Findung eines Kompromisses

Ausschuss vertagt Entscheidung zur Zukunft des Dorfjugend-Domizils

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Noch hängt das Schild der Dorfjugend Westerholz an seinem angestammten Platz. Doch die Tage des Container-Vereinsheims sind gezählt.

Scheeßel/Westerholz - Von Lars Warnecke. Politik lebt von der Debatte, vom Meinungsaustausch. Und manchmal, das zeigt das Beispiel Scheeßel, bedarf es eben auch ein bisschen mehr Zeit für die Findung eines Kompromisses, mit dem am Ende alle politischen Lager gut leben können. So geschehen am Donnerstagabend im Rathaus.

Lediglich ein einziges Thema hatte der Feuerwehrausschuss auf der Agenda stehen: die Schaffung eines neuen Domizils für die Dorfjugend Westerholz. Denn wie bekannt, muss deren in Containern untergebrachtes Behelfsvereinsheim am Rande des örtlichen Sportplatzes spätestens im übernächsten Jahr dem Neubau eines Feuerwehrhauses weichen.

Also, überlegte man sich im Dorf, könnte man doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit dem Antrag des Westerholzer Ortrates auf Einrichtung eines Jugendraumes in Form eines Anbaus an die neue Brandwache - eine Idee, hinter der laut Ortsbürgermeister und Ausschussmitglied Wolfgang Kirschstein (SPD) auch die Ortsfeuerwehr stünde, tat sich aber so mancher schwer.

Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) machte jedenfalls keinen Hehl daraus, dass die Belange der Wehr an Ort und Stelle ganz obenan stehen müssten. „Auch wenn mir die Interessen der Jugend auf den Dörfern am Herzen liegen, wollen und müssen wir ein Feuerwehrhaus bauen - das ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, die sie an erster Stelle auszuführen hat.“ Zwei Alternativvorschläge habe man verwaltungsseitig der Dorfjugend schon unterbreitet: der Einzug in das später ausgediente Feuerwehrhaus oder eine Kooperation mit dem örtlichen TuS. So könnte ihren Worten nach durchaus auch am Sporthaus eine bauliche Lösung gefunden werden - „was ich auch für viel zielführender halte“.

Dem entgegnete Michael Miesner, der erste Vorsitzende der Dorfjugend, dass ein Anbau an das TuS-Heim aufgrund der dort räumlichen Umstände gar nicht möglich wäre. Auch die Option, das alte Gerätehaus zu nutzen, lehnt er ab, müsste dort doch sehr viel mehr Geld in die Hand genommen werden, um die Räumlichkeiten derart herzurichten, dass man dort Vereinstreffen abhalten könnte. Er selbst sehe jedenfalls keine Probleme für einen sich an das Feuerwehrhaus anschließenden Trakt mit eigenem Eingang und separaten Parkplätzen. „Die meisten Leute in der Dorfjugend sind eh in der Feuerwehr.“

Ratsfrau Peggy Miesner (Gruppe 57) äußerte sich mit Blick auf die Beschlussvorlage, in der die Verwaltung sachliche Aspekte aufführt, die eher gegen eine Doppelnutzung Feuerwehr/Dorfjugend sprechen, empört. „Wir halten die Argumente an den Haaren herbeigezogen - theoretische Gefahren werden absolut überbewertet.“ In die gleiche Kerbe schlug Ralf Münkel, der Ortsbrandmeister in Westerholz: „Dass der Ablauf im Einsatzwesen, so wie dargestellt, eingeschränkt sein könnte, halte ich für überzogen.“ Mit drei bis vier Einsätzen, die die Westerholzer pro Jahr fahren würden, sowie bis zu viermaligen Übungstreffen im Monat, seien die Aktivitäten der Kameraden doch recht überschaubar.

Und dennoch, machte sein Vorgesetzter, Gemeindebrandmeister Dieter Apel, deutlich: Es bestehen Vorschriften, die es einzuhalten gelte und die in jüngerer Vergangenheit auch beim Bau anderer Feuerwehrhäuser in der Gemeinde eingehalten worden seien. „Dem Antrag des Ortsrates kann ich aus rein fachlichen Gründen so also auch nicht ohne Weiteres zustimmen, wenngleich ich natürlich nicht gegen einen Anbau und gegen die Jugend bin“, betonte er.

Ausschussmitglied Arthur Lempert (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte derweil, er habe sich doch sehr gewundert, dass das Vorhaben der Westerholzer gar nicht mit dem Feuerwehr-Gemeindekommando abgesprochen worden sei, wo doch selbst die Ortswehr hinter dem Antrag stehen würde.

Am Ende war es Ratsherr Dirk Lange (CDU), der den Knoten zu lösen vermochte: „Wir sollten die Sicherheitsbedenken, die wir vor uns herschieben und uns die Entscheidung schwer machen, durchaus noch mal überprüfen.“ Sein Vorschlag, ein Unterbringungskonzept für das Feuerwehrhaus erstellen zu lassen - mit der Expertise der Feuerwehrunfallkasse - sowie einer parallelen Prüfung, inwieweit sich doch ein Anbau an das Sporthaus realisieren ließe, fand jedenfalls fraktionsübergreifend Zustimmung. Lange: „Und wir verbauen uns damit nichts.“

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