Eichenschüler setzen sich mit dem Holocaust-Gedenktag auseinander

Ballons erinnern an Einzelschicksale

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Überregionales Gedenken an einzelne Holocaust-Opfer aus dem Landkreis: Eichenschüler setzten diese Kurs-Vorgabe kreativ um.

Scheeßel - Zum Holocaust-Gedenktag am Dienstag waren die Fahnen vor der Eichenschule auf halbmast gesetzt. Dahinter, auf der Kirchwiese, ließen zwei achte Klassen knapp drei Dutzend bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen – ein Widerspruch?

Ganz und gar nicht, meinen die Geschichtslehrer Billie Janssen und Marc-Christian Twiefel, die den Geschichts-Leistungskurs des Abiturjahrgangs betreuen. Ein halbes Jahr lang haben sich ihre Zwölftklässler mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandergesetzt und in Kleingruppen ganz unterschiedliche Wege gefunden, an die Opfer zu erinnern.

Das Projekt, mit bunten Luftballons 30 Opfern aus dem Landkreis zu gedenken, ist einer davon. „Uns war es wichtig, den Schülern keine Form des Gedenkens zu verordnen, es sollten Aktionen von Schülern für Schüler sein“, so Janssens Grundgedanke. Die Luftballons stehen für 30 jüdische Opfer aus dem Landkreis. „Wir wollen daran erinnern, dass hinter der unfassbaren Zahl der Opfer Einzelschicksale stehen“, erzählt Schülerin Franziska Hauschild. Sie und ihre vier Mitstreiter recherchierten Namen, Geburts- und Todesdatum sowie Termin und Ort der Deportation – im Internet, aber auch am Telefon. „Über die Cohn-Scheune sind wir an einige Archive gekommen, wie das in Zeven“, so Miriam Trau, „mehr als die Daten war über die meisten leider nicht zu erfahren.“

Mit den Karten mit Namen und Daten der Opfer aus der Region, die mit den Ballons in die Welt getragen und im Idealfall zurückgeschickt werden, wollen sie eine Reichweite weit über die Eichenschule hinaus erreichen. Dort liefen den ganzen Tag lang von den Abiturienten konzipierte Aktionen: Vom Theaterstück, das an das Schicksal Homosexueller unter den Nationalsozialisten erinnerte, über Beamerpräsentationen bis zu den aufgestellten Styropor-Konturen von Opfern des NS-Regimes, deren Infotexte Schülerin Francis Ebel selbst verfasst hatte.

Die bunten Plakate mit den in Daten vorgestellten Einzelschickschalen hingegen seien schon vorher vielen Schülern aufgefallen, erinnert sich Miriam Trau: „‚Oh, da hat jemand Geburtstag‘, hat ein Fünftklässler gesagt, und nach dem Lesen ganz betroffen gemeint: ‚Oder doch nicht mehr‘.“

hey

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