlagen und über viele Jahre in Stuttgart und Hannover gelebt habe.

Bei einer kleinen Kneipe, mehr sei das Geschäft in der Anfangszeit nicht gewesen, sagt Ehlermann, sollte es aber nicht bleiben. Anfang der 1960er-Jahre folgten ein Anbau mit Saal und kleinem Clubraum, 1975 die Angliederung einer Kegelbahn und 1982 die Erweiterung des Saalbetriebes von 100 auf 150 Plätze. Keine Frage: ein gesellschaftlicher Mittelpunkt war die Gaststätte allemal – für das Dorf wie auch für Auswärtige. Und wer sich mit Fleisch, Obst, Gemüse und Co. eindecken wollte, der war auch immer an der richtigen Adresse – im Ehlermann‘schen Tante-Emma-Laden.

Ein klein wenig blute ihm ja schon das Herz, wenn er sich den Abriss anschaue, räumt Hans-Dieter Ehlermann ein. Vor zwei Jahren, sagt er, habe er die leer stehende Immobilie verkauft. An einen Architekten oder Statiker, so genau wisse er das nicht mehr. „Allerdings hat das mit seinen Plänen wohl nicht ganz so geklappt, wie er sich das vorgestellt hatte“, mutmaßt der Bartelsdorfer. So landete die Liegenschaft zur erneuten Veräußerung im Internet, wo Markus Mahler und sein Bruder Boris auf das Objekt aufmerksam wurden. Beide betreiben sie in Scheeßel einen Fliesenlegerbetrieb. Die Geschwister schlugen zu, verfolgen als eigens für das Projekt gegründete Immobilien GbR mit dem Filetgrundstück jetzt ganz große Pläne. „In massiver Bauweise werden wir ein Haus mit zehn Wohneinheiten zur Vermietung errichten“, berichtet Markus Mahler. Die Größen der jeweiligen Wohnungen, die für das Obergeschoss auch über einen Fahrstuhl zu erreichen seien, würden bei etwa 60 bis 95 Quadratmetern liegen, so der Bauherr.

Wie gesagt: Noch vor Weihnachten sollen die Abrissarbeiten, die vom Lohnunternehmer Heinfried Dittmer aus Westerholz ausgeführt werden, zum Abschluss kommen. Voraussichtlich zu Ostern 2022, schätzt Mahler, sei mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes zu rechnen. Das sei seinen Worten nach dann optisch an die umliegenden Gegebenheiten angepasst. Und auch die denkmalgeschützte Dorfeiche bliebe erhalten und werde in das Gesamtkonzept integriert. Ob es schon interessierte Mieter gibt? Mahler nickt: „Ja, es haben tatsächlich schon drei, vier Leute Bedarf angemeldet – und alle kommen sie aus Bartelsdorf.“ Eine Nachricht, die auch Hans-Dieter Ehlermann freut: „Es ist doch toll, wenn das Dorf dadurch profitieren kann!“

Allein für wohnliche Zwecke soll der Neubau übrigens nicht bestimmt sein, wie Markus Mahler weiter verrät. Demnach soll auch eine Bäckerfiliale mit Backshop an der Langen Straße Einzug halten. Wer die betreibt, sei derweil noch unklar. „Momentan sind mein Bruder und ich auf der Suche – wegen Corona sind alle noch ein bisschen vorsichtig, da will keiner so schnell etwas unterschreiben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Diese Wasch-Tipps von Oma haben ausgedient

Diese Wasch-Tipps von Oma haben ausgedient

„God of War: Ragnarok“, „Halo: Infinite“, „Far Cry 6“ & Co.: Das sind die Game-Highlights 2021

„God of War: Ragnarok“, „Halo: Infinite“, „Far Cry 6“ & Co.: Das sind die Game-Highlights 2021

Meistgelesene Artikel

Grünes Licht für Neugestaltung der Stadt

Grünes Licht für Neugestaltung der Stadt

Grünes Licht für Neugestaltung der Stadt
Vermarktungstermin für Visselhöveder Baugebiet Zollikoferstraße-Ost

Vermarktungstermin für Visselhöveder Baugebiet Zollikoferstraße-Ost

Vermarktungstermin für Visselhöveder Baugebiet Zollikoferstraße-Ost

Kommentare