Krimi-Autor Chris Krause aus Westeresch legt neues Buch vor

„Ein gepflegtes Halbwissen reicht“

„Was mich bewegt, aufregt oder freut, findet oft Eingang in ein Buch.“ Chris Krause feiert mit seinen Staller-Krimis riesige Erfolge. Foto: Ujen

Westeresch - Von Ursula Ujen. In Westeresch wird wieder gemordet. Wie viele Menschen Chris Krause an seinem Schreibtisch inzwischen um die Ecke gebracht hat, kann er auf Anhieb gar nicht sagen. Fakt ist: Seit Erscheinen seines siebten Krimis „Staller und die ehrbare Familie“ vor wenigen Tagen sind es wieder ein paar mehr. Ein Gespräch mit dem Westerescher Autoren über die Kunst des Schreibens, den Bezug zur Realität und warum ihm ausgerechnet im Scheeßeler Freibad die Muse küsst.

Herr Krause, die Eröffnung ihres neuen Staller-Krimis spielt in einem Hamburger Edelhotel. Haben Sie persönlich auch Zugang zur feinen Gesellschaft?

Da gibt es durchaus Berührungspunkte. In diesem Hotel bin ich nämlich tatsächlich gewesen - zum 90. Geburtstag von Professor Helmut Grewe, dem Baumogul und Mäzen, der die Elbphilharmonie vorangebracht und dafür 30 Millionen Euro gespendet hat. Ich war eingeladen gemeinsam mit jeder Menge Hamburger Prominenz. Dieser außerordentliche Abend hat mich dann auch zum aktuellen Buch inspiriert.

Mit dem Hintergrund der Randale anlässlich des Hamburger G7-Treffens 2017 haben Sie die Handlung des neuen Buchs um ein fiktives Wirtschaftsgipfeltreffen in 2018 angelegt. Brandheiße Themen wie Turbokapitalismus, Globalisierung und Datenklau spielen darin eine bedeutende Rolle. Wie wichtig ist Ihnen aktueller Bezug?

Auch fiktionale Unterhaltung findet ja nicht außerhalb von Zeit und Raum statt. Ich lege meine Hauptfiguren bewusst ein bisschen oldschool an. Das sind ja alles ganz normale Typen wie du und ich. Keine kaputten Alkis, wie gern in den nordischen Krimis, und keine Autisten mit Waschzwang und Hellsichtigkeit. Dafür, denke ich, müssen die Themen aktuell sein. Was mich bewegt, aufregt oder freut, findet oft Eingang in ein Buch. Die Kunst ist dann, es so einzubauen, dass nicht bei Drucklegung längst alles anders ist. Meistens gelingt das - zum Glück. Aber der erste Band wird irgendwann überholt sein - die Köhlbrandbrücke, auf der das große Finale stattfindet, soll ja abgerissen werden.

Im Buch geht es um Waffenexporte in den Iran, um hoch technisierte Drohnen und um spezielle IT-Kenntnisse - sind Sie ein technik-affiner Mensch?

Wenn mich irgendwas packt und ich glaube: Das musst du verwenden - dann beiße ich mich in die Thematik rein. Zum Glück muss ich keine Vorlesungen über das Thema halten. Von daher reicht meistens ein gepflegtes Halbwissen. Damit kenne ich mich als Journalist ja aus. Es sollten nur möglichst keine groben Schnitzer drin sein. Und zur Methode: Das Wissen der Menschheit steht heutzutage ja nicht nur in der Staatsbibliothek, sondern auch im Internet. Und wenn ich das nicht verstehe, dann kenne ich eigentlich immer einen, der einen kennt - und der kann mir das erklären.

Ihre Protagonisten lieben italienisches Essen - der Lieblingsitaliener „Mario“ von Staller und Bombach erfüllt zwar das typische Klischee, aber dennoch würde jeder Leser dort gern zu Gast sein. Wunschtraum oder verraten Sie uns die Adresse?

Der Mario - der würde bestimmt eine gute Gastro-Karriere hinlegen. Es gibt tatsächlich viele Leser, die mich danach fragen. Aber so leid es mir tut, es gibt keine reale Vorlage. Ein Italiener in Köln war Vorbild für diesen Familientisch und das Essen jenseits der Karte. Kulinarisch stand der Rauchfang in Oldenhöfen Pate, obwohl es dort nicht explizit italienisch zugeht. Mario als Figur hingegen ist komplett fiktiv.

Sie sind gern sportlich unterwegs und wurden im Sommer beim Marathon gesichtet - ist auch da eine Neuauflage geplant? Außerdem kann man Sie schreibend oder Korrektur lesend im Scheeßeler Freibad antreffen - können Sie überall arbeiten oder gibt es einen Lieblingsplatz?

Ich hab gerade Jahresstatistik gemacht: 1 750 Laufkilometer in 2018, das war ganz gut. Das darf gern so bleiben. Denn beim Laufen entstehen ganz viele Ideen für die Bücher. Wenn ich also mal jemanden unterwegs nicht grüße - sorry, ich bin nicht unhöflich, sondern nur in Gedanken. Geschrieben wird ausschließlich am Schreibtisch und dabei habe ich fast autistische Tendenzen. Wenn das Mobiltelefon nicht rechtwinklig zur Tischkante ausgerichtet ist, dann wird das nichts. Das hat eine gewisse Komik, da es in meinem Arbeitszimmer ansonsten aussieht wie auf dem Schrottplatz der Ludolfs. Alle übrigen Arbeiten kann ich überall erledigen. Im Scheeßeler Freibad ist es besonders schön, dann kommt der Junge mal an die frische Luft. Und das Team dort unterstützt mich sensationell mit Kaffee und guten Worten.

Gibt es besonders positive Erlebnisse im Zusammenhang mit ihrer Autorentätigkeit oder Dinge, die Sie ärgern?

Ganz toll ist mittlerweile die Treue vieler Leser. Manche fragen schon zeitig ungeduldig nach, ob der neue Staller bereits erschienen ist. Eine Leserin schrieb, dass sie ihr Buch an Bekannte in China geschickt hätte, eine andere trifft sich immer mit mir in meinem Ski-Ort, damit sie ein signiertes Exemplar erhält. Solche Erfahrungen berühren mich sehr, denn sie zeigen mir, dass ich den Menschen Freude bereite. Andererseits ärgere ich mich über Menschen, die Kultur für ein Give-away halten. Ich liebe Lesungen wirklich, aber manche Veranstalter haben seltsame Vorstellungen. Die erwarten, dass man selber Werbung macht, für lau auftritt und am besten noch Wein und Schnittchen mitbringt. Ich möchte mal einen Handwerker sehen, dem so ein Vorschlag gemacht wird.

Lesung

Am Donnerstag, 7. Februar, ab 15 Uhr, stellt Chris Krause auf Einladung des Café-Kult-Teams sowie des Büchereifördervereins Scheeßel im Nötel-Haus (Mühlenstraße 2) seinen neuen Hamburg-Krimi vor. Außerdem gibt er Kostproben aus seinem im Vorjahr erschienenen Buch „Staller und der unheimliche Fremde“, mit dem er es auf die Shortlist zum Leserpreis Krimi beim größten deutschsprachigen Buchportal „LovelyBooks“ schaffte. Der Eintritt ist frei, eine kleine Spende erwünscht.

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