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Hauptverwaltungsbeamte aus dem Kreis treffen sich in Scheeßel zum interkommunalen Austausch

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Von: Lars Warnecke

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Tauschten sich am Dienstag zu kommunalübergreifenden Themen aus: die Hauptverwaltungsbeamten mit Gerhard Kahrs (Samtgemeinde Selsingen, vordere Reihe v.l.), Ulrike Jungemann (Gemeinde Scheeßel), Henning Fricke (Samtgemeinde Zeven), Dirk Eberle (Samtgemeinde Bothel), Torsten Oestmann (Stadt Rotenburg, mittlere Reihe v.l.), Marc Breitenfeld (Gemeinde Gnarrenburg), Oliver Moje (Samtgemeinde Tarmstedt), Ralf Goebel (Stadt Visselhövede), Silke Fricke (in Vertretung für Michael Hannebacher, Stadt Bremervörde, hintere Reihe v.l.), Sven Maier (Samtgemeinde Fintel), Holger Bahrenburg (Samtgemeinde Sottrum), Stephan Meyer (Samtgemeinde Geestequelle) und Jörn Keller (Samtgemeinde Sittensen).
Tauschten sich am Dienstag zu kommunalübergreifenden Themen aus: die Hauptverwaltungsbeamten mit Gerhard Kahrs (Samtgemeinde Selsingen, vordere Reihe v.l.), Ulrike Jungemann (Gemeinde Scheeßel), Henning Fricke (Samtgemeinde Zeven), Dirk Eberle (Samtgemeinde Bothel), Torsten Oestmann (Stadt Rotenburg, mittlere Reihe v.l.), Marc Breitenfeld (Gemeinde Gnarrenburg), Oliver Moje (Samtgemeinde Tarmstedt), Ralf Goebel (Stadt Visselhövede), Silke Fricke (in Vertretung für Michael Hannebacher, Stadt Bremervörde, hintere Reihe v.l.), Sven Maier (Samtgemeinde Fintel), Holger Bahrenburg (Samtgemeinde Sottrum), Stephan Meyer (Samtgemeinde Geestequelle) und Jörn Keller (Samtgemeinde Sittensen). © Warnecke

Wo drückt der Schuh? Regelmäßig treffen sich die Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis zum interkommunalen Erfahrungsaustausch. Bei der Zusammenkunft am Dienstag in Scheeßel stand vor allem ein Thema im Fokus: der Personalmangel in den Kitas.

Scheeßel – Sie haben alle ihre ganz eigene Struktur, die 13 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden im Landkreis Rotenburg – mit ganz besonderen Stärken wie auch mit Herausforderungen. Ihre Hauptverwaltungsbeamten, kurz HVB, sind im engen Austausch, wenn es um Erfahrungen, Ziele und Notwendigkeiten geht. „Wir möchten gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen“, sagt Gerhard Kahrs (63) über das Miteinander der Bürgermeister im Kreis.

Er selbst ist in der zweiten Wahlperiode Rathauschef in der Samtgemeinde Selsingen. Und nicht nur das: Am Dienstag ist der CDU-Mann im Kreise seiner Amtskollegen zum neuen Vorsitzenden der sogenannten HVB-Runde ernannt worden. Rechtliche Relevanz habe die zwar nicht, sei aber trotzdem von enormer Bedeutung, wie der Selsinger sagt. „Es ist ein Erfahrungsaustausch, bei dem wir Strategien und Standards absprechen und uns auf eine gemeinsame Linie verständigen können.“

Das Ziel: Transparenz schaffen

Viele neue Gesichter gab es bei der zweiten, dieses Mal in Scheeßel abgehaltenen Präsenzkonferenz nach der Kommunalwahl zu sehen. Sieben der 13 Amtsträger sind erst seit Anfang November dabei. So auch die Gastgeberin, Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU). Normalerweise, sagt sie, würden die Treffen hinter verschlossener Tür stattfinden. Davon wolle man in Zukunft aber ein Stück weit abrücken. „Wir haben uns überlegt, dass wir die Themen, über die wir sprechen, auch mal nach außen tragen, sodass die Bürger verstehen, dass wir alle zusammenarbeiten und nicht jeder für sich.“

