Schürmann und Thies berichten über Stand der Integration

Weg zur Eigenständigkeit

Im Campus können mehr als 100 Asylbewerber eine erste Bleibe finden. Foto: Heyne

Scheeßel – Ein beliebiger Vormittag in den Raummodulen, in denen ein Teil der Gemeindeverwaltung Quartier bezogen hat. Aus dem Nebenraum des Interimsbüros von Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales Frank Thies dringen aufgeregte Gesprächsfetzen, dann die beruhigende Stimme der Integrationsbeauftragten Anja Schürmann. Gestern ist eine türkische Familie mit fünf Kindern angekommen. Statt den zugewiesenen Räumen im Campus auf dem Internatsgelände möchte sie eine andere Bleibe, am liebsten ein Haus.

„Die Vorstellungen, mit denen die Menschen hier ankommen, weichen von der Realität ab – immer noch“, meint Schürmann gelassen. Den Wohnungsmarkt sehen sie und Thies als eines der größten Probleme, auf das die Zugezogenen hier stoßen – allerdings eher für die, die sich nach Anerkennung des Asylverfahrens um eine eigene Bleibe bemühen. „Im unteren, erschwinglichen Segment gibt es kaum bezahlbaren Wohnraum“, so Schürmann. Diejenigen, deren Asylverfahren läuft, werden vorzugsweise auf dem Campus untergebracht. „Mit einer Belegung von derzeit 50 bis 60 von 129 möglichen Plätzen und einem jährlich verlängerbaren Mietvertrag sind wir gut aufgestellt“, so Thies. Reduziert werden gegenwärtig die dezentralen Unterkünfte. In Spitzenzeiten hatte die Gemeinde 38 Einheiten angemietet, von Wohnungen und Ein- oder Mehrfamilienhäusern bis zu WGs, momentan sind es noch 28. Dass diese nicht alle dem gewünschten Standard entsprächen, den eine deutsche Familie erwarten würde, räumt Schürmann ein: „Wohnraum ist eben knapp.“ Derzeit versuche man, diese Art der Unterbringung durch „sozial verträgliches Umsortieren“ zu verringern, das Einverständnis der Bewohner vorausgesetzt, betont Thies. „Rausgeschmissen wird keiner“. Sobald die Anerkennung ausgesprochen ist, heißt es für sie, sich selbst um eine Bleibe zu kümmern: „Das müssen sie schon selber“, erklärt Schürmann resolut. Schließlich gehe es auch darum, Unterstützung auf dem Weg zur Eigenständigkeit zu leisten. Bei Antworten auf Ebay-Anzeigen, dem Gespräch mit dem potenziellen Vermieter oder der Unterzeichnung des Mietvertrages ist sie gern behilflich. „Genauso lassen wir unsere Betreuten nicht bei Arzt- oder Behördenbesuchen im Regen stehen, auch wenn wir rechtlich nicht mehr für sie zuständig sind“, meint Schürmann, deren Stundenkontingent gerade von 25 auf 30 Wochenstunden aufgestockt wird. Eine eigene Integrationsbeauftragte würden im Landkreis zur zwei bis drei Kommunen vorhalten.

Hilfe sei vor allem noch bei gesundheitlichen oder häuslichen Problemen gefordert, vor allem bei alleinerziehenden Müttern – „sie wissen oft nicht, dass es Hilfsangebote vom Landkreis etwa für Nachhilfe, in Erziehungsfragen oder Rechtsberatung gibt.“ Erfreulich nehme sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt aus: „Um die 85 Prozent der arbeitsfähigen Neubürger sind in Lohn und Brot“, so Schürmann. Auch zeigten die örtlichen Arbeitgeber große Bereitschaft, Menschen mit Migrationshintergrund einzustellen. In puncto Integration sind Thies und Schürmann pragmatisch: „Integrieren müssen sie sich selbst.“ Gut gelingen würde das über Vereine, vor allem Fußball und andere Sportarten, Kindergärten und Grundschule, „da sind die Hemmschwellen niedriger.“ Generell sei ein Abebben der Welle zu beobachten: „Dieses Jahr waren es erst 13 Personen“, so Thies. „Wenn niemand mehr dazukäme, wäre mein Job in fünf Jahren bestimmt erledigt“, so Schürmanns Einschätzung.  hey

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