Sportangler macht sich um Abstand zwischen Fischteichen und Maisfeldern Sorge

Droht das große Sterben?

Klaus Ostenfeld mit dem Zollstock in den Händen: Gerade einmal zwei Meter beträgt der Abstand des Fischteiches zum nächsten Maisacker. Für den Sportangler ist das zu wenig. - Foto: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Klaus Ostenfeld stinkt‘s. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als Mitglied im Angelsportverein (ASV) Scheeßel treibt sich der 48-Jährige regelmäßig an den Fischteichen am Viehdamm herum. Dass auf den angrenzenden Wiesen die Landwirte immer mehr Grünlandumbruch vornehmen, treibt dem Jeersdorfer die Sorgenfalten auf die Stirn. Er sieht den Fischbestand durch das Aufbringen von Mist und Gülle in Gefahr.

„Mich stört es, anderen ist es offenbar egal“, sagt Ostenfeld. Darum steht er an diesem Morgen auch ohne seine ASV-Mitstreiter am Teichufer. In der Hand hält er einen Zollstock. Damit möchte er verdeutlichen, wie nah inzwischen der Mais an die Gewässer herangerückt ist. Mais, mit dem seinen Worten nach die Biogasanlagen gefüttert würden.

„Genau zwei Meter“, misst er den Abstand. Für den Frührentner ist das zu wenig. Erst kürzlich habe er beim Angeln einen Landwirt beim Düngen der noch jungen Feldpflanzen beobachtet. „Da flog ein Teil vom Mist in das benachbarte Gewässer“, sagt er. Nicht das schlimmste Übel, immerhin könnte ein Teich in der Menge durchaus zwei Zentner Dung verkraften. „Schlimmer wird es bei Gülle – wenn die erstmal im Boden ist, wird es für die Fische unter diesen Bedingungen gefährlich“, meint Ostenfeld und weist auf das steile Gefälle unter seinen Füßen. „Da sickert ganz schön viel Gift und Gülle ins Erdreich, die in einigen Jahren die Teiche erreicht haben werden“, so seine Prognose.

Was das auf lange Sicht für die in den Gewässern lebenden Wirbeltiere bedeutet, haben er und seine Vereinskameraden schon erlebt: „Wir mussten aus unseren älteren Teichen schon einige Male an der Wasseroberfläche treibende tote Fische bergen.“ Als Grund zieht Ostendorf ein überhöhtes Nährstoffaufkommen, in Fachkreisen auch Eutrophierung genannt, heran: Unterwasserpflanzen wie Algen würden sich so rasant vermehren und irgendwann den Lebewesen nicht mehr ausreichend Sauerstoff übrig lassen. Gerade wenn ein Gewässer dann im Winter zufriert, könne das katastrophale Auswirkungen haben, sagt er.

Nicht auszudenken sei es seinen Worten zufolge ebenfalls, sollte es einmal zu heftigen Starkregenfällen kommen. „Da muss man nicht einmal überlegen, was dann passiert.“

Erst in diesem Jahr wieder habe ein weiterer Grünlandumbruch auf mehreren Streifen entlang der Scheeßeler Gewässer stattgefunden, berichtet der 48-Jährige. „Mittlerweile sind wir hier vom Mais regelrecht umzingelt“, stellt der Sportangler mit besorgtem Blick über die weitläufigen Felder fest. Ein Umstand, der vor dem Jahr 2015 so noch gar nicht vorstellbar gewesen wäre: „Früher war das mal genehmigungspflichtig, im Agrarbundesland Niedersachsen ist das aber inzwischen aufgehoben – jeder kann auf seinem Land so viel Grünlandumbruch vornehmen, wie er will.“

Dass die Landwirte sich auf seine Einwände einlassen werden, daran glaubt Ostenfeld selber nicht. „Heute will man doch hauptsächlich nur noch die schnelle Kohle machen“, verweist er auf die riesigen Maisflächen. Manchmal, fügt er hinzu, wünsche er sich seine eigene Kindheit zurück. „Damals ist man wenigstens noch ganz unbekümmert Angeln gegangen.“

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