Anwohner fühlen sich bei der Planung übergangen

Neues Kinderheim im Jeersdorfer Wohltkamp

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Diese derzeit noch leer stehende Immobile hat sich die Firma „Human Care“ für ihr Kinder- und Jugendheim auserkoren. Darin sollen bis zu acht Bewohner eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erfahren.

Jeersdorf - Von Lars Warnecke. Die Anwohner des Jeersdorfer Wohltkamps sind auf 180: In ihrer kleinen, beschaulichen Straße soll demnächst in einem derzeit noch leer stehenden Wohnhaus ein Kinderheim eröffnen.

Betreiben will die Hilfseinrichtung, in der Jungen und Mädchen aus schwierigen Familienverhältnissen rund um die Uhr betreut werden sollen, die in Sottrum ansässige Firma „Human Care“. „Schön und gut“, meint die Nachbarschaft, nur gehe dem Ganzen eine ganz und gar unschöne Vorgeschichte voraus.

Einwohnerfragestunden sind zum Fragen da, klar. Und von diesem Recht machten die gut ein Dutzend „Wohltkamper“, die am Donnerstag vergangener Woche mit sichtbar verfinsterter Mine in der Sitzung des Jeersdorfer Ortsrates saßen, auch reichlich Gebrauch. Schließlich, monierte mancher, sei bisher überhaupt keine das Projekt betreffende Information nach außen gedrungen. 

Um welche Kinder es sich denn genau handeln würde, wollte einer wissen. Mit wie vielen Bewohnern wohl zu rechnen sei, ein anderer. Tatsächlich, ließ Steffen Lohmann von „Human Care“ wissen, handele es sich um ein Heim für insgesamt acht junge Menschen im Alter von acht bis 14 Jahren. Die hätten vorwiegend Gewalterfahrungen in ihren Familien gemacht und würden vor Ort 24 Stunden am Tag von mindestens einer Fachkraft betreut. 

Gerüchte machen die Runde

Von schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe, wie ein Gerücht schon die Runde gemacht hatte, wollte Lohmann aber nicht sprechen. „Dann werden die Kinder aber doch wohl trotzdem verhaltensauffällig sein“, ergriff Anwohnerin Andrea Hank das Wort. Das, so der Mitarbeiter, sei nicht auszuschließen.

An sich, betonte Hank, sei gegen eine solche Einrichtung in der eigenen Straße prinzipiell nichts einzuwenden – gäbe es vor Ort, in unmittelbarer Nachbarschaft zu der von „Human Care“ auserkorenen Immobilie, nicht schon eine Flüchtlingsunterkunft. Zwar habe es mit deren Bewohnern, einer Familie, nie Probleme größerer Art gegeben, aber habe die Nachbarschaft auch alles daran gesetzt, sie zu integrieren. 

„Für das soziale Gefüge bei uns im Wohltkamp wäre jetzt ein zusätzliches Kinderheim aber schon ein gewaltiger Eingriff“, befand Hank. Und die Jeersdorferin holte noch weiter aus, sprach davon, dass man schon damals vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. 

Dass die Gemeinde es schon seinerzeit nicht verstanden habe, im Hinblick auf die Unterkunft das Gespräch mit den Anwohnern zu suchen. Nein, eine solche „Kopf-in-den-Sand-Politik“ wolle man nicht noch einmal über sich ergehen lassen. Man sei schließlich nicht „das Sozialunternehmen der Gemeinde Scheeßel“.

Wogen lassen sich nicht einfach glätten

Bauamtsleiter Joachim Köhnken, der in Vertretung der Bürgermeisterin anwesend war, erklärte, dass die Gemeinde keineswegs in der Pflicht stehen würde, die Anlieger bei einer Grundstücksumnutzung, wie im Fall des geplanten Kinderheims, zu informieren. „Uns ist ein ganz normaler Bauantrag zugegangen, alles andere sind private Angelegenheiten, damit hat die Verwaltung nichts zu tun“, versuchte er die Wogen zu glätten – vergeblich. 

„Haben Sie als Verwaltung uns gegenüber nicht auch eine Pflicht, einen Frieden in der Gemeinde aufrecht zu erhalten?“, entgegnete einer der Anwesenden. „Man hätte mit uns kommunzieren müssen, dann hätte man unsere Bedenken einarbeiten können und die Firma hätte es sich vielleicht anders überlegt – so ist es jetzt ein Schlag ins Gesicht.“

Dass eine 24-Stunden-Betreuung der jungen Bewohner, so wie von „Human Care“ dargestellt, überhaupt garantiert sei, wagt Ortsratsmitglied René Kahlbrecht, Lehrer an der Beekeschule, zu bezweifeln – und zwar aus eigener Erfahrung heraus. „Ich habe viel mit solchen Kindern zu tun, immerhin gibt es in der Gemeinde jede Menge Heimunterbringungen“, meldete sich der Jeersdorfer zu Wort. „Wenn eine solche Betreuung tatsächlich gewährleistet werden könnte, wäre es dies das erste Mal.“

Skeptisch äußerte sich Kahlbrechts Ratskollegin Ilka Wilken mit Blick auf den Standort. „Ich finde es schon problematisch, wenn das Heim Haus an Haus zur Flüchtlingsunterkunft angrenzt, da gibt es sicher Konfliktpotenzial.“

Und Steffen Lohmann? Auch der „Human Care“-Mitarbeiter versuchte an diesem emotional aufgeladenen Abend, die Wogen zu glätten: „Falls es doch zu Problemen kommen sollte, wenden Sie sich an uns, wir sitzen ja in Sottrum.“

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