100 Jahre Frauenwahlrecht: Wanderausstellung macht Station in Scheeßel

Eine würdevolle Schau

Gleichstellungsbeauftragte Anja Schürmann (r.) begrüßte die Gäste im Rathausfoyer. Fotos: Warnecke

Scheeßel - VON LARS WARNECKE. Aufs Ganze gesehen kam die deutsche Revolution von 1918/19 auf halbem Weg zum Stehen. Aber sie brachte einen bis dahin in Deutschland einzigartigen Demokratisierungsschub hervor. Zum 19. Januar 1919 erlangten die Frauen, also rund die Hälfte der Bevölkerung, die politische Gleichberechtigung und erhielten das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. 100 Jahre liegt das zurück - für einen Großteil der Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinden im Kreis ein guter Grund, anhand von Text-Bild-Tafeln die hiesige Geschichte des Frauenwahlrechts auf spannende Weise zu dokumentieren. „Ratsfrau! - Frauen in den Räten der Kommunen im Landkreis Rotenburg“ heißt die von ihnen gemeinsam erarbeitete Wanderausstellung, die nach Rotenburg, Bremervörde und Visselhövede am Mittwoch nun für einen Abend im Scheeßeler Rathaus Station machte.

Anja Schürmann, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, und Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) zeigten sich beeindruckt von der Resonanz, das Foyer platzte förmlich aus allen Nähten. Und die vielen Interessierten, unter ihnen aktive, aber auch einige ehemalige Scheeßeler Ratsfrauen - wie die 84-jährige Elke Seidner, die von 1981 bis 1986 und dann noch einmal von 1991 bis 1996 ein Mandat hatte - wurden nicht enttäuscht: In 30 Kurzporträts (eines widmet sich Seidner, ein anderes der bereits verstorbenen Charlotte Schröter, die 1964 als erste Frau überhaupt im Gemeinderat eingezogen war), werden die frühen und zum Teil bis heute aktiven Ratsfrauen gewürdigt und die Entwicklung des Frauenanteils in den kommunalen Räten anhand von Zeitleisten aufgezeigt.

„Unser Anliegen war es, all jene Frauen hervorzuheben, die den Mut hatten, in einer Welt, die übrigens noch heute von Männern dominiert wird, politisch Verantwortung zu übernehmen“, wandte sich Anja Schürmann in ihrer Begrüßung an das Publikum. Das Frauenwahlrecht sei ein Recht, über welches heutzutage in Europa wohl nur noch die wenigsten Menschen nachdenken, sondern als gegeben hinnehmen würden. Aber das Recht, erinnerte die Boschelerin, habe hart erkämpft werden müssen. „Es musste mit Tomaten geschmissen, sich heimlich in Hinterhöfen getroffen und Nächte auch in Gefängnissen verbracht werden“, so Schürmann. „Und vermutlich wurde das eine oder andere Flintenweib von ihrem Ehemann seinerzeit in den Keller gesperrt, damit sie wieder zu klarem Verstand käme.“

Insgesamt 27 Frauen, habe sie ermittelt, seien bis heute im Rat vertreten gewesen - davon seien sieben von ihnen gegenwärtig aktiv. Nicht so Gundula Pommer. Sie war nach der Gebietsreform im Jahre 1974 die erste und alleinige Ratsfrau der neuen Einheitsgemeinde. Und Renate Bassen habe es laut der Gleichstellungsbeauftragten bisher auf die längste Zeit gebracht. Die Ostervesederin, die stolze 21 Jahre im Rat saß, war auch anwesend.

Und noch eine Rekordhalterin galt es beim Namen zu nennen - die Rathauschefin höchstpersönlich. War Käthe Dittmer-Scheele doch 2001 die erste und derzeit auch einzige hauptamtliche Bürgermeisterin im Landkreis. Ihrer Ansicht nach sei die Liste der Frauen, die bereits im Scheeßeler Rat tätig waren, „durchaus umfassend, es dürften aber schon ein paar mehr sein“. Vieles sei in Sachen Geschlechtergleichstellung über die Jahre hinweg nicht selbstverständlich gewesen, „aber es ist heute noch so, dass es schon noch einige Unterschiede gibt, auf die man aufmerksam machen sollte.“ Als Beispiel nannte die 60-Jährige ihre eigene Erfahrung auf öffentlichen Veranstaltungen, wenn lediglich die Bürgermeister der Städte und Gemeinden begrüßt würden, oft genug nicht aber auch die Bürgermeisterin. „Ich selbst fühle mich dann ehrlich gesagt überhaupt nicht angesprochen und finde es schade, dass man darauf überhaupt noch aufmerksam machen muss“, so Dittmer-Scheele.

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