Blaudruckausstellung auf dem Meyerhof ist ab Samstag zu besichtigen

Ende des Dornröschenschlafes

Annerose Rathjen trägt Mundschutz passend zu den (von ihr und Mitstreitern) ausgestellten Blaudruckschals.

Scheeßel – Noch wirkt der Raum mit dem dezenten Licht der Schaukästen und dem warmen Blau, in das die Exponate das Weberhaus auf dem Meyerhof tauchen, fast wie ein gut gehütetes Geheimnis. Zwangsläufig, denn noch schläft die Blaudruckausstellung einen Dornröschenschlaf. Die Eröffnung des Leuchtturmprojekts des Heimatvereins, die eigentlich mit gebührend großem Festakt und vielen Gästen aus Öffentlichkeit und Politik, darunter sogar dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), begangen werden sollte – sie fiel den Anfängen der Covid-19-Pandemie zum Opfer.

Mit der Wiedereröffnung der niedersächsischen Museen ab dem vergangenen Wochenende darf das Vorzeigestück nun endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine Woche später öffnet nun auch sie erstmals ihre Pforten, „wir wollten nichts überstürzen“, so Museumsleiter Nils Meyer. „Die Menschen wollen Ablenkung“, ergänzt die Scheeßeler Blaudruck-Expertin Annerose Rathjen, „und als Kulturstätte sehen wir uns in der Pflicht, etwas zu bieten.“ Auch bei Meyer überwiegt die Freude, dass es endlich losgeht: „Klar waren wir am Tag der ausgefallenen Feier enttäuscht, aber guten Gewissens hätte man das nicht durchziehen können.“

Nur wenige Gäste, darunter die Vereinsmitglieder, Sponsoren und eine Reporterin eines Fahrradmagazins, sind bis jetzt in die Welt von Indigo, Papp und Modeln eingetaucht, haben den professionell gestalteten Rundgang zwischen den Anfängen des Blaudrucks im Beekeort bis zu modernem Blaudruck-Schmuck, den beiden Hand in Hand gehenden Techniken des Drucks und anschließenden Färbens in der Küppe („gern zum Anfassen“) und der Modelherstellung sowie die weltweiten Handelsgeflechte absolviert und das Herzstück, die beleuchtete Vitrine mit einem Teil des Scheeßeler Schatzes, den Modeln, bestaunt.

Und vielleicht sei die Ruhe der letzten Wochen auch ganz gut so, resümiert Meyer: „Nachdem wir bis März mit extrem hoher Taktzahl unterwegs waren, war es schön, gelegentlich herzukommen und das grandiose Ergebnis unserer Bemühungen einfach mal auf sich wirken zu lassen.“ Wenn Rathjen über die Restaurierung der Modeln erzählt, über die 19 fehlenden Exemplare, die die Enkelin des letzten Scheeßeler Blaudruckers Heinrich Müller dem Heimatverein kurz vor ihrem Tod vermachte, über die Deutungshoheit von Motiven, dann lässt sich erahnen: Das, was sie und ihre Mitstreiter jenseits der gut 65 Quadratmeter Wissensvermittlung in Führungen preisgeben werden, erlaubt wie auch die Ausstellung selbst ein tiefes Eintauchen in die Hintergründe und Geheimnisse des tradierten Handwerks.

Vorerst, vermutlich bis mindestens Ende des Jahres, sind Führungen für Gruppen, von Schulklassen über Fahrradreisende bis zu Seniorengruppen, jedoch nur Zukunftsmusik: Nur fünf Personen plus die Aufsichtsperson dürfen sich gleichzeitig in der Ausstellung befinden, die Laufrichtung soll durch aufgeklebte Pfeile angezeigt werden, die Nutzung der Medienstation ist aus Hygienegründen tabu. „Dass die Leute ihren Mundschutz mitbringen wie in allen anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens“, ist für Meyer keine Frage.

Wie groß der Andrang zu der kostenlosen Ausstellung am ersten Wochenende wird, darüber kann er nur spekulieren. Ob es irgendwann nur noch mit Voranmeldung geht? „Wir befinden uns da noch in einer Lernphase und tasten uns heran.“ Er und seine Mitstreiter müssen sich wohl überraschen lassen – ganz im Gegensatz zu den Gästen. Die können sich in den gerade abgedrehten und nach und nach online gestellten Image-Filmen zumindest einen ersten Eindruck über den Meyerhof und verschiedene Aspekte der Ausstellung verschaffen.

Die kostenlose Ausstellung ist ebenso wie das Heimathaus samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.  hey

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