Querungshilfe in Jeersdorf: Ausschuss will so viele Bäume wie möglich erhalten wissen

Eine Frage der freien Sicht

Genau hier soll die Querungshilfe entstehen. Im Hintergrund die vier Eichenbäume, von denen mindestens der rechte gefällt werden muss. - Foto: Warnecke

Scheeßel - Die nächste Hürde für die in Jeersdorf geplante Querungshilfe auf der Straße In‘n Dörp / Ecke Eichenallee ist genommen. Nachdem schon der Ortsrat dem von der Gemeinde in Kooperation mit einem Planer erarbeiten Entwurfskonzept zur Entschärfung der brenzligen Verkehrssituation zugestimmt hatte, gab jetzt auch der gemeindliche Bau- und Planungsausschuss sein Okay. Alles in Butter? Nicht ganz.

Knackpunkt sind nämlich vier Eichenbäume, die nach Einschätzung des Planers das Sichtfenster in Blickrichtung der Westerholzer Straße für Auto- wie für Radfahrer stark einschränken würden und deshalb gefällt werden müssten. Ohnehin gestaltet sich der Einmündungsbereich, vielen Jeersdorfern schon seit Jahren ein Dorn im Auge, als äußerst problematisch, wie Joachim Köhnken während der Sitzung erläuterte. Demnach sei die Eichenallee nicht etwa eine im 90-Grad-Winkel auftreffende Straße, sondern laufe in Schräglage auf den „Dörp“ zu. „Weil dadurch der Trichter sehr großzügig ausgebaut ist, befinden die Bürger das als zu gefährlich – gerade im Hinblick auf die aus der Eichenallee auf dem Fahrrad kommenden Schulkinder“, so der Leiter des Fachbereichs Bau und Planung im Rathaus.

Das Konzept, das dem Fachausschuss nun vorgelegt worden war, sieht eine beleuchtete Querungshilfe für Fußgänger und Radler vor, die nach rechts in den „Dörp“ reingeht. Dadurch, so Köhnken, müsse auf jeden Fall der erste der vier Bäume entfernt werden. Ferner ist geplant, den auf der gegenüberliegenden Seite befindlichen Gehweg, der jetzt noch bis zur Dieckchaussee geht, zu verlängern, um dann dort auch wirklich queren zu können. Und: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll im Bereich des Zebrastreifens auf 30 Stundenkilometer reduziert werden.

Dass laut dem Planer tatsächlich alle vier Bäume gefällt werden sollen, leuchtete nicht jedem Ausschussmitglied ein. „Der Autofahrer muss so fahren, dass er das einsehen kann und der Radfahrer letztendlich auch“, befand Arthur Lempert (Grüne). Warum vor Ort ein Kahlschlag stattfinden soll, erschließe ihm sich jedenfalls nicht, ebenso wenig Reinhard Frick (CDU): „Aus meiner Sicht müssten nur zwei Bäume weg, um die Sicht zu verbessern.“

Jürgen Wahlers (SPD/UGS) ist selbst Jeersdorfer. Er sagt: „Wer da wirklich mal mit dem Auto runtergefahren ist, weiß, dass es dort schwer ist mit der Einsehbarkeit.“ Seinen Worten nach habe Jeersdorf inzwischen eine eigene Grundschulklasse in Scheeßel mit 20 Kindern. „Die müssen dort eine Querungshilfe haben, ob sie dann auch wirklich vom Fahrrad absteigen, wie sie es dann müssten, steht auf einem anderen Blatt.“

„Viel Sicherheitsraum eingeplant“

Pragmatisch sieht es Hans-Jürgen Conrad (CDU): „Wenn ich zwei Bäume abmache, pflanze ich als Ausgleich eben fünf neue – wo ist das Problem?“ Dass viel Geld für Planer ausgegeben werde, die durchaus ihr Handwerk verstehen, man aber alles in Zweifel ziehe würde, sei der Sache jedenfalls nicht dienlich. „Wir sollten uns schon noch daran orientieren.“

Zwar stimmte der Ausschuss der Konzeptrealisierung geschlossen zu (das letzte Wort in dieser Angelegenheit spricht der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss), allerdings soll nun auch noch mal überprüft werden, ob nicht doch noch der eine oder andere Baum stehen bleiben kann. „Aus meiner Sicht ist dort nämlich wirklich ganz schön viel Sicherheitsraum eingeplant“, gab Detlev Kaldinski von der SPD/UGS-Gruppe zu bedenken.

Von Lars Warnecke

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