Eine Mission, die niemals endet

Sandra Borchert aus Sothel rettet und vermittelt gequälte Tiere

Sandra Borchert hat ein großes Herz für Tiere. In ihrer privaten Vermittlungsstation für gequälte Tiere warten Hunde und Co. auf ein neues Zuhause. Fotos: Warnecke/Borchert
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Sandra Borchert hat ein großes Herz für Tiere. In ihrer privaten Vermittlungsstation für gequälte Tiere warten Hunde und Co. auf ein neues Zuhause.

Sothel – Hinter dem großen, weißen Tor, das links und rechts zwei Löwenstatuen schmücken, im ländlichen Idyll zwischen Sothel und Elsdorf, liegt die Welt von Sandra Borchert. Diese teilt sich die 42-Jährige mit ihrem Mann Klaus und vielen animalischen „Untermietern“. Platz ist auf dem riesigen Grundstück für die Tiere da. Hier tollen vergnügt ein paar Hunde herum, dort, neben dem Pool, zieht Hausschwein Emma gemächlich ihre Runden. Und aus einer Voliere dringt munteres Vogelgezwitscher.

Selbst zwei Papageien hat Borchert bei sich aufgenommen. „Die kommen aus einem Haushalt in Rotenburg“, sagt sie. „Ganze 24 Stunden waren die Armen in ihrem Käfig mit einem Tuch abgedeckt.“ Eine Postbotin habe sie auf die nicht gerade sachgemäße Haltung aufmerksam gemacht. Mit etwas Überredungskunst sei es ihr schließlich gelungen, die gefiederten Freunde mitzunehmen. Jetzt hoffe sie, dass die Papageien einen Besitzer finden, „bei dem sie es einmal besser haben werden“. Eine Hoffnung, die sie auch für die anderen Lebewesen habe, die in ihrer privaten Vermittlungsstation für geschändete Tiere, hinter dem Löwentor, ein vorübergehendes Domizil gefunden haben.

Warum sie sich für deren Wohl einsetzt? „Ich kann doch nicht einfach weggucken!“, macht die Sothelerin, die im Hotelgewerbe arbeitet und sich ihr Engagement von bereitwilligen Spendern mitfinanzieren lässt, deutlich. Vor rund sechs Jahren sei sie das erste Mal auf die Straße gegangen – habe bei Zirkus- und Pelzdemos mit Plakaten ganz weit vorne mitgemischt. „Mit diesen Veranstaltungen in Hamburg, aber auch deutschlandweit, hat die ganze Tierschutzsache bei mir eigentlich erst begonnen.“

Und heute? Heute verzichtet die gebürtige Staderin nicht nur komplett auf den Verzehr von Fleisch und Echtfell in der Mode, nein, sie ist auch bestens mit anderen Mitstreitern vernetzt. Facebook und Co. machen es möglich. Und: „Viele Leute, denen im Zusammenhang mit Tieren irgendwelche Missstände auffallen, schreiben mich an und bitten mich um Hilfe.“ Das sei vor allem der Fall, seitdem sie 2018 einen TV-Auftritt im Sat.1-Frühstücksfernsehen hatte: In dem Beitrag machte Borchert damals auf das Schicksal eines Schäferhundes aufmerksam, der vier Jahre lang von seinem Herrchen in einem dunklen Keller gehalten worden sein soll. „Danach haben mich die Leute mit ganz ähnlichen Härtefällen bombardiert.“

Und es sind Fälle, die sie, wenn sie mit ihrem Helferteam einschreitet, auch schon mal an den Rand der Legalität bringen würden. Wie neulich, aus einem Zwinger, in dem ein Tier zwölf Jahre lang ohne Korb oder Decke eingesperrt gewesen sein soll. „Die arme Seele hat quasi die ganze Zeit auf dem blanken Beton gelebt – in ihrem eigenen Kot“, berichtet Borchert. Mehr wolle sie dazu aber auch nicht sagen. Nur so viel noch: „Wenn das Veterinäramt nicht tätig wird, dann müssen wir es halt werden – das geht gar nicht anders.“

Überhaupt würden die Behörden ihrer Erfahrung nach oft auch erst dann tätig, wenn Missstände an die Öffentlichkeit gebracht worden seien. „Und das tue ich, auch wenn es natürlich nicht jedem schmeckt.“ Strafanzeigen seien bedingt durch ihre Missionen, bei denen sie unter anderem auch verletzte Wildtiere bei sich aufzieht, jedenfalls schon einige gegen sie gestellt worden. „Vieles davon ist aber auch schon wieder eingestellt – zum Glück, denn so etwas raubt mir ehrlich gesagt die Zeit“, erklärt sie.

Gerade erst sei ihr ein weiterer Coup gelungen: Aus Rumänien habe sie Barney, einen etwa dreijährigen Pyrenäenberghund, der schwerste, von Menschenhand gemachte Verstümmelungen aufgewiesen habe, von der Straße zu sich nach Sothel in die Vermittlung geholt. „Ein Freund von mir, der in dem Land lebt, musste ihn mit dem Narkosegewehr schießen, da er sich nicht anfassen ließ“, schildert Borchert. Nachdem der Hund noch in Rumänien tiermedizinisch versorgt und gechippt worden sei, um anschließend nach Deutschland gebracht zu werden, sei er ihr schließlich in Dortmund übergeben worden.

Mittlerweile sei Barney wohlauf und habe auch zum Menschen wieder ein Stück weit Vertrauen gefasst. „Heute, nachdem ich ihn erfolgreich vermitteln konnte, lebt Barney bei einer Bekannten in einer Pflegestelle bei Stade“, sagt die Frau, die noch lange so weitermachen möchte. „Auch wenn meine Gegner mich sicher dafür hassen werden.“

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