Wie Menschen aus dem Beeke-Ort mit den frostigen Temperaturen umgehen

Eiszeit in Scheeßel

Leise rieselt das Streusalz: Dennis Seegers vom Fachbereich Straßen und Grün beim Nachfüllen seines Unimogs.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Hoch „Hartmut“ sei Dank: Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Und die sibirischen Temperaturen weit unter null Grad sind ausnahmsweise wörtlich zu nehmen, kommt die eiskalte Luft doch tatsächlich aus Sibirien. Auch in Scheeßel wird gebibbert, wie schon lange nicht mehr. Mancher weiß aber, mit dem Eiswetter umzugehen. Und wenige freuen sich sogar über Eiskälte, wie ein Streifzug durch den Beeke-Ort zeigt.

Fast ins Schwitzen vor lauter Arbeit kommen derzeit die Heizungstechniker. Sebastian Bretzke berichtet, dass gerade viel zu tun ist. „Da laufen in den letzten Tagen verstärkt schon viele kurzfristige Sachen bei uns auf“, sagt der Junior-Chef der Scheeßeler Firma Viets Heizung und Sanitär. Zum Glück handele es sich bei den allermeisten Störfällen um eingefrorene Rohrleitungen, die ein Fachmann in kurzer Zeit mit einem speziellen Gerät auftauen könne. 

Immer wieder komme es aber auch vor, dass eine alte Heizung ausgerechnet dann endgültig den Geist aufgibt, wenn es draußen so richtig kalt ist. „Dann müssen wir sofort rausfahren, es will ja keiner frieren.“ Um einen kompletten Heizungsaustausch zu verhindern, rät der Installateur- und Heizungsbauer jedem Hausbesitzer zum regelmäßigen Heizungscheck – „am besten, wenn man die Heizung nicht so dringend braucht“.

Dass Glühwein und Punsch, ihres Zeichens flüssige Warmhalter, nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern ebenso kurz vor meteorologischem Frühlingsanfang schmecken, das beobachten gerade Elena Lipina und ihr Team vom Getränkemarkt „Hol ab!“ am Verhalten ihrer Kunden. „Das wird durchaus noch nachgefragt, wenngleich jetzt auch schon die Maibockbier-Saison begonnen hat“, berichtet die Verkäuferin. Was übrig bleibt, werde bis zum Jahresende eingelagert – um beim nächsten Kälteinbruch wieder in den Regalen zu stehen.

Wohl bekommt‘s: Im „Hol ab!“-Getränkemarkt an der Bremer Straße erfreuen sich Punsch und Glühwein nach wie vor großer Beliebtheit.

Den Lenz schon fest im Blick hat Birte Jörs von der gleichnamigen Gärtnerei. Davon zeugen die Frühlingsblüher, die im Gewächshaus an der Peterstraße zu Tausenden gedeihen. Eigentlich, sagt sie, würde das Geschäft mit Primeln, Stiefmütterchen und Co. jetzt schon kräftig florieren. Nicht so in diesen Tagen. „Niemand will ja bei diesem Wetter wirklich pflanzen“, sagt die Inhaberin. Habe man Anfang des Jahres die Frühlingsboten-Aufzucht noch kräftig beheizen müssen, sei die Temperatur inzwischen wieder zurückgefahren worden. „So kommen die an sich schon verkaufsfertigen Pflanzen nicht zur vollen Blüte“, meint Jörs. Anders verhalte es sich bei den Sommerblühern, „denen müssen wir natürlich jetzt ordentlich Wärme zuführen, dass die zur Jahresmitte in voller Pracht stehen können“.

Streuen, Räumen, Schippen – nichts hält Dennis Seegers und seine Kollegen vom Gemeinde-Fachdienst Straßen und Grün (ehemals Bauhof) angesichts der Eiseskälte gerade mehr auf Trab. Zweimal schon ist er heute mit dem mit Streusalz „vollbetankten“ Unimog vom Betriebsgelände an der Rudolf-Diesel-Straße ausgerückt, um für rutschfreie Straßen und Wege zu sorgen – das erste Mal um fünf Uhr in der Früh. „Wenn man es nicht anders kennt, macht einem die Kälte überhaupt nichts aus“, sagt Seegers mit Blick auf seine Arbeit. Warm halte man sich ebenso beim Zurückschneiden von Bäumen und Büschen – „viel mehr ist bei dem Wetter auch nicht zu machen“.