Und zu besprechen gab es im neuen Sitzungssaal des Scheeßeler Rathauses tatsächlich viel. So viel, dass man die Zahl der Konferenzen, bisher fanden die alle vier Monate statt, bei Bedarf auch mal zwischendrin per Videoschalte, künftig noch erhöhen möchte, berichtet Kahrs, der neue Chef der kommunalen Familie, der in die Fußstapfen seines Vorgängers Frank Holle (Tarmstedt) tritt. „Wir wollen uns ab sofort alle acht Wochen treffen, weil wir gemerkt haben, dass uns in den nächsten Monaten und Jahren zahlreiche Themen beschäftigen werden – ob das die Suedlink-Stromtrasse ist, die Atommüll-Endlagersuche, die Ausstattung der Feuerwehren oder die Kinderbetreuung.“ Genau für solche „Baustellen“ sei der Meinungsaustausch, der betont unpolitisch erfolgen solle, enorm wichtig.

 Man muss schon Angst haben, welche Gemeinde wem was wegnimmt.

Gerhard Kahrs zur Personalsituation in den Kitas

Was aber beschäftigt die Hauptverwaltungsbeamten aktuell – außer Corona und die Pandemie-Verordnungen? Eines der wichtigsten Themen, darin sind sich alle Verwaltungsschefs- und -chefinnen einig, sei der Personalmangel in den kommunalen Kindertagesstätten. „Alle suchen gerade Sozialassistenten – wenn wir uns das Gesetz anschauen, sollen das sogar überwiegend alles Erzieher sein“, sagt Kahrs, dem Henning Fricke, SPD-Samtgemeindebürgermeister in Zeven, als stellvertretender Vorsitzender zur Seite steht. Nur so viele Erzieher würde es gar nicht geben, dass man auch nur ansatzweise alle Stellen in ganz Niedersachsen mit Erziehern besetzen könnte. „Man muss schon Angst haben, welche Gemeinde wem was wegnimmt – das ist ein großes Problem.“ Laut Jungemann sei dies aber keines, welches nur einzelne Gemeinden betreffen würde, sondern alle. „Und so etwas müssen die Eltern verstehen, dass die Defizite bei den Kitas, sei es erhöhter Personal- oder Raumbedarf, flächendeckend bestehen – im ganzen Landkreis.“

Henning Fricke spricht in diesem Zusammenhang von einem systemischen Problem: „Es gibt eine Anspruchshaltung der Eltern und eine der Landespolitik – und wir als Kommunen sollen eine qualitativ hochwertige Betreuung gewährleisten, ohne dass die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.“

Welche Themen müssen noch gemeinsam gestaltet werden? „Die Übermittlung von Einsatzdaten an die Feuerwehrleute“, antwortet der Vize-Vorsitzende. „Da haben wir uns darüber ausgetauscht, wie das in den einzelnen Kommunen gehandhabt wird und wie man mit dem Landkreis zu einer gemeinsamen Lösung kommt.“ Und auch die Qualität der Grünschnittsammelplätze, ergänzt Kahrs, sei in der Runde erörtert worden.

Landrat nicht eingeladen

Nicht zugegen in der Sitzung, obwohl von Amts wegen eigentlich als Teilnehmer gesetzt, war am Dienstag Landrat Marco Prietz (CDU). Wie der Vorsitzende der Bürgermeisterkonferenz erläutert, sei dessen Anwesenheit aber auch gar nicht bei jedem Treffen erforderlich. „Wir wollen vier feste Termine machen, wo der Landrat dann auch dabei ist.“ Dass man an einer guten Kommunikation mit dem Landkreis interessiert sei, betont derweil Ulrike Jungemann, übrigens die einzige Frau im Bunde der HVB. „Wir möchten nicht auf Konfrontationskurs gehen, sondern konstruktiv an Lösungen arbeiten.“

Am Ende war es Ralf Goebel, dem die Runde besondere Aufmerksamkeit schenkte: Demnächst wird Visselhövedes parteiloser Bürgermeister aus dem Amt scheiden. Zu der HVB-Runde wird sich also noch ein weiteres neues Gesicht hinzugesellen – es wäre dann das achte von 13.

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