Eichenschüler Marcus Surmann tauchte und forschte beim einwöchigen 3sat-Nanocamp

Das Abenteuer seines Lebens

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Eine Sicherheitsübung mit dem Rettungsboot gehörte während der Woche ebenso zum Programm wie die Kontaktaufnahme mit Robben.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Wenn Marcus Surmann sich am letzten Schultag von seinen Klassenkameraden verabschiedet, wirkt er wie ein Jugendlicher unter vielen: Hoch aufgeschossen, offener Blick, ein spitzbübisches Lächeln. Was man ihm nicht ansieht: Während seine Mitschüler die Schulbank drückten, hat er unlängst eine Woche lang das Abenteuer seines Lebens erlebt. Er gehörte zu einem von acht von mehreren hundert Bewerbern, die sich für das Nano-Camp des Fernsehsenders 3sat qualifizierten.

Im April hatte der Sender über einen Werbespot in „Nano“ Teilnehmer für sein einwöchiges Wissenschaftscamp in der Ostsee im Juni gesucht. Surmann, der das Wissensmagazin regelmäßig sieht, war begeistert – und bewarb sich im Internet.

Das Konzept hinter der einwöchigen Reise: Mit der halbstündigen Dokumentation, die bei dem vielfältigen Programm für die Jugendlichen entsteht, laut Surmann „Aushängeschild“ der Wissenschafts-Sendung, wird jedes Jahr ein anderes Forschungsinstitut dargestellt. Dieses Mal schickte das ZDF die je vier Jungen und Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren ins Leibnitz Institut für Ostseeforschung (IOW). Weshalb ausgerechnet der Eichenschüler aus 300 Bewerbern ausgewählt wurde, ist ihm bis heute ein Rätsel: „Nach dem zweistündigen Telefonat mit dem Online-Redakteur von 3sat hatte ich das Gefühl: Das hast du voll vergeigt!“

Gefragt worden sei vor allem nach „Soft Skills“, typische Bewerberfragen wie „Wie würden deine Freunde dich beschreiben?“ überraschten ihn nicht. Auch später, als er längst mit seinen Mitstreitern ums Lagerfeuer saß, sollten ihre endlosen Spekulationen ergebnislos verlaufen. „Egal, wie sie uns ausgewählt haben – es muss ein geniales Prinzip gewesen sein, denn schon nach ein paar Stunden dachten wir, wir kennen uns ewig“, beschreibt er die außergewöhnliche Harmonie im Camp.

Die brauchten sie auch, galt es doch eine Woche lang unter den Augen des siebenköpfigen Kamerateams Proben zu nehmen, sich die Arbeit der Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff „Elisabet Mann Borgest“ erklären zu lassen, den Meeresboden mit einem Kameraschlitten zu beobachten oder nach einer Einweihung in die Kunst des Flaschentauchens im Taucheranzug mit Seehunden auf Tuchfühlung zu gehen. „Und wir mussten auch schon mal mitten in der Nacht raus, um mit Fischern auf den Fluss Warnow rauszufahren.“ Dabei hatte die Gruppe Glück: Wegen starken Windes startete man erst kurz vor fünf statt um drei Uhr morgens.

Das Alter der gefangenen Flunder wurde anhand des Gehörknochens tief im Kopf bestimmt. „Die Geräusche waren nicht gerade appetitlich“, erinnert sich Surmann an das Sezieren durch eine Mitstreiterin.

Höhepunkt war für ihn die Seenotrettungsübung, bei der die Jugendlichen in Trockenanzügen ins Hafenbecken sprangen und sich auf einer Rettungsinsel „in Sicherheit“ bringen mussten. Anschließend wurden sie von einem simulierten Hubschrauber (in diesem Fall ein Kran) herausgezogen. Bei der folgenden Fahrt im Rettungsboot, in das die Jugendlichen abgeworfen wurden, durfte er sogar das Steuer übernehmen; „das hat irre Spaß gemacht!“ Ebenso interessant war für ihn die Gelegenheit, nach dem Testen der Proben unter dem Mikroskop im IOW dessen Chef ausführlich befragen zu dürfen. Schon jetzt steht für den 16-Jährigen fest, dass es beruflich später in Richtung Biologie gehen soll, „wenn auch nicht unbedingt Meeresbiologie“.

Auf die fertig geschnittene Dokumentation, die am Freitag, 4. September, ab 18 Uhr auf 3sat gesendet wird, ist der Eichenschüler schon jetzt gespannt. Und auch die nächste Herausforderung hat der umtriebige Naturwissenschaftler in spe schon ins Auge gefasst: Er hat sich bei der „Talent School“ des Fraunhofer Institutes beworben. „Dann geht es verschiedenen Workshops aber um DNA, Tumorforschung und Klebstoffe.“

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