„Dem Dorf verpflichtet“, Folge 5:

Interview mit Gisela Kracke: „Das Ehrenamt stärken“

Frauenpower: Gisela Kracke ist gemeindeweit die einzige Frau im Amt des Ortsbürgermeisters.

Wohlsdorf - Von Lars Warnecke. Sie sind mit ihrem Dorf fest verwurzelt, kennen quasi jeden Winkel dort. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Ortschaft zu vertreten – gemeinsam mit dem Ortsrat, dem sie vorstehen.

Die Rede ist von den Ortsbürgermeistern. Elf Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Scheeßel haben sich entschieden, für ihre Heimat Verantwortung zu übernehmen. Wer sind die Menschen hinter dem Amt? Welche Ideen und Anliegen möchten sie transportieren? In unserer Interview-Reihe kommt heute Gisela Kracke (53), Bürgermeisterin von Wohlsdorf, zu Wort.

Frau Kracke, warum sollten eigentlich alle Bewohner des Kreises nach Wohlsdorf ziehen?

Gisela Kracke: Wir haben zurzeit 350 Einwohner, die sehr vielfältig sind. Unser Dorf bietet etwa 100 Arbeitsplätze in sechs landwirtschaftlichen und fast 20 selbstständigen Betrieben. Hier gibt es ein gutes Miteinander zwischen den Generationen, die zusammen arbeiten und auch Feste ausrichten können. In acht Vereinen inklusive Feuerwehr sind die meisten Bewohner vertreten. In der Mitte unseres Dorfes befinden sich unser Dorfgemeinschaftshaus, das Jugendhaus und seit 25 Jahren der Kindergarten. Dieser bietet den Kindern als Musikkindergarten mit einer Bewegungshalle im DGH und einen tollen Spielplatz viel Platz. In unserem neuen Baugebiet wurde im Januar ein neuer Spielplatz eingeweiht. Dann ist natürlich die Nähe zu Scheeßel und Rotenburg sowie die gute Bahnanbindung Richtung Bremen und Hamburg ein großer Vorteil. Auch zur Autobahn ist es nicht weit.

Ihr Lieblingsort in der Gemeinde Scheeßel?

Kracke: Ist natürlich unser Dorf. Gerne fahre ich mit dem Fahrrad durchs Dorf und freue mich, über die netten Bewohner. Mein persönlicher Lieblingsort ist der Platz auf meiner Hollywoodschaukel bei uns im Garten mit dem Blick ins Feld.

Was beschäftigt Sie als Ortsbürgermeisterin derzeit am meisten?

Kracke: Wir haben uns gerade mit unserem Friedhofszaun beschäftigt, den wir teilweise erneuert haben. Nun werden wir darauf hinarbeiten, auch in den kommenden Jahren den zweiten Teil zu erneuern. Auf dem Friedhof werden in nächster Zeit auch Urnengräber entstehen. Diese müssen noch ausgewiesen werden. Im Oktober richten wir den Laternenumzug aus und im November findet unser traditionelles Kaffeetrinken vom Ortsrat für alle Bewohner statt. Dieses will gut vorbereitet und durchdacht sein. Wie in jedem Jahr müssen wir jetzt Vorüberlegungen treffen, welche Straßen und Wege saniert werden müssen und wo der Baum- und Strauchschnitt erforderlich ist.

Was ist das aktuell größte Problem von Wohlsdorf?

Kracke: Große Probleme haben wir hier nicht wirklich.

Und Ihre Vision? Was wollen Sie während Ihrer Amtszeit für den Ort unbedingt noch erreichen?

Kracke: Das Ehrenamt stärken, und viele verschiedene Personen aus allen Generationen fürs Ehrenamt motivieren. Wenn aus jedem Haushalt einer ein Ehrenamt innehätte, gäbe es keine Probleme. Unser Baugebiet hat noch Erweiterungsmöglichkeiten, sodass wir in den nächsten Jahren den Wohlsdorfern noch Plätze anbieten können. Trotzdem würde ich es begrüßen, wenn auch Baulücken gefüllt werden können und die GIRL, die Geruchsimissionsrichtlinie, im Dorf etwas gelockert wird. Des Weiteren würde ich mich freuen, wenn wir als Dorf weiterhin gemeinsam an einem Strick ziehen, der Dorfzusammenhalt so bleibt wie bisher und alle Bürger, auch die jungen Wohlsdorfer, integriert werden.

Wo würden Sie wohnen, wenn Sie nicht Bürgermeisterin von Wohlsdorf wären?

Kracke: Natürlich in Wohlsdorf, hier ist mein Zuhause, hier wohnt meine Familie und hier fühle ich mich wohl. Ich bin Bürgermeisterin in Wohlsdorf geworden, weil ich hier wohne. Ich bin kein Wohlsdorfer geworden, damit ich Bürgermeisterin werde. Warum sollte ich deswegen woanders wohnen?

Sie sind in der Einheitsgemeinde derzeit die einzige Frau, die dieses Amt bekleidet. Warum gibt es nicht mehr Ortsbürgermeisterinnen?

Kracke: Das ist eine Frage, die den anderen Frauen in den Dörfern gestellt werden sollte.

Wie würden Sie ihren Heimatort in drei Worten beschreiben?

Kracke: Generationsübergreifend, zukunftsorientiert und aufgeschlossen.

Zur Person

Gisela Kracke (53) lebt seit 1989, dem Jahr ihrer Hochzeit, in Wohlsdorf. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat sie drei erwachsene Söhne. Dem Ortsrat gehört sie seit 1996 an. Seit der letzten Kommunalwahl 2016 ist sie Ortsbürgermeisterin, übrigens aktuell die einzige in der Einheitsgemeinde Scheeßel. Kracke arbeitet auf dem familieneigenen landwirtschaftlichen Betrieb mit und ist als Angestellte bei der Deutschen Post in Teilzeit beschäftigt.

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