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In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

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Das Lama sorgt mit seiner drolligen Art für ein Lächeln. Doch dieses Lächeln fällt Tamara May und ihrem Partner Nino Frank im Moment oft schwer – trotz der engagierten Hilfe von Jürgen Schnellrieder (l.).
Das Lama sorgt mit seiner drolligen Art für ein Lächeln. Doch dieses Lächeln fällt Tamara May und ihrem Partner Nino Frank im Moment oft schwer – trotz der engagierten Hilfe von Jürgen Schnellrieder (l.). © Tausendfreund

Seit nunmehr fast zwei Jahren sitzt der „Circus May“ in Ostervesede fest – mit gut 60 Tieren. In dem Dorf bei Scheeßel wartet die Betreiberfamilie darauf, endlich wieder touren zu können. Doch daraus wird wegen der Pandemie wohl auch weiterhin nichts.

Ostervesede – Viel wird diskutiert in der Familie May. Das ist zwangsläufig so, denn die Lage für ihren Zirkus, den Nino und Tamara May schon in der sechsten Generation führen, ist ernst, schwierig und manchmal wohl auch zum verzweifeln. „Wir reden oft darüber, was wir machen können, um die Situation zu verändern“, berichtet das Paar. Beide geben aber auch zu, dass ihnen einfach keine Lösung einfallen will – auch das ist fast zwangsläufig, denn die Familie ist seit dem Ausbruch der Pandemie in einer Notlage, kann als Zirkus nicht auftreten.

Doch aufgeben, betont Nino May, wolle man im Grunde auch nicht. Und so wird es Tag für Tag und Monat für Monat schwieriger, die zehn Menschen und 60 Tiere, die zusammen zwischen Ostervesede und Benkeloh leben, über die Runden zu helfen. „Selbst wenn es jetzt so wäre, dass wir auftreten dürften – viele Dörfer und kleine Städte planen einfach auch für die nächsten Monate nichts“, weiß Tamara May. Oft genug habe sie herumtelefoniert, doch keine Kommune plant zur Zeit mit einem Zirkusgastspiel. Auch sei die Durchführung einer Aufführung unter 2G-plus-Bedingungen schwerlich vorstellbar. „Normalerweise sind es ja Familien, die uns besuchen, die machen das dann eben einfach nicht“, seufzt die Chefin.

Es fehlt an Geld

„Es ist wirklich eine schwierige Zeit für die Familie“, weiß auch Jürgen Schnellrieder. Immer wieder ist der Finteler zu Besuch auf dem Gelände und versucht, Hilfe zu organisieren. Doch auch ihm gehen so langsam die Ideen aus. „Wir hatten noch im letzten Jahr einige Feste und Märkte im Blick, auf denen man zumindest mal kleine Aktionen hätte durchführen können“, schildert der Grünen-Politiker. Doch diese seien mit den wieder steigenden Inzidenzen eben auch wieder alle abgesagt worden. Es fehle schlichtweg an Geld. Die Zirkusfahrzeuge bräuchten zum Beispiel irgendwann Tüv, auch das koste. Und alleine 100 Euro am Tag kämen zusammen, um die Tiere zu füttern – das, sagt er, sei eben kein Pappenstiel.

„Ohne die ganze Unterstützung von Freunden, Spendern und auch den Landwirten aus der Umgebung könnten wir es gar nicht schaffen“, so Nino May. Ihm und seiner Familie ist die Situation sichtbar peinlich. „Es gab ja im Sommer auch noch diese Hochwasserkatastrophe im Ahrtal – da habe ich oft gedacht, diese Menschen, die brauchen die Hilfe eher als wir“, führt er weiter aus. „Wir würden so gerne arbeiten“, ergänzt er.

Wir wollen jetzt nochmal ein wenig für mehr Sichtbarkeit sorgen.

Hans-Jürgen Schnellrieder

Alle gemeinsam nutzen die Zeit, um das in einem Wäldchen an der Straße zwischen Ostervesede und Vahlde gelegene Quartier stets aufgeräumt und gut in Schuss zu halten. So wurde das Gelände gerade erst frisch umzäunt, „das Holz haben wir auch gespendet bekommen“, berichtet er. Alle gemeinsam räumen täglich auf, Müll oder Unrat sucht man an Ort und Stelle vergebens.

„Nach wie vor fehlt auch die Umwidmung des Geländes“, ergänzt Schnellrieder. Das sei aber eine politische Entscheidung, die sicher zu lösen zu sei, auch wenn sie eben noch gelöst werden müsse. Hintergrund ist, dass das Grundstück und Gebäude einer stillgelegten Kornbrennerei eben seit Monaten durch den Zirkus genutzt wird. Ursprünglich sollte dies nur kurzfristig geschehen. „Wenn wir eine normale Saison hätten, wären wir maximal drei Monate hier“, schildern die Mays. Doch nun sind aus den drei Monaten schon zwei Jahre geworden. „Wir sehen momentan keine Lösung“, so das Paar. „Aber wenn wir jetzt aufgeben, dann müssten alle, die in der Gastronomie oder im Veranstaltungsbereich arbeiten, auch aufgeben.“ Insofern, meint er, wäre das im Grunde auch keine Option.

Aufgeben keine Option

Man merkt der Familie an, dass sie nicht aufgeben will, die hofft, doch vielleicht irgendwann einfach wieder ganz normal auftreten zu können. Nur weiß man eben nicht, wann es wohl soweit sein wird. Nach wie vor ist der Zirkus daher auf Spenden angewiesen. „Wir wollen jetzt nochmal ein wenig für mehr Sichtbarkeit sorgen“, sagt Schnellrieder. Zum Beispiel wolle er auf der Facebook-Seite „Freunde des Circus May“ wieder „für mehr Action sorgen“.

Wer die Familie unterstützen möchte kann sich auch telefonisch unter der Nummer 01525 / 7543445 melden. Möglich sind Spenden, Tierpatenschaften oder auch Futterspenden.

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