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Schnelles Aus für Eiche

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Von: Ulla Heyne

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Mit der Polizei wurde der Einsatz der Motorsäge nach knapp zwei Bäumen gestoppt.
Mit der Polizei wurde der Einsatz der Motorsäge nach knapp zwei Bäumen gestoppt. © -

Ein Dorfbewohner hat in Westervesede illegal Bäume gefällt. Die Polizei musste anrücken und die Maßnahme unterbinden. Auch Naturschützer wurden alarmiert. Doch handeln die „Täter“ oft nicht aus einer Bosheit heraus, sondern aus Unwissenheit falsch.

Westervesede – Als Petra Rudolph am Samstagmorgen vom Einkaufen kommt, traut sie ihren Augen kaum: In ihrer Nachbarschaft, an der Brückenstraße in Westervesede, wird gerade eine der alten Eichen auf dem Randstreifen zwischen der Straße und einem Hof gefällt – ihrem Dafürhalten nach ein gesunder Baum. In einiger Entfernung stehen Anwohner in Grüppchen zusammen, schütteln den Kopf.

Eine rechtmäßige Aktion? Seit einem ähnlichen Vorfall vor zwei Jahren am Sportplatz, „ausgerechnet am Wochenende, wo Nachfragen beim Landkreis nicht möglich sind“, hat sie ihre Zweifel.

Sie greift zum Handy, informiert Landschaftswart Manfred Radtke. Der rät zum Anruf bei der Polizei. Bereits nach 20 Minuten ist eine Streife mit zwei Polizisten vor Ort. Inzwischen liegt der erste Baum, in Abschnitten gefällt am Rand des Grundstücks, ein zweiter ist bereits seiner Äste beraubt, der Stamm auf einige Meter Höhe gestutzt. Die Polizisten nehmen zunächst die Personalien der Anruferin auf, dann suchen sie das Gespräch mit den Eigentümern. Eine Genehmigung für die Fällung der Bäume vom Landkreis, wie sie seit einigen Jahren für Laubbäume mit einem Durchmesser von mehr als 50 Zentimetern erforderlich ist, kann das Ehepaar nicht vorweisen.

Polizei untersagt weiteres Fällen

Ihr Verweis auf Abwendung einer Gefahrenlage für die Besucher des Hofcafés – im oberen Bereich eines der verbliebenen Bäume sind frische Bruchstellen zu sehen, wo durch einen der vergangenen Stürme Zweige abgeknickt seien – reicht den Beamten nicht. Sie machen einige Fotos und untersagen ein weiteres Fällen von Bäumen, bis die Sachlage durch den Landkreis geklärt ist: „Das können wir nicht entscheiden. Eine Gemeindeverordnung gibt es hier nicht, also ist das Sache des Landkreises“, erläutert einer der beiden Gesetzeshüter.

Auch wenn sich herausstellen sollte, dass die Aktion nicht rechtens war: Die zwei bereits gefällten Bäume sind nicht mehr zu retten. Rudolph ist sauer: „Das kann doch nicht angehen – man selbst trägt jeden Tag frühmorgens Kröten über die Straße und hier werden einfach so Fakten geschaffen und uralte Bäume umgemacht.“ Diesen Unmut kann der Grundstückseigentümer, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte, nicht nachvollziehen. Er sei überhaupt nicht auf die Idee gekommen, „dass wir das auf unserem eigenen Grundstück nicht machen dürfen“, erklärt er auf Nachfrage.

Zu den Fällungen habe er sich im Zuge der Gefahrenabwehr akuten Handlungsbedarf gesehen: „Die Äste fallen wie beim Sturm vor zwei Wochen und danach nochmal auf die öffentliche Straße – nicht, dass wir dann in der Pflicht sind, weil wir als Grundstückseigentümer nichts unternommen haben.“

Viele wissen nicht, dass sich die Gesetzeslage vor einigen Jahren geändert hat.

Roland Meyer

Allerdings räumt er ein: Den Vorwurf, da „vielleicht etwas naiv herangegangen zu sein“, müsse man sich wohl machen lassen. Er hätte sich ein jedenfalls Gespräch mit der Anwohnerin gewünscht, „dann hätte die Polizei gar nicht erst rausfahren müssen“. Rudolph, die den Vorfall meldete, war schon auf dem Weg in Richtung Eigentümer. „Dabei habe ich mit dem Handy einige Fotos gemacht.“ Als er sehr offensiv auf sie zugekommen sei, habe sie sich lieber wieder in ihr Auto gesetzt und dort auf die Ankunft der Streife gewartet.

Als Roland Meyer vom Nabu eine Viertelstunde später eintrifft – auch er wurde von Anwohnern informiert –, ist die Straße leer, der Steiger wurde bereits entfernt. Seine Mission, die Arbeiten zu stoppen, ist bereit erledigt; seinen Ausdruck mit dem Flussdiagramm von der Website des Landkreises, wann Bäume gefällt werden dürfen und wann nicht, landet wieder in der Tasche. „Viele wissen nicht, dass sich die Gesetzeslage vor einigen Jahren geändert hat“, meint der Nabu-Mann. Gerade in Zeiten steigender Preise für Heizkosten würde zunehmend alter Baumbestand von den Höfen weichen. Nach einem Blick auf die Holzscheiben zuckt er resigniert mit den Schultern und meint: „Naja, zumindest Ausgleichsmaßnahmen könnten noch angeordnet werden.“

Da ist nichts mehr zu retten.
Da ist nichts mehr zu retten. © Heyne

Wie es weitergeht? Die Vorgehensweise des Landkreises ist im Allgemeinen wie folgt, wie Pressesprecherin Christine Huchzermeier mitteilt: „In solchen Fällen wird der Landkreis zeitnah von der Polizei informiert. Danach wird ein ordnungsbehördliches Verfahren mit dem Ziel der Durchführung angemessener Kompensationsmaßnahmen eingeleitet.“ Je nach Stammdurchmesser in Brusthöhe müsse für die beseitigten Gehölze eine Ersatzpflanzung erfolgen, je nach Stammdurchmesser 1:1 bis 1:5, letzteres bei einem Durchmesser von mehr als 80 Zentimetern. Parallel dazu werde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. „Die maximale Bußgeldhöhe beträgt 50 000 Euro, bei Fahrlässigkeit 25 000 Euro“, teilt Huchzermeier mit. In beiden Fällen erhalte der Verursacher vor einer abschließenden Entscheidung die Möglichkeit, sich zu äußern. So könne beispielsweise bei einer nachgewiesenen Vorschädigung der Bäume das Kompensationsverhältnis reduziert werden.

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