Wynton Kube absolviert Semester fast ohne Einschränkungen in Taiwan

Eine ganz andere Welt

Wynton Kube nutzt die Chance, um durch Taiwan zu reisen. In Taitung hat er besondere Steine gefunden, die vom Meer geformt wurden.

Büschelskamp – Mit Freunden auf dem Weg zur Universität, danach gemeinsam in den Park, um eine Runde Basketball zu spielen und am Wochenende ein Ausflug quer durch die Region: Das klingt nach einer Zeit vor dem Coronavirus. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um den derzeitigen Alltag von Wynton Kube, der in Taiwan seit Februar ein Auslandssemester absolviert. Der 23-Jährige aus Büschelskamp ist begeistert von der Kultur des Inselstaats, aber auch das normale Alltagsleben und insbesondere der Umgang mit dem Virus seien ganz unterschiedlich.

„Ich reise gerne und wollte mal eine andere Welt und neue Leute kennenlernen. Nach meinem Schulabschluss war ich bereits ein Jahr lang auf einer High-School in Amerika, aber dass es mich einmal nach Asien verschlägt, hätte ich nie gedacht“, berichtet Kube. Ein guter Freund habe für kurze Zeit in Taiwan gearbeitet und berichtet, wie schön und vielseitig der Inselstaat sei. Kube habe daraufhin eine Veranstaltung über Auslandssemester an seiner Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt besucht, an der auch seine jetzige Partneruniversität vorgestellt wurde. „Mein Kumpel meinte, ich solle es unbedingt machen und ich bin ziemlich glücklich darüber, dass ich jetzt hier bin. Es war eine echt gute Wahl“, so Kube.

Derzeit lebt er in Taipeh, Taiwans Hauptstadt. Durch eine Organisation habe er eine große Wohngemeinschaft gefunden, die nur 15 Minuten von seiner neuen Universität entfernt sei. Auf ein paar Umstellungen musste sich der Student aber trotzdem gefasst machen. „Unsere Küche besitzt nur eine Herdplatte und eine Mikrowelle, denn hier ist es üblich, sich sein Essen unterwegs zu kaufen. Es gibt sogenannte ,Day and Night Markets‘, wo man sich rund um die Uhr seine Mahlzeiten besorgen kann.“ Ganz oben auf der Speisekarte stehen natürlich Reis, Gemüse und Tofu, weshalb er seine Ernährung ein wenig anpassen musste.

„Mir gefällt es total, dass die Leute hier viel vorsichtiger mit ihren Mitmenschen umgehen und generell mehr Respekt gegenüber anderen haben“, berichtet der 23-Jährige. „Es gibt hier sehr viele Parks und Spielplätze, und da gibt es keinen Vandalismus, keine Bierflaschen, die rumliegen, es ist alles total sauber.“ Das Paradoxe daran sei, dass es draußen keine Mülltonnen gibt, jeder müsse seinen Müll selber wieder mitnehmen oder im nächsten Supermarkt wegwerfen. Das sei zwar sehr ungewöhnlich, aber die Regierung wolle vermeiden, dass Müll herumliegt. Außerdem werde dafür gesorgt, dass es überall viele frei zugängliche Sportplätze und Aktivitäten in der Stadt gibt. Kube nutze vor allem häufig die Tennisplätze, die zum Teil sogar bis 22 Uhr geöffnet sind.

„Ich treffe mich meistens mit Freunden im Park, gehe am Wochenende gerne mal surfen oder reise gemeinsam mit anderen Studenten. Die Metro ist hier total günstig und sauber. Ich war noch nie in einer Stadt, in der man so schnell von A nach B kommt“, erzählt Kube aus seinem Alltag.

Eine der spannendsten Erfahrungen sei aber der Umgang mit dem Coronavirus in dem Land. Als er Ende Januar mitgeteilt hat, er werde nach Taiwan fliegen, hätten ihn alle gefragt, ob das Land auch sicher sei und er sich keinem Risiko aussetze. Allerdings habe es zu der Zeit noch nicht viele Fälle gegeben, weshalb er die Reise unbedingt antreten wollte. Jetzt zeige sich, dass es eine gute Entscheidung war, denn dort gebe es wenige Erkrankte und nur wenige Einschränkungen. „Taiwan war eines der ersten Länder, das sich mit dem Virus befasst hat und sogar für Recherchezwecke Ermittler nach China geschickt hat. Daraufhin wurden alle Flughäfen gesperrt und Einreisen gestoppt. Somit wurde die Verbreitung gleich zu Beginn ausgebremst, weshalb es nun kaum Erkrankungen gibt“, erklärt Kube. Der Staat habe sehr schnell gehandelt. Täglich gegen 16 Uhr erhielten alle Einwohner per App ein Update, wie viele Neuinfektionen es in letzter Zeit gab und ob es sich dabei um Einreisende oder Einwohner handelt. Außerdem sehe man immer, welche Region es gerade betrifft. Noch dazu seien es die Menschen dort gewohnt, Masken zu tragen, sobald es ihnen nicht gut geht. Somit herrscht nur in den Metro-Stationen eine Maskenpflicht. Mithilfe von Tafeln wird jeder darauf hingewiesen, welche Strafe ihn ereilt, wenn er diese Pflicht nicht einhält. Die Maskenverteilung funktionierte fast reibungslos. Auch hier konnten sich die Einwohner mithilfe einer App Masken organisieren; sehen, wie viele noch verfügbar sind und sich in der nächsten Apotheke welche abholen. Kube hat den Eindruck, dass das Land hinsichtlich des Virus sehr sicher ist. „Ich kann hier überall hinreisen, und alle Geschäfte haben geöffnet. Es gibt keine richtigen Einschränkungen“, berichtet der 23-Jährige. Lediglich die Körpertemperatur werde beim Betreten eines Geschäftes gemessen. „Technisch und logistisch hat die Regierung das hier sehr gut gelöst. Es gab ziemlich schnell einen regulären Ablauf und nur wenige Fragen untereinander. Jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat“.

Allerdings stellt sich natürlich die Frage, wann und ob er wieder nach Deutschland zurückkommt. „Natürlich gibt es die Angst, dass ich vielleicht nicht so schnell zurückkomme“, meint der Büschelskamper. Doch in Taiwan sei er derzeit auch sehr sicher. „Ich überlege sogar, hier noch ein zweites Semester zu bleiben.“ Auch seine Familie freue sich, dass er das Leben dort ohne Einschränkungen genießen kann. Allzu viele Sorgen hinsichtlich der Frage, wie es weitergeht, mache er sich daher nicht. Die Flughäfen des Landes seien allerdings weitestgehend abgeriegelt und Lockerungen dort nicht absehbar.

„Es ist total irre, Deutschland so zu sehen. Vor allem in den Sozialen Medien sehe ich, dass vielen Menschen langweilig wird, und ich reise hier die ganze Zeit. Das ist echt verrückt“, findet Kube. „Ich kenne auch viele Leute daheim, die gar keinen Balkon oder ähnliches besitzen und somit nicht mal eben raus in den Garten können. Ich hoffe, dass sich daheim deshalb alles schnell wieder zum Guten wendet und jeder wieder seinem normalen Alltag nachgehen kann.“

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