Durchhalten, Druck und Kratzen verboten

Werkstattclub bereitet sich auf Deutsche Meisterschaft im Bierkistenstapeln vor

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Die Rekordhalter vom Werkstattclub zeigen, wie es geht.

Scheeßel - Schon von Weitem hört man die Rufe in der Friedrichstraße: „Halten!“, „Mehr Druck“ oder „Ich muss mich mal kratzen!“ – Was da los ist, seit Neuestem immer mittwochs auf dem Hof von Familie Rathjen? Es wird trainiert.

Über die sozialen Netze eingeladen und gekommen sind heute, zum zweiten Übungsabend, alle, die unter professioneller Aufsicht Bierkisten horizontal stapeln wollen. Ein Kistenstapeltraining – Jux oder Ernst?

Schweiß aus dem Gesicht wischen geht während des Wettkampfs nicht

„Total ernst“, meint Matthias Rathjen vom Werkstattclub treuherzig, nimmt einen Schluck Bier und beobachtet die Gäste aus Vierden. Fünf Mitglieder der dortigen Wettkampf-Leistungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr sind angetreten, um sich in der skurrilen Sportart auszuprobieren, die dem Scheeßeler Club einen Eintrag ins Deutsche Guinnessbuch der Rekorde, einen Auftritt bei Stefan Raab und demnächst einen Besuch in der NDR-Plattenkiste beschert hat.

„Mann, ist das schwer“, stöhnt Thorsten, der zufällig auch Rathjen heißt, und die Position des „Halters“ am Ende eingenommen hat. Was hier eher Zufall ist, hat bei den Weltmeistern System: „Jeder hat eine feste Position.“ Für das erste Mal schlagen sich die Kameraden aus Vierden gar nicht schlecht: 41 Kisten stapeln sie fachgerecht, ganz nach den vom geistigen Vater der Sportart, Heinz Gehnke, vorgeschriebenen Regeln, bevor sie polternd zu Boden fallen. Endlich sind Hände frei, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen.

Teamgeist genauso gefordert wie Kraft und Technik

„Es gab auch schon Nachmacher in anderen Teilen Deutschlands, die die Kisten einfach nur hingelegt und insgesamt hochgehoben haben und dann meinten, sie hätten unseren Rekord von 60 geknackt,“ meint Rathjen – „aber es geht ja ums Stapeln!“

Bei den Vierdenern folgt eine Fallanalyse. „Pauli muss weiter vorgehen“, „Andreas Spannweite reicht nicht zum Halten“, wird konstatiert. Was zu tun ist, da herrscht Konsens: Erstmal muss ein Bier her. „Teamgeist ist genauso wichtig wie Kraft und Taktik“, weiß Brian vom Werkstattclub. Aber auch die Technik spiele eine Rolle. „Das muss man ausprobieren und es gibt bestimmt auch unterschiedliche Methoden“, so der Scheeßeler.

„Kaputt gelacht über ein Video von unseren Anfängen“

Rathjen ergänzt: „Neulich haben wir ein Video von unseren Anfängen vor fünf Jahren gesehen. Wir haben uns kaputt gelacht, wie doof wir uns damals angestellt haben.“ Heute geben sie den Vierdenern eine Demonstration ihres Könnens, nachdem diese sich im zweiten Versuch um eine Kiste gesteigert haben. 57 werden es, vorher nach bestimmtem System und mit großer Ernsthaftigkeit zurechtgelegt. Die gegenseitigen Anweisungen fallen genau so schlank aus wie die Passform der schwarzen Handschuhe: „Mehr Druck, höher!“

Nach einer guten Stunde treten neue Mitstreiter auf den Plan: Das Frauenteam des Werkstattclubs, die „Werkstatthühner“. „Und bis zu den Meisterschaften Ende Mai in Rotenburg bekommen wir wohl auch noch ein Mixed-Team zusammen“, meint Matthias Rathjen zufrieden. Die Vierdener haben sich längst verabschiedet – zwei Durchgänge in der Hitze waren genug. In der Wümme-Stadt wollen die Herausforderer in Feuerwehrkluft antreten.

hey

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