Einheitsgemeinde bringt kritische Stellungnahme zu den Plänen von PRD ein

Erdölförderung in Sothel: Scheeßel verschärft den Ton

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Unter diesem Acker in Sothel erhofft sich PRD Energy reiche Ölvorkommen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Im Kampf gegen die von der kanadischen Explorations- und Produktionsgesellschaft PRD Energy geplante Wiedererschließung der Ölbohrstelle in der Gemarkung Sothel (Fördergebiet Volkensen) ist der Gemeinde Scheeßel am Mittwochabend ein Vorstoß gelungen: Einstimmig empfahl der Planungs- und Umweltausschuss eine von der Verwaltung erarbeitete, nun nochmal deutlich im Tonfall verschärfte Stellungnahme, in der Bedenken gegenüber dem Vorhaben geäußert werden. Abstimmen darüber wird letztlich der Verwaltungsausschuss.

Bezug nimmt das an das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gerichtete Manifest auf den drei Aktenordner umfassenden Rahmenbetriebsplan, den das Unternehmen inzwischen vorgelegt habe, wie Bauamtsleiter Joachim Köhnken eingangs der Sitzung, an der im Gegensatz zum LBEG auch PRD-Vertreter teilgenommen hatten, erklärte. Bis Mitte März, so der Verwaltungsmann, habe die Gemeinde nun Zeit, die Erklärung bei der Entscheidungsbehörde mit Sitz in Hannover einzureichen.

Breiter Konsens bestand unter den Kommunalpolitikern dahingehend, dass man für die Verwaltungsvorlage, in die bereits die Bedenken der Sotheler Bürger selbst eingeflossen waren, noch viel deutlichere Worte finden müsse, was den von der Gemeinde erarbeiteten Auflagenkatalog betrifft – sollte das LBEG der von den Scheeßelern generell ablehnend betrachteten Wiedererschließungsbohrung zustimmen. „Wir müssen deutlich machen, dass wir von Grund auf dagegen sind“, äußerte sich Wolfgang Kirschstein (SPD). Und Hans-Jürgen Conrad (CDU) ergänzte: „Es gilt realistische Forderungen zu stellen, die sind in der Stellungnahme zwar schon drin, müssten aber noch verschärfter formuliert werden.“ Sich lediglich auf ein „Nein“ zu dem Vorhaben zu beschränken, wie vom ehemaligen Sotheler Ortsvorsteher Wilhelm Riepshoff angeregt worden war, hielt der Christdemokrat für unangemessen. „Dann findet unsere Stellungnahme überhaupt kein Gehör, wir sollten schon unsere Forderungen kundtun.“

Punkt für Punkt ging der Ausschuss die Deklaration durch. Erwähnung finden nach der Modifizierung nun nicht nur zu befürchtende Gefahren, beispielsweise für das Grundwasser (die Rotenburger Rinne sowie Wasservorrangebiete liegen in unmittelbarer Nähe zur Bohrstelle). Zum Ausdruck kommt ebenso, dass jedwede Fracking-Verfahren zwingend auszuschließen seien.

Ferner fordert die Gemeinde, sollte PRD tatsächlich eine Bohrerlaubnis erhalten, von dem kanadischen Unternehmen Maßnahmen ein, die unter anderem die Zuwegung zur Bohrstelle, die Beweissicherung der Gebäude, eine Bürgschaftssumme und ein ständiges Monitoring von Luft, Boden und Grundwasser betreffen – alles auf Kosten der PRD.

Ebenso fand der Vorschlag des Nabu-Vorsitzen Roland Meyer Einzug, auf die begrenzten und damit immer wertvoller werdenden Ressourcen hinzuweisen. Er verwies auf das Beispiel Schleswig-Holstein. Auch dort habe PRD nach Erdöl bohren wollen. Da die Bevölkerung dagegen vehement protestiert hatte, entschied die Landesregierung, die Höhe des Förderzins zu verdoppeln, woraufhin das Unternehmen seine Vorhaben wieder auf Eis gelegte hatte. Volker Meyer vom Wasserversorgungsverband Rotenburg wies darauf hin, dass auch seine Behörde vom LBEG um eine Stellungnahme gebeten worden war. „Wir haben bereits zum Ausdruck gebracht, dass wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung, und somit auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung einfordern“, so Meyer.

Anja Scholz von PRD erklärte, dass dem Rahmenbetriebsplan noch Sonderbetriebspläne folgen. „Über die einzelnen Schritte werden sowohl die Gemeinde als auch die Einwohner noch informiert“, versicherte sie. Allerdings habe auch das Unternehmen inzwischen festgestellt, dass die Förderung im Landkreis keine Anhänger habe. Scholz: „Dennoch haben wir uns an Recht und Gesetz gehalten.“

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