Eiszeit – das ist bei „La Mimosa“ am Beekekreisel wörtlich zu nehmen. Während viele andere Eisdielen nur in der warmen Jahreszeit geöffnet sind, kann man bei Cinzia Tarantino auch bei winterlichen Temperaturen Eis genießen. „Die langen Schlangen, die man vom Sommer kennt, gibt es jetzt natürlich noch nicht“, sagt die Italienerin. Was also tun, wenn die Finger in den Handschuhen schon „frozen“ sind, man – wie sie – sein Geld mit Erfrischungen verdient, aber kein Saisongeschäft betreiben möchte? Tarantino setzt auf wärmende Alternativen wie Crêpes und heiße Waffeln.

Nicht jedem schmeckt das Eis – mit Ausnahme der süßen Kreationen bei „La Mimosa“.

Salzreste und Matsch tauchen Autos derzeit oft schon nach wenigen Kilometern in ein schmuddeliges Einheitsgrau. Der fahrbare Untersatz ist dreckig, also ab damit in die Waschanlage. Nur würden viele Kunden genau die gerade meiden, hat Frank Evers, Inhaber der Beeke-Tank an der Harburger Straße festgestellt. „Viele glauben, dass sich das Waschen im Winter nicht lohnt. Der Wagen wird sowieso gleich wieder schmutzig“, sagt er. Seine Waschanlage habe jedenfalls auch bei den aktuell frostigen Temperaturen geöffnet, allerdings nicht vormittags. „Bei unter minus vier Grad macht das einfach keinen Sinn, das Wasser würde sofort am Fahrzeug gefrieren.“ Stattdessen sei das Geschäft mit Scheibenenteiser und Frostschutzmitteln aktuell „der Renner“.

Frank Evers von der Beeke-Tank hält seine Autowaschanlage nur halbtags geöffnet.

Als echter Verkaufsschlager haben sich auch sogenannte Fußwärmer-Einlagen erwiesen – zumindest in der Sonnen-Apotheke an der Bahnhofstraße. „Die fristeten lange Zeit bei uns ein Dasein als Ladenhüter “, erzählt Inhaberin Bettina Winkler und wundert sich: „Jetzt gehen die weg wie warme Semmeln.“ Auch vor Anfragen nach fetthaltigen Cremes seien sie und ihre Mitarbeiter kaum noch zu retten. „Die Haut, die nicht warm eingepackt ist, leidet ja auch bei diesen Minustemperaturen.“ Erkältungsmittelchen würden dagegen nachgefragt, wie sonst auch. Nicht mehr und nicht weniger. „Ein Husten oder Schnupfen haben in der Regel auch nichts mit der knackigen Kälte zu tun“, weiß die Apothekerin.

Apothekerin Bettina Winkler mit den Fußwärmern.

Ein etwas anderer Ort zum Aufwärmen findet sich gleich schräg gegenüber im City Döner. Hier steht Bahaltin Kurt an den sich drehenden Fleischspießen, um den Gästen Döner Kebab und andere Gerichte aus der türkischen Küche zuzubereiten – bei wohlig-warmen 40 Grad plus. „So lässt es sich doch aushalten“, sagt der Gastronom augenzwinkernd.

Tropenhitze am Dönerspieß: „So lässt es sich doch gut aushalten“, sagt Bahaltin Kurt.

Dass im Winter auch gefiederte Zeitgenossen zu ihrem Recht kommen, dafür sorgt Bianca Gerken vom Scheeßeler Kiebitzmarkt. Einen regelrechten Boom erlebt hier derzeit der Abverkauf von Vogelfutter. „Das hat durch den Schnee und das Eis noch mal ordentlich angezogen“, ist von ihr zu erfahren. „Einige Restbestände seien noch auf Lager, am Donnerstag komme aber schon wieder Nachschub. Auch Kundin Regina Wegner deckt sich gerade mit einem Paket ein: „Die Vögel piepsen es ja schon von den Dächern: ,Ich habe Hunger.‘“

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