Eichenschüler üben sich als Wirtschaftsnachwuchs

„Management Information Game“: 14 Millionen Euro Gewinn an einem Tag

+
Robin Wilkens (v.r.), Lenoie Selent, Lea Reibiger und Silas Kuhlmann setzten sich mit einer kompetenten und souveränen Präsentation beim Publikum durch.

Scheeßel - Was kommt heraus, wenn das örtliche Gymnasium und die lokale Wirtschaft ihre Kräfte bündeln? Vielleicht der Managernachwuchs von morgen. So sehen es jedenfalls Sparkassenvertreter Rainer Bassen, Lehrer Udo Grenz-Giesecke und Spielleiter Andreas Mätzold vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Letzterer begleitet in dieser Woche wie seit vielen Jahren knapp zwei Dutzend Eichenschüler durch eine „Management-Lernwoche“.

Das MIG, kurz für „Management Information Game“, hat es in sich: Eine Woche lang tauschen derzeit 21 Schüler des elften Jahrgangs Chucks gegen Pumps und Hoodie gegen Hemd und Krawatte. Tauchen ein in die Welt der Wirtschaft, schieben Nachtschichten, um allen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden, hören Vorträge regionaler Unternehmer über Personalmanagement oder Datensicherheit und füttern die Simulationssoftware mit Daten, um als fiktive Produzenten am globalen Markt zu bestehen. „Ein gutes Gefühl, wenn du am ersten Tag 14 Millionen Gewinn machst und am zweiten 38“, meint Paula Konrad selbstbewusst. Genau wie ihre Mitstreiterin Carmen Görtz hat sie in der vorigen Nacht nur drei Stunden geschlafen – schließlich galt es, eine Präsentation für den heutigen Abend vorzubereiten.

Den Schlafmangel sieht man ihnen nicht an, als sie souverän vor Publikum antreten, um ihr Produkt – einen Tracker zur elektronischen Ortung – zu vermarkten. Genau wie ihre Konkurrenten der anderen beiden Gruppen jonglieren sie mit Fachbegriffen wie Lightning-Anschluss, Home-Modul oder IP68-Standard. Eine Gruppe begrüßt die Zuschauer in drei Sprachen, eine andere bietet Sparkassendirektor und Gastgeber Jürgen Lange die „Gold Edition Limited für die Vorstandsetage“ an. Einige haben eine überdimensionale Zeichnung auf Packpapier gebracht, andere Flyer mit einer Marketingkampagne bestückt, die „Lebensgefühl“ verkauft. Dabei schlüpfen Eltern und örtliche Unternehmer in die Rolle der Verkäufer, bringen die Vorstandsvorsitzenden, technischen Verkäufer und Marketingleiter mit Fragen nach Lieferfristen und Akku-Standzeiten ins Schwitzen. Das ist gewollt, denn: „Mit dieser Zusatzaufgabe decken wir Fähigkeiten ab, die am Computer nicht emuliert werden können“, so Spielleiter Mätzold.

Gewonnen haben alle

Er hat bereits beim Hereinkommen des potenziellen Führungsnachwuchses am Montagmorgen erste Beobachtungen gemacht: „Körperspannung, professioneller Ansatz, gesunder Ehrgeiz, interessante Persönlichkeiten und unterschiedlich organisiert“, bescheinigt er den Schülern. Obgleich einige bereits am Montagnachmittag angesichts des Stressfaktors fast kapituliert hätten, „sind einige schon erstaunlich fit“.

„Repräsentieren, Pünktlichkeit, korrekte Kleidung“: das sind Werte, die Anna Töpfer aus dem MIG mitgenommen hat – allerdings bereits vor zwei Jahren. Heute sitzt sie im Publikum und beobachtet, wie sich ihre beiden Brüder schlagen, denen sie die Teilnahme empfohlen hat. Auch Paul Scarbath bereut die Teilnahme nicht: „Das vermittelt einem einen guten Überblick über die späteren Anforderungen“, so der 17-jährige Rotenburger, der sich nach eigenem Bekunden schon immer für eine Laufbahn im Management interessiert hat.

Auch wenn am Ende nach dem Publikumsvotum nur eine Gruppe offiziell Sieger ist: Gewonnen haben in dieser Woche alle – die Schüler an Erfahrung, die Eltern und Lehrer Einblicke, zu was ihre Schützlinge fähig sind („Hier wachsen die Jugendlichen um mindestens zehn Zentimeter“, so Mätzold, und er meint damit nicht die hochhackigen Schuhe der Mädchen). Und die örtlichen Unternehmer, die, so hofft Mätzold, bereits Kontakte zum möglichen Führungsnachwuchs knüpfen. Die generationsübergreifende Vernetzung scheint jedenfalls zu funktionieren: Einer der Referenten der Wirtschaftswoche, Mesonic-Geschäftsführer Patrick Siegmund, war früher Schüler von Thomas Hellmann – in dieser Woche hat er dessen Sohn Marius Informationsmanagement näher gebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Rüstungsexporte unter großer Koalition deutlich gestiegen

Rüstungsexporte unter großer Koalition deutlich gestiegen

Neues bei Givenchy, Älteres bei Armani

Neues bei Givenchy, Älteres bei Armani

UN: 5000 Menschen fliehen aus kurdischer Enklave Afrin

UN: 5000 Menschen fliehen aus kurdischer Enklave Afrin

Die Emanzipation des Wurzelgemüses

Die Emanzipation des Wurzelgemüses

Meistgelesene Artikel

Mutter sichtet drei Wölfe am Stadtrand von Visselhövede

Mutter sichtet drei Wölfe am Stadtrand von Visselhövede

Flucht nach Arztbesuch in Zeven: Polizei sucht gefährlichen Straftäter

Flucht nach Arztbesuch in Zeven: Polizei sucht gefährlichen Straftäter

Wiedaugrund-Pferdeklinik zieht von Rotenburg nach Sittensen

Wiedaugrund-Pferdeklinik zieht von Rotenburg nach Sittensen

TuS Bothel organisiert Faschingsfeier

TuS Bothel organisiert Faschingsfeier

Kommentare