Hausmeister verabschiedet

Großer Bahnhof in der Eichenschule für „den Gerd“

Für seine 38-jährigen Dienste als Hausmeister an der Eichenschule bekam Gerd Friedrich (r.) die Goldene Eichenschulnadel von Geschäftsführer Stephan Anders überreicht.

Scheeßel - Der Rahmen hätte nicht würdevoller sein können: Mit einer mit humorvollen Anekdoten gespickten Feierstunde sagte die Eichenschule ihrem „Gerd“ gestern Tschüss. Nach 38 Jahren als Hausmeister beginnt für Gerd Friedrich nun das wohlverdiente Leben als Ruheständler.

„Er ist der Macher, der Kracher, Still-über-Sorgen-Lacher, im Eichenschule-Reich“, klingt es kraftvoll durch den Oberstufenraum. Ein musikalischer Abschiedsgruß, dargeboten vom eigens für diesen Anlass gegründeten Lehrer-Chor unter der Leitung von Martin Crome, dem eigentlich nicht viel mehr hinzuzufügen wäre. Friedrich, selbst ein Mann der wenigen Worte, hatte jedenfalls seine ganz eigene Art, sich für all die warmen Worte, die ihm entgegengebracht worden waren, erkenntlich zu zeigen: Mit einem mehrere Meter langen Banner, auf dem sich in kunterbunten Buchstaben ein „Danke“ ans nächste reihte. Und beinahe von den rund 120 applaudierenden Anwesenden unbemerkt, kam dann doch noch ein kurzer Satz über seine Lippen: „Das war‘s.“

38 Jahre Hausmeister an der Eichenschule - laut Lehrkraft Nadine Meyer-Reichmann habe er damit länger am und für das Privatgymnasium gearbeitet, als mancher ihrer Kollegen auf der Welt sei - sie selbst eingeschlossen. Vier Schulleiter habe Friedrich erlebt, diverse Bauprojekte begleitet, mehr als die Hälfte jener Zeit, die es die Schule gibt, mitgeprägt. Dass der Mittsechziger nicht gerade zu übermäßiger Redseligkeit neigen würde, spreche für ihn, „sonst wäre er wohl auch Lehrer und nicht Hausmeister geworden“.

Verbal zurückhaltend, ja, das sei der leidenschaftliche Handballfan und Hobby-Heimwerker durchaus, griff Christian Birnbaum den Faden auf. Wenn man ihn als Lehrkraft angesprochen habe, habe man nicht selten einfach nur einen wortlosen, langen Blick geerntet. „Das bedeutet dann: ,Du Wurm, was willst du?‘“, übersetzte der Schulleiter mit einem Augenzwinkern diese für Friedrich ganz eigene Form der Sprache. „Im Ergebnis ist der Wunsch dann kopfschüttelnd und brummend erfüllt worden.“ Er könne wahrscheinlich ein Buch über all die verrückten Ideen und Marotten der Lehrkräfte schreiben, befand Birnbaum. „Erweisen Sie uns aber bitte einen letzten Dienst und lassen Sie es“, wandte er sich an den Protagonisten.

Immer verlässlich bei der Arbeit

Ob Gerd Friedrich, dessen Frau Dagmar ebenfalls der Feierstunde beiwohnte, diesem Wunsch nachkommen wird, bleibt abzuwarten. Sicher, so Eichenschulgeschäftsführer Stephan Anders in seiner Laudatio, sei mit Rückblick auf seine jahrzehntelange Hausmeistertätigkeit indes: „Er musste nie an seine Aufgaben, die er mit Hingabe und Liebe erfüllt hat, erinnert werden. Was zu tun war, hat er immer verlässlich getan, und was künftig in Angriff genommen werden sollte, hat er im Voraus geplant.“

Dass sein Verständnis von Arbeit mitunter Züge einer Selbstlosigkeit aufgewiesen hätte, verdeutlichte Christian Birnbaum am Beispiel des neuen Mehrzweckgebäudes. „Um das Projekt zu Ende zu betreuen, hat er im letzten Jahr sogar seinen Renteneintritt verschoben“, ließ er das Publikum, unter welches sich auch zahlreiche ehemalige Lehrkräfte gemischt hatten, wissen.

Eindrucksvoll auch die Begebenheit, von der Lehrerin Heike Buchhaupt zu berichten wusste: „Ich habe einmal bei unserer Schulsekretärin nachgefragt, wo denn der Chef sei, woraufhin die nur meinte: ,Gerd ist im Keller‘“.

Zu lachen gab es viel an diesem Vormittag. Und zu verschenken: Neben der aus der Hand von Stephan Anders überreichten Goldenen Eichennadel für seine langjährigen, treuen Dienste durfte sich der nunmehr frischgebackene Rentner, na klar, über einen nagelneuen Werkzeugkasten freuen. Den gab es von der Schülerschaft - mit den eindeutig zweideutigen Worten: „Sie sind eben nicht nur der Hammer!“

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