Ende des Variantengerangels

Fuhrenkamp-Knotenpunkt: Scheeßeler Gemeinderat entscheidet sich für Kreisellösung

Beschlossene Sache: Der berühmt-berüchtigte Knotenpunkt an der L 130 in Scheeßel wird zu einem Kreisel mit Bedarfsampel ausgebaut.
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Beschlossene Sache: Der berühmt-berüchtigte Knotenpunkt an der L 130 in Scheeßel wird zu einem Kreisel mit Bedarfsampel ausgebaut.

Scheeßel – Vier lange Jahre hat die Politik in Scheeßel am Knotenpunkt an der L 130 herumgedoktert – am Donnerstagabend machte der Gemeinderat den Sack endgültig zu. In demonstrativer Geschlossenheit stimmten die Mitglieder für einen Ausbau der Fuhrenkamp-Kreuzung zu einem Kreisverkehrsplatz mit Bedarfsampel. Gleichzeitig hob das Gremium den alten Aufstellungsentwurf und den Auslegungsbeschluss zur ersten B-Planänderung, Stichwort Kreuzung mit Abbiegespuren plus vollsignalisierte Ampel, auf. Letztere Variante, verdeutlichte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU, habe nämlich nicht unerhebliche Nachteile gegenüber dem Kreisel-Konzept.

Was die nunmehr favorisierte und letztendlich auch vom Rat beschiedene Lösung betrifft, sei die aber nicht zu 100 Prozent optimal. „Um eine Planung mit einem durchgängigen Fuß- und Radweg durchführen zu können, bräuchten wir an einer kleinen Ecke drei bis acht Quadratmeter vom Eigentümer Berliner Straße 10 – der will aber nicht an uns verkaufen.“ Mit solch einer Krücke, bei der für den an anderer Stelle herübergeführten Radverkehr entsprechend noch ein Anschluss zu planen ist, sei es aber immer noch das Beste, befand sie. „Aber wer weiß: Vielleicht ändert sich irgendwann die Situation.“

Dass man grundsätzlich die Kreisel-Variante besser nochmal überdenken sollte, dafür warb Hans Brauns vom Scheeßeler Grünen-Ortsverband bereits vorab in der Einwohnerfragestunde. Er sieht eine Verschwendung von Steuergeldern. „Es ist unverantwortlich, den Haushalt mit einer so hohen Summe zu belasten, wenn es doch preiswertere und verkehrssichere Lösungen gibt.“ Ein Kreisel sei für Radfahrer, die aus dem Vareler Weg kommen, jedenfalls nicht in Ordnung. Dazu Dittmer-Scheele: „Der Rat hat gerungen, die beste Variante herauszufinden, die gehört auch ausfinanziert – weitere Varianten gibt es definitiv nicht und andere Behauptungen sind alle aufgrund der anzuwendenden Richtlinien widerlegbar.“ Schön und gut, meldete sich Zuhörer Cord Gerken, ebenfalls Mitglied der Scheeßeler Bündnisgrünen, zu Wort. „Wie aber kann es sein, dass man einen Kreisel plant und den Anschluss für die Bewegungen hin zu den Schulen gar nicht im Blick hat?“ Weitere Anschlüsse, erwiderte die Rathaus-Chefin, seien dann noch in der Detailplanung festzuzurren.

Ganz wortlos wollten die Politiker der Abstimmung nicht entgegensehen. So äußerte sich Arthur Lempert, der zwar noch Teil der Grünen-Ratsfraktion ist, aber gar nicht mehr wie sein Kollege Horst Knobel der Partei angehört, beispielsweise: „Im Ortsverband wird mit verkehrten Zahlen und Aussagen gearbeitet, die die Bevölkerung bewusst hinters Licht führen – es war etwa nie die Rede davon, dass mehr als 30 Bäume bei der jetzt vorgestellten Variante gefällt werden, sondern 17, maximal 25.“

Dies sei der Unterschied zu der Kreuzungsvariante, gegen die er und seine Mitstreiter in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Aktionen gekämpft hätten. „Umso glücklicher sind Horst Knobel und ich, dass wir genau das erreicht haben, was wir von Anfang an erreichen wollten: Ökologie und sinnvolle Verkehrsplanung unter einen Hut zu bekommen. Es ist eine gut umsetzbare Alternativlösung.“

In der Sitzung stellte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele Einzelheiten zur Planung vor.

Dass durch Lemperts Kommentar der falsche Eindruck erweckt würde, der Kreisel entstehe nun allein durch den Verdienst der Grünen-Fraktion, darauf verwies Gabriela Villwock von der Gruppe SPD/UGS: „Es ist eine gemeinsame Entscheidung, die wir hauptsächlich der Bürgerinitiative zu verdanken haben, ist durch sie das Thema doch nochmal ins Rollen gebracht worden.“

Mit dem Spruch „Man heiratet nicht auf der Führerscheinstelle“ hielt es ihr Fraktionskollege Detlev Kaldinski: „Wir haben bestimmte Gesetze und Behörden, die für bestimmte Dinge zuständig sind und darüber bestimmen.“ So könne die Gemeinde lediglich beim Bebauungsplanverfahren mitreden, „aber die Entscheidung wird in Rotenburg und in Verden und nicht in Scheeßel getroffen.“ Sein Plädoyer: „Ich bitte das zu beherzigen, offensichtlich haben das einige vergessen.“

Eindringlicher formulierte es Dirk Lange von der CDU-Fraktion: „Dass immer wieder angezweifelt wird, dass hier Entscheidungen auf nicht zutreffenden Grundlagen, Rechtsverordnungen und Gesetzen getroffen erden, macht mich ein bisschen betroffen.“ Er jedenfalls frage sich wirklich: „Wollen wir so miteinander umgehen und alles immer wieder in Zweifel ziehen? Ist das der richtige Umgang, wie wir uns in der Gesellschaft verhalten möchten?“ Gesetze, erklärte er, seien eben dafür gemacht, dass sie auch unbedingt einzuhalten seien. Mit der von der Bürgermeisterin als „Krücke“ bezeichneten Lösung sei man jedenfalls gut bedient, verlangsame ein Kreisel doch den Verkehrsfluss und die Anwohner seien von Lärmemissionen auch nicht so stark betroffen. Lange: „Ich hoffe, dass an dieser Stelle nun Ruhe einkehrt.“

Jetzt, wo der Beschluss gefasst ist, kann die Gemeindeverwaltung in einem nächsten Schritt gemeinsam mit dem beauftragten Fachplanungsbüro in die Ausführungsplanung gehen. Die soll dem Gemeinderat, nach der Kommunalwahl dann in neuer Besetzung, wieder vorgelegt werden.

Interessierte Häuslebauer, die sich im bisweilen noch brachliegenden Baugebiet „HelLa“ niederlassen möchten, wird es freuen, musste die Grundstücksvergabe bisher doch solange auf sich warten lassen, bis die Ausbaufrage rund um den Knotepunkt geklärt ist.

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