Veranstalter und Polizei erklären Konzept

Sicherheit beim Hurricane: „Ein Restrisiko bleibt immer“

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Schon am Scheeßeler Bahnhof halten Polizeikräfte ein wachsames Auge auf die anreisenden Festivalbesucher.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wie schützt man Zehntausende Menschen vor einem Terroranschlag? Selten war hierzulande das Thema Sicherheit rund um Konzerte, Festivals und Volksfeste so brisant wie nach den jüngsten Anschlägen von Berlin, London und Stockholm – Anschläge, bei denen Terroristen jeweils mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge gerast waren.

Vor der schwierigen Aufgabe, ein Höchstmaß an Sicherheit zu garantieren, stehen auch die Organisatoren des Scheeßeler Hurricane-Festivals. Immerhin werden wieder 73 000 Festivalgänger auf den Eichenring strömen.

Ansbach, 24. Juli 2016. In dem bayerischen Städtchen findet ein Musikfestival statt. Rund 2 500 Besucher tummeln sich auf dem Open-Air-Gelände. In den Abendstunden passiert es: Der 27-jährige syrische Flüchtling Mohammed Daleel zündet vor einem Weinlokal eine mit scharfkantigen Metallteilen präparierte Rucksackbombe. 

Er verletzt damit 15 Personen – und kommt selbst ums Leben. Zuvor hatte der Attentäter, dem Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ nachgewiesen werden konnten, noch versucht, auf das Festivalgelände zu kommen. Der Zutritt war ihm aber verwehrt worden – weil er keine Eintrittskarte besaß. Es sei „glücklichen Umständen“ zu verdanken gewesen, „dass nicht weitere Menschen zu Tode gekommen sind“, erklärte damals der bayerische Innenminister.

Sicherheitskonzept wird ständig überprüft

Die Bluttaten der jüngeren Vergangenheit, sie haben eine neue Sicherheitsdebatte in Deutschland ausgelöst. „Sie zeigen, dass Veranstaltungen jeglicher Art durchaus auch das Ziel von gewaltsamen Angriffen sein können“, erklärt Folkert Koopmans, Chef des Hurricane-Veranstalters FKP Scorpio. „Gemeinsam mit den zuständigen Sicherheitsorganen überprüfen wir daher kontinuierlich alle relevanten Abläufe unseres Sicherheitskonzepts.“ Sämtliche eingesetzten Kräfte würden entsprechend sensibilisiert und geschult, versichert er.

Über die genauen Vorkehrungen, ob für das Scheeßeler Festival womöglich nun gar zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, will der Veranstalter sich nicht öffentlich äußern. „Das können wir verständlicherweise nicht, da ein Baustein auch die Geheimhaltung der getroffenen Vorkehrungen darstellt, um potenziellen Gewalttätern etwaige Planungen, die Veranstaltung zu stören, zu erschweren“, wirbt Koopmans um Verständnis. „Der Gefahr eines Anschlags mit einem Kraftfahrzeug sind wir uns aber natürlich bewusst.“

Oder eben der Gefahr einer Rucksackbombe, wie sie in Ansbach explodiert war. Um diese oder ähnliche Vorfälle abzuwenden, herrschen auf dem Eichenring schon seit jeher strenge Einlasskontrollen, bei denen ein genauer Blick in die Taschen und Rucksäcke der Besucher geworfen wird. Ob es dieses Mal ein generelles Rucksackverbot auf dem Festivalgelände geben wird, wie beispielsweise beim letztjährigen „Wacken Open Air“, darf bezweifelt werden. Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen würden diesbezüglich schon sehr gut greifen, heißt es dazu aus dem Hause Scorpio.

Traktoren beim Blütenfest

Zusätzlich zur Geländesicherung durch Security-Personal selbst sind beim Hurricane etliche Polizeikräfte vor Ort, um ein wachsames Auge auf die Besucher zu werfen. Im Einsatz sind sie beispielsweise auf den Zufahrtsstraßen im Umland und an den Bahnhöfen. „Vor dem Hintergrund der Terrorakte sind natürlich alle sensibilisiert“, erklärt Fred Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg. Von einer grundsätzlich neuen Sicherheitslage für den ländlichen Raum könne zwar noch nicht die Rede sein, gleichwohl sei es seinen Worten nach aber „blauäugig zu glauben, dass nicht auch hier Anschläge möglich sind“.

Nicht zuletzt daher hatten die Ordnungshüter für das Gnarrenburger Blütenfest Anfang April in Absprache mit dem Veranstalter auch ein besonderes Sicherheitskonzept entwickelt: Vier große Traktoren waren damals auf der Flaniermeile postiert worden, um die 25 000 Besucher vor einer möglichen Fahrzeug-Attacke zu schützen. Auch für das Hurricane-Festival solle nun noch einmal der Sicherheit wegen an der einen oder anderen Stellschraube gedreht werden. 

„Das Konzept befindet sich noch in Arbeit, sodass wir darüber noch nichts preisgeben können“, sagt Krüger. Spätestens Ende Juni, wenn das Festival stattfindet, werden die Ergebnisse zu sehen sein – einige wiederum nicht. Krüger spricht in diesem Zusammenhang von „sichtbaren und auch nicht sichtbaren Maßnahmen“.

Am Ende ist aber auch der Polizei, den Behörden und dem Veranstalter klar: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Folkert Koopmans bringt es auf den Punkt: „Ein Restrisiko bleibt immer.“

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