Dritte Kis-Auflage von „Talking about my Generation“ über die Rolling Stones feiert Erfolg im alten Bahnhof

Die kollektive Satisfaction

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Ein Treffen zwischen Keith Richards (Bobby Meyer, l.) und Mick Jagger (Reinhard Lüdemann).

Scheeßel - Kann der Kopf vor lauter gespeicherten Fakten platzen? Wie gut, dass sich das über Jahrzehnte im Zerebral von Bobby Meyer angesammelte musikalische Fachwissen in der dritten Auflage von „Talking my Generation“ im alten Bahnhof entladen konnte – dieses mal mit den „Stones“. Dort durften 50 Zuhörer auf Einladung der Scheeßeler Kulturinitative (Kis) bei der dritten Auflage der Platten-Nostalgie das Infotainment des Wittkopsbosteler DJs und „Sunset“-Drummers in den stimmigen Räumlichkeiten des Alten Bahnhofs genießen. Auch sein Weggefährten Reinhard „Luffy“ Lüdemann war mit von der Partie.

Farbkopien der ersten Singles als Deckchen auf den runden Tischen, an den Wänden passende Fotos und Zeitungsartikel und die Zunge vom legendären Plattencover „Sticky Fingers“: Schon der erste Blick in die seit Wochen ausverkaufte Kulturstätte für einen Abend verriet, wie viel Leidenschaft und Herzblut die beiden Musikfanatiker in die Erinnerungsabende stecken.

So begnügten sie sich nicht mit einem erzählerischen Abriss der Geschichte der „Stones“, sondern unterfütterten das Nachzeichnen der Erfolgsgeschichte immer wieder mit Fotos, einem eigenen Trailer, Filmausschnitten und Live-Musik von Thomas Voss.

Neben dessen Interpretation von „Sympathy for the Devil“ gehörte ein Fundstück auf „YouTube“ zu den Höhepunkten des dreistündigen Eintauchens in die Vergangenheit: Der Originalbericht des WDR von dem legendären „Stones“-Konzert 1965 auf der Berliner Waldbühne, die von euphorischen Fans zerlegt wurde. Ob der beklagten „Verwüstungen“ konnten Hurricane-affine Scheeßeler nur schmunzeln. Für laute Lacher sorgte der Originalkommentar, der die „Hässlichste Beatgruppe der Welt“ mit Höhlenmenschen verglich.

Es waren die kenntnisreichen Querverweise – der Vergleich der ersten „Stones“-Cover mit Originalen bis zum Einblick, dass die Beatles eigentlich gar keine Feinde waren, sondern sogar auf „Stones“-Platten mitsangen und das Datum für das Veröffentlichen potenzieller Charthits absprachen –, die den Abend ebenso aufschlussreich wie amüsant machten.

Auch wenn die Runde anfänglich nicht ganz so lebhaft war, kamen wieder einige Zeitzeugen zu Wort. Christel Schuldtke aus Hetzwege hatte zum Beispiel das Berlin-Konzert miterlebt, der Westerholzer Willi Bellmer erinnerte sich an ein Hamburg-Konzert mit anschließendem Polizeikontakt zu nächtlicher Stunde. Sammler Erich Kaddatz aus Sittensen hatte gleich mehrere Original-LPs im Gepäck, und das laute Knacken der aufgelegten Single sorgte für allgemeines Wohlbefinden. Nicht nur beim Song-Raten mit Buzzer, sondern spätestens beim gemeinsam gegröhlten „I can‘t get no…“ war sie da, die kollektive Satisfaction.

In heimischen Gefilden geht es am 17. März mit dem ersten Klönabend über die Musik weiter, bevor der nächste klassische „Talking about my Generation“-Abend am 16. Juni im Vorfeld zum 20. Hurricane ganz im Zeichen der legendären Festivals von 1973 und 1977 steht.

hey

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