Redakteur vs. Leser

Das Duell auf dem Schießstand

Martin Schumacher (l.) hat die Herausforderung unseres Volontärs Matthias Röhrs angenommen. - Foto: Heyne

Wittkopsbostel - Von Matthias Röhrs. Überall in der Region feiern die Schützen derzeit ihre Schützenfeste. Dann wird nicht nur marschiert, getrunken und getanzt, sondern selbstredend auch um die Königswürden geschossen. Wer die gewinnt, muss ein sehr guter Schütze sein. „Ob ich einer bin?“, habe ich mich gefragt und gleich den amtierenden Schützenkönig von Wittkopsbostel, Martin Schumacher, herausgefordert. Schließlich will man sich ja mit einem der Besten messen.

Schumacher hat zu diesem Zweikampf Jürgen Witt mitgebracht, seinen Vereinsvorsitzenden und Vorgänger auf dem Königsthron. Und der hat sich ganz schön was ausgedacht: Der Sieger soll nicht einfach mit fünf Schüssen bestimmt werden. In drei Disziplinen sollen Schumacher und ich gegeneinander antreten. Einmal im klassischen Köingsschießen (sitzend und mit Kleinkaliber), danach stehend mit aufliegendem Luftgewehr und anschließend selbiges freihändig. Schon vorweg kann ich sagen: Im Schießsport steckt mehr Können als gedacht.

Das merke ich insbesondere, als mich Witt in die Materie „Gewehrschießen“ einführt. Er zeigt mir, wie ich die Waffe richtig anlege und die Zielvorrichtung justiere, spricht vom „repetieren“ und hat keine Ahnung, dass mit jeder Kugel, die ich in das Kleinkaliber stecke, ein weiteres Fragezeichen auf meinem Kopf entsteht.

Doch Fortuna ist mit den Einfältigen: Mein erster Probeschuss kratzt glatt am Zehnerbereich. Witt und Schumacher haben sogleich Zweifel. „Anfängerglück“, sagt der König, ich solle noch ein paar Probeschüsse machen. Die finden zumindest noch die Zielscheibe, haben dafür eine Tendenz nach links unten. Witt stellt noch etwas am Gewehr ein und der letzte Probeschuss geht in den Neuner-Bereich. Ich bin bereit.

Auch Schumacher hat in der Zwischenzeit seine Probeschüsse gemacht. Jetzt kommen drei Wertungsschüsse. In kurzen Abständen knallt es sechs Mal durch den Schießsstand, und tatsächlich. Auf dem ersten Blick sieht das Schussbild auf meiner Scheibe besser aus als auf der Schumachers. Der gibt sich selbstkritisch, zumal das offizielle Ergebnis genauso knapp wie überraschend mit 28 zu 29 zu meinen Gunsten ausfällt. Innerlich frohlocke ich schon. Kann ich wirklich den König schlagen? Doch: „Das kann ich besser“, sagt dieser. Und ich glaube ihm.

Die beiden Disziplinen mit dem Luftgewehr absolvieren wir im Wechsel, aber parallel. So bleibt es bis zum Ende spannend, wir können während des Schießens nicht erkennen, wer auf dem besseren Weg ist. Dennoch kann ich mir nicht verkneifen, immer wieder verstohlen zu Schumacher zu blicken.

Ich darf zuerst mit aufliegendem Gewehr schießen. Und merke bald: Stehend ist das ein ganz anderer Schnack. „Können wir das nicht hochjustieren?“, frage ich nach den eher mittelmäßigen Probeschüssen. Schuld hat schließlich das Material. Können wir, und nach fünf Schüssen habe ich repektable 46 Punkte und sehe, dass Schumacher sich freihändig schwer tut.

Völlig verständlich, wie ich später am eigenen Leib erfahre. Obwohl das Gewehr sehr leicht ist, fällt das Zielen schwer. Zudem ist der Abzug sehr empfindlich, ein leichetes Zucken reicht für den Schuss. Fachmann Witt rät mir, nach zehn Sekunden zielen wieder neu anzusetzen. Doch schon beim Laden habe ich große Probleme, der erste Schuss nur für die Regenwürmer auf der Bahn interessant. Nebenan geht Schumacher souverän in die Wertung, für mich bleibt weiterhin das Niemandsland. Witt greift ein, will sich das Übel nicht weiter ansehen. „Änder’ mal den Stand“, gibt er Hilfestellung. Und siehe da: Glatt mittig. Ich lade nach, und drücke im Siegestaumel zu früh ab. Hier trennt sie sich wohl, die Spreu vom Weizen. Vielleicht schon die Vorentscheidung, denke ich.

Anschließend müssen wir warten. Witt wertet aus. Nervosität macht sich bei Schumacher und mir breit. „Nach meinen Königsschüssen hatte ich auch ein ganz schlechtes Gefühl“, erzählt er mir. Jetzt auch. Ein gutes Omen glaubt er. Witt kehrt zurück. Und verkündet: Mit 25 zu 22 geht das freihändige Luftgewehrschießen an Schumacher. Aufliegend dann die Überraschung: Das 43 zu 46 für mich bedeutet, der König ist knapp mit 96 zu 97 geschlagen! Ich kann es gar nicht fassen.

Redakteur vs. Leser: Das Schützenduell

Doch als echte Majestät findet Schumacher schnell wieder seine Autorität. „Ich bin trotzdem noch König“, sagt er und tippt auf seine umgehängte Medaille. Und auch ich muss später eingestehen, dass ich ohne Witt wohl nicht gewonnen hätte. Und ein wahrer König gewinnt ohne Hilfe.

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