Fachausschuss spricht sich für Straßenumbenennung an der Mühle aus

Eine Frage der Zuordnung

Wer denkt, die Mühlenstraße findet im Einmündungsbreich zur Appelchaussee ihr Ende, irrt. Sie wird entlang der Mühle bis zur Jeersdorfer Brücke fortgesetzt.
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Wer denkt, die Mühlenstraße findet im Einmündungsbreich zur Appelchaussee ihr Ende, irrt. Sie wird entlang der Mühle bis zur Jeersdorfer Brücke fortgesetzt.

Scheeßel – Nein, einen Namen mit Nazi-Vergangenheit trägt die Appelchaussee in Scheeßel nicht. Natürlich nicht. Und trotzdem, nimmt man die Damen und Herren Kommunalpolitiker beim Wort, soll der Straßenzug, der an der historischen Wassermühle nebst den dazugehörigen Wohngebäuden vorbeiführt, eine Umbenennung erfahren. Darauf hat sich jetzt der gemeindliche Kernortausschuss verständigt. Der konnte auch gleich schon einen neuen Namen aus dem Hut zaubern: Aus der Appelchaussee wird, sollte der im Dezember tagende Gemeinderat der Empfehlung tatsächlich Folge leisten, „An der Wassermühle“.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Antrag des Mühleneigentümers Jan Müller-Scheeßel höchstpersönlich. Der moniert, dass die aktuell seinen Liegenschaften zugeordneten Adressen mit der Bezeichnung Mühlenstraße 43, 43 A und 45 A-E alles andere als zielführend seien, nachdem die Straßenführung vor seiner Haustür schon in den 1980er-Jahren durch einen damals erfolgten Ausbau geändert worden war. Optisch endet die Mühlenstraße seitdem so an der Einmündung zur Appelchaussee, führt aber eigentlich im rechten Bogen noch ein ganzes Stück weiter bis zur Wümmebrücke Richtung Jeersdorf. Ortsunkundige, stellt es Müller-Scheeßel in seinem Schreiben dar, hätten so mitunter ihre liebe Not, die auf der Hofstelle versammelten Gebäude überhaupt zu finden – sei es bei Postzustellungen und sonstigen Lieferungen oder aber gar bei Rettungseinsätzen, was einer Korrektur bedürfe.

„Natürlich kann jeder seinen Wunsch äußern“, merkte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) mit Blick auf eine Umbenennung an. Nur nachvollziehbar sei die vom Antragsteller genannte Begründung aus ihrer Sicht eher weniger, habe man doch schon 2015 Maßnahmen ergriffen, durch entsprechende Zusatzschilder für eine bessere Orientierung an Ort und Stelle zu sorgen. „Und bei Google Maps findet man einen Hinweis sofort.“ Aus verwaltungsfachlicher Sicht gebe es neben der Option, den Straßenzug namentlich so zu belassen wie er ist, wenigstens noch jene, die Anschriften der Wassermühle in Appelchaussee umzuwidmen – dann mit den Hausnummern 1 A-E, 3 und 5. Alles andere, betonte die Bürgermeisterin, würde nur Verwirrung schaffen. „Letztere Alternative möchte der Eigentümer aber unter keinen Umständen, wie er uns schon mitgeteilt hat, sondern er würde, sollte seinem Wunsch nicht nachgekommen werden, die aktuelle Adresse dann doch beibehalten wissen wollen.“

Am Ende sollte keine der beiden von der Verwaltung erwägten Optionen zum Zuge kommen. Denn mit dem von der CDU unterbreiteten Vorschlag, den Bereich künftig „An der Wassermühle“ zu nennen, konnten weitestgehend alle Ausschussmitglieder dann doch besser leben. „Dieser Name würde in Verbindung zum Gebäude ja auch gut passen“, befand Fraktionsmitglied Klaus Masselink. Nur, das brachte die Debatte ans Licht, soll die neue Bezeichnung dann auch für den kompletten, bisher nur spärlich bebauten Straßenzug gelten, beginnend an der Bundesstraße vorbei an der Einmündung in die Mühlenstraße bis schlussendlich hin zur Jeersdorfer Brücke, hinter welcher sich die Westerholzer Straße im weiteren Verlauf anschließt. Die Appelchaussee als bloße Zubringerstraße zur Mühle wäre damit ein für alle Mal Geschichte, während die Mühlenstraße selbst exakt dort abschließen würde, wo im Einmündungsbereich die Mittelinsel endet. „So würde es auch keine Diskrepanzen mehr geben, wo man hinmuss – und man hätte mit dem Namensverweis schon gleich am Ortseingang einen Reiz für die Mühle als Ausflugsziel geschaffen“, liebäugelte Detlev Kaldinski (SPD) mit der Idee, deren Umsetzung den Ort seiner Meinung nach ungemein bereichern würde.

Einzig Carsten Gehse (Gruppe 57) wollte sich nicht so recht damit anfreunden, den Namen Appelchaussee fallen zu lassen – aus nostalgischen Gründen, sei er, wie der FDP-Mann erklärte, doch in unmittelbarer Nähe zu ihr aufgewachsen. „Ich wäre eher dafür, alles beim Alten zu belassen“, meldete sich Gehse zu Wort, der sich entgegen aller anderen Ausschussmitglieder, die pro Straßenumbenennung plädierten, dann auch seiner Stimme enthielt. Die anderen wären für eine Neuvergabe der Nummerierung in „An der Wassermühle 1 A-E, 3 und 5“ – auch ein Anwohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite wäre von einer Korrektur betroffen, er bekäme die Hausnummer 2.

„Warum die Straße nicht gleich in , Am Radlader‘ umtaufen? Passen würde es doch allemal“, konnte sich die Bürgermeisterin eine Bemerkung nicht verkneifen, mit der sie offenbar auf das vom Mühlenwart vor dessen Gebäude geparkte und zum Leidwesen vieler Verkehrsteilnehmer in den Fahrbahnbereich ein Stückchen weit hineinragende Gefährt anzuspielen versuchte. Aber das ist eine andere Scheeßeler Geschichte.

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