Zu Besuch auf dem Campingplatz Waidmannsruh

Auf der Durchreise

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Angelika Wilken (3.v.l.) und ihr Mann Erich sind Eigentümer des Campingplatzes. Hier geben sie gerade den beiden Urlaubern Marian und Franka Hübers einige nützliche Tipps für ihre Weiterfahrt.

Scheeßel - Irgendwann am Abend sind sie am Helvesieker Weg rechts abgebogen und haben irgendwo auf einem der 20 Stellplätze geparkt. Jetzt ist es egal, woher sie kommen, wohin sie wollen – und warum es sie gerade hierher verschlagen hat. Für heute sind die Durchreisenden auf dem Campingplatz Waidmannsruh gelandet, irgendwie. Und es gefällt ihnen sehr gut hier.

Die meisten ihrer Gäste, viele aus Skandinavien oder Holland, blieben nur eine Nacht, sagt Angelika Wilken. „Die, die länger bleiben, sind vor allem Hamburger und Bremer, die der Großstadt entfliehen wollen.“ Nachdem ihr Vater, der die direkt an der Wümme gelegene Erholungsanlage 1973 aus der Taufe gehoben hatte, verstarb, übernahm die Scheeßelerin die idyllische, von Eichen und Kiefern gesäumte Anlage. Das war vor 16 Jahren. Auch Ehemann Erich, inzwischen Rentner, kümmert sich um den Platz – und um seine Camper, mit denen man sich hier gerne gleich duzt. Er selbst bezeichnet sich augenzwinkernd als „Angestellter“, obgleich das Paar die rund drei Hektar große Anlage, wie einst auch schon der Vater, als Hobby betreibt. „Im Berufsleben bin ich Erzieherin im Kindergarten“, sagt Angelika Wilken.

Geöffnet habe der Campingplatz mit seinem kleinen Empfangshäuschen das ganze Jahr über, allerdings nicht für Dauercamper, betont die Scheeßelerin. „Von der Struktur her ist das auch gar nicht vorgesehen.“ Die wenigen Wohnwagen, die quasi rund um die Uhr hier parken, seien „familiären Beziehungen“ geschuldet, erklärt Wilken.

Einmal im Jahr herrscht auf der Anlage Hochbetrieb – dann nämlich, wenn die Hurricane-Festivalgänger in den Beeke-Ort einfallen. „Dann ist unser Zeltplatz hinten zur Wümme hin bis zum letzten Quadratmeter belegt“, sagt sie.

Ausgeruht setzen Hans-Walter Schiwara und sein Enkelsohn Emilio ihre Kanutour über die Wümme fort.

Am Himmel ziehen dunkle Wolken vorbei. Die zur Weiterreise aufbrechenden Urlauber – es sind nur wenig an diesem Morgen –, stört das wenig. Nicht nur, weil der verhangene Himmel durch die meterhohen Bäume kaum zu sehen ist. „Es ist wirklich ein Traum hier“, sagt Hans-Walter Schiwara. Und er meint damit nicht nur den Campingplatz. Mit seinem Enkelsohn Emilio (13) unternimmt der Arzt im Ruhestand gerade eine Kanutour auf der Wümme. Von Lauenbrück aus sei man am Vortag in See gestochen. Nach einem Zwischenstopp in Scheeßel – mit einem Abendessen bei Stahmleder und einer Nacht im Zelt – soll es heute weitergehen. Rotenburg sei das Ziel, so der Bremer. „Man glaubt, man sei hier mitten im Amazonas“, spielt Schiwara auf die urwüchsige Natur an. Und sein Enkel fügt hinzu: „Ich komme bestimmt irgendwann mal wieder.“

Zwischen den Baumwipfeln rauscht ein leiser Wind, Vögel zwitschern in der Ferne. Erst sei sie schon ein bisschen irritiert gewesen, weil es so leer auf dem Platz ist, erzählt Marian Hübers. Jetzt genießen sie und ihre Tochter Franka einfach nur die Ruhe. Die beiden sind zum ersten Mal in Scheeßel. Das holländische Hüissen ist ihr Zuhause. Mit ihrem Landrover, auf dem sie ein Dachzelt transportieren, wollen sie in den Dänemark-Urlaub. Dass Mutter und Tochter für eine Nacht hier gelandet sind, sei Zufall gewesen, sagt Hübers. „Wir waren gestern einfach zu müde, um noch weiterzufahren.“

Frisch geduscht und ausgeruht tritt das Duo nun die Weiterfahrt an. Zuvor gibt es aber von Angelika Wilken noch einen Kaffee eingeschenkt. Diese kleine Aufmerksamkeit wird übrigens hier jedem Camper zuteil.

Von Lars Warnecke

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