Restaurierung der Kirchenorgel ist abgeschlossen

Eine doppelte Auferstehung

Kirchenmusiker Andreas Winterhalter (v.l.) sowie Rowan West und Frank Stam haben für die Orgelrenovierung sämtliche Register gezogen. -  Foto: Warnecke

Scheeßel - Scheeßels historische Vierdag-Orgel hatte bis vor kurzem noch ein nicht hörbares, dafür aber mittlerweile im Gehäuseinnern immer deutlich sichtbares Problem: Schimmelpilze, Staub und Feuchtigkeit hatten dem Instrument in der St.-Lucas-Kirche gehörig zugesetzt. Nun ist sie nach mehr als 40 Jahren gründlich gereinigt und restauriert worden. Am Ostersonntag soll der Koloss im Gottesdienst wieder erklingen.

Es mutet paradox an, aber die Folgen des Klimawandels waren noch vor wenigen Wochen in dem imposanten Instrument zu sehen. „Die Orgel war vom Schimmel befallen“, sagt Rowan West aus Altenburg bei Bonn. Seit fünf Wochen ist der Orgelbaumeister mit seinem Kollegen Frank Stam auf der Westempore im Einsatz, um sie penibel zu reinigen sowie die Pfeifen zu justieren und zu stimmen.

Der sich ablagernde weiße Pelz ist bei weitem kein Einzelfall. Laut West sind gut Zweidrittel aller Orgeln in sogenannten Dorfkirchen befallen. „Früher mussten sie noch wegen der Trocknungsschäden restauriert werden“, weiß Kirchenmusiker Andreas Winterhalter. Vor etwa 20 Jahren dann seien sogenannte neuartige Orgelschäden aufgetreten. Die Feuchtigkeit in den Kirchen – sie wurde zum Problem. Die Gotteshäuser wurden restauriert, die Fenster abgedichtet, und es wurde weniger gelüftet. Die Folge: Abgelagerter Staub begann zu schimmeln. Denn eines lasse sich mittlerweile nachweisen, sagt Rowan West: „Unser Klima wird immer feuchter und wärmer, und das hat Folgen – gerade in alten Gemäuern.“

Mit Lappen und Wischeimer ausgerüstet, machten sich die beiden Orgelbauer an die mühsame Handarbeit, die Flächen unter Einsatz eines speziellen Anti-Schimmel-Mittels abzuwischen. Auch einige Kleinteile und Orgelpfeifen wurden ausgetauscht. Und: „Die Rückwand der Orgel ist jetzt nicht mehr ganz verschlossen, um für mehr Luftzug zu sorgen und weiterer Schimmelbildung vorzubeugen“, sagt Frank Stam. Abschließend wurde das Instrument perfekt intoniert.

Dass die altehrwürdige Orgel nun für rund 51 000 Euro Renovierungskosten wieder in frischem Glanz erstrahlt, freut Winterhalter ungemein. „Damit feiern wir sozusagen eine doppelte Auferstehung“, meint der Kirchenmusiker mit Blick auf den bevorstehenden Ostergottesdienst am Sonntagmorgen. Dann wolle er als Eröffnungsstück das barocke Präludium in G-Dur von Nicolaus Bruns zum Besten geben.

Im Sommer steht die Scheeßeler Vierdag-Orgel dann schon wieder im Mittelpunkt. Anlass ist ihr 250-jähriges Bestehen. „Dieses besondere Jubiläum wollen wir von der Kirchengemeinde mit einem großen Konzert begehen“, verrät Winterhalter.

Von Lars Warnecke

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