Plattform neu gestrichen

Aussicht am Bullerberg: Hier lässt sich Natur tanken

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Cedric Oswald (l.) und Andreas Viets legten selbst Hand an, um den Aussichtsturm instand zu setzen. 

Westerholz - Im Zweiten Weltkrieg Stützpunkt von Luftabwehrgeschützen, danach Zuflucht für Flüchtlinge und Vieh, später Drogenumschlagplatz und Plattform für Nazi-Parolen, heute ein Treffpunkt für das Feierabendbier, fantastische Panoramabilder für Hobbyfotografen – und jüngst sogar Gegenstand eines Facebook-Aufrufs: Der Bunker am Westerholzer Bullerberg sorgt immer wieder für Furore.

Die Aussicht vom Bullerberg zieht Leute von nah und fern an.

Beim Besuch in der Abenddämmerung sticht ins Auge: Die vor gut einem Jahr von der Dorfjugend im Rahmen der „72-Stunden-Challenge“ errichtete Aussichtsplattform ist frisch gestrichen worden. Beim Arbeitseinsatz mit Pinsel und Lasur hatten mehrere Menschen ihre Finger im Spiel: Die Westerholzer Andreas Viets und Helmut Schulz ebenso wie der Scheeßeler Cedric Oswald. Die Drei eint die Liebe zu diesem abgeschiedenen Platz oberhalb des Orts: Andreas Viets, dessen Familie ein Maisfeld in unmittelbarer Nachbarschaft ihr Eigen nennt, hat schon als Kind hier mit Freunden gespielt. 

Ganze Gegend überblicken

Die Aktion der Aufwertung durch einen Aussichtsturm, an dessen Bau er selbst beteiligt war, sei gut gewesen: „Dadurch hat die teilweise schlimme Geschichte dieses an sich fabelhaften Ortes eine neue Richtung bekommen“, meint der Viehhändler und schwärmt von der Einweihungsfeier des Turms vor einem Jahr. „Da haben sich Leute getroffen und sind ins Gespräch gekommen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht.“

Eine ähnliche Verbindung zu dem Punkt, über den sich die gesamte Gegend überblicken lässt, hat der Scheeßeler Cedric Oswald. Auch er kommt seit vielen Jahren hier her, „um auszuspannen, für ein Feierabendbier“, in letzter Zeit auch immer wieder für Fotos. Auch einige Portraitaufnahmen des Hobbyfotografen sind dort bei weitem Blick und tiefstehender Sonne entstanden.

Der Dritte im Bunde: Helmut Schulz, seines Zeichens Vorsitzender des Westerholzer Dörpsvereins. Der hatte seinerzeit den Bau der Aussichtsplattform angeregt. „Seitdem kümmern sich immer welche von uns um den Unterhalt“ – sei es Rasen mähen, das Aufstellen einer zweiten Picknickbank, Müll sammeln oder – ein leidiges Thema – das Entfernen vorwiegend rechtsextremistischer Schmierereien von Holz und Stein.

Einen schönen Ort erhalten

Als Cedric Oswald – im milden September fast täglicher Stammgast – vor einigen Wochen eine losgerissene und in ein Feld geworfene Planke entdeckte, machten er und ein Kumpel sich ohne großes Überlegen sofort an die Arbeit: „Einen Akkuschrauber hatten wir im Auto, das war ein Kinderspiel.“ Daraus entspann sich eine „Schnapsidee, wie er sagt: „Wir wollten dazu beitragen, diesen schönen Ort hier zu erhalten.“ Kurzerhand startete er in einer lokalen Gruppe auf Facebook einen Aufruf: „Wer spendet Material?“ Der Zuspruch sei überwältigend gewesen. „Einige haben auch ihre Hilfe zugesagt.“

Dass die Aktion dann doch in kleinem Rahmen und mit dem Dörpsverein als Spender der Materialkosten im niedrigen dreistelligen Bereich kurzfristig über die Bühne ging, sei dem Wetter geschuldet gewesen: „Wir wollten das schnell erledigen, bevor es nass und kalt wird“, so Oswald, der mit Viets und Schulz einen halben Samstag lang Pinsel und Schrauber schwang.

Der Ort wird geschätzt: Eine Reihe zurückgelassener Windlichter zeugt vom Heiratsantrag, der hier vor einigen Wochen gemacht wurde, „die Windlichter wurden leider zurückgelassen“, bedauert Schulz. Und auch überregional ist der Ort ein Geheimtipp, wie Oswald weiß: „Ein Hamburger kommt einmal die Woche hierher, isst seinen Salat und genießt die Stille – er sagt, er tankt hier Natur.“ 

hey

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