Mitglieder restaurieren Hütte an der „Ähren-Route“ in Westerholz

Dorfverein wertet Wanderweg auf

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Ein Häcksler aus vergangener Zeit steht in der kleinen Hütte.

An diesem Oktober-Vormittag passt alles zusammen: Regen aus grauen Wolken, aufgeweichte Wege, herbstlich bunte Blätter in Wäldern hinter gepflügten Feldern. Heino Dreyer und Hartmut Guderjahn, der erste und der zweite Vorsitzende des Westerholzer Dörpsvereins, stehen am Rad- und Wanderweg „Ähren-Route” zusammen. Ganz in der Nähe sind Wohnhäuser des kleinen Westerholzer Ortsteils Pfahlsberg zu sehen. Auf den Wiesen grasen Reitpferde. Dreyer, Landwirt und Stahlbauschlosser im Ruhestand, deutet auf das erste Haus: „Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Dieser kleine Schuppen diente vor dem Krieg der Familie Riepshoff aus Westerholz als Lager und Wetterschutz. Für uns Kinder vom Pfahlsberg war ,Kreugers Schuppen‘ ein herrlicher Spielplatz.“ Längst Vergangenheit, das kleine Gebäude am Verbindungsweg zum Moordorf Borchel verfiel. Dreyer, Gunderjahn und ihre Freunde vom Dörpsverein haben inzwischen dafür gesorgt, dass der Fachwerkschuppen zu einem Schmuckstück für Radfahrer und Wanderer wurde. Durch Eigeninitiative, an einem Wochenende, ohne finanzielle Subventionen und mit bereitwilliger Erlaubnis von Besitzer Heiko Riepshoff. Ein Beispiel einer ganzen Reihe, die für die Maxime der Westerholzer typisch sind: Nicht lange reden, zupacken, verwirklichen.

Westerholz - Die Scheeßeler Mitgliedsgemeinde Westerholz, rund 600 Einwohner, mehr als 750 Jahre alt und inzwischen ein schrumpfendes Dorf, nimmt für sich nicht in Anspruch, Klassenerster zu sein. Auch in anderen Gemeinden werde aus der Mitte heraus viel für die Gemeinschaft getan. Trotzdem sind Dreyer sowie der pensionierte Polizeibeamte Hartmut Guderjahn stolz darauf, mit dem vor 17 Jahren gegründeten Dörpsverein und seinen rund 100 Mitgliedern besonders viele und interessante Aktivitäten zu bieten. Vorsitzender Heino Dreyer: „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, für‘s Dorf etwas zu tun. Dazu gehört unter anderem die Pflege des Kriegerdenkmals, die Spende für die Anschaffung der Orgel im Dorfgemeinschaftshaus und die Beteiligung an der Gestaltung des Friedhofs. Wir organisieren regelmäßig Ausflüge für unsere Mitglieder. In diesem Jahr haben wir eine Ausflugsfahrt mit einem Schiff auf der Aller und Weser gemacht. Außerdem haben wir uns wieder zu einem gemeinsamen Sommerfest getroffen.”

Spontan war die Idee mit „Kreugers Schuppen”, der Schutzhütte auf dem Pfahlsberg. In dem vier mal 2,5 Meter messenden kleinen Häuschen steht eine alte Strohhäckslermaschine vom Hof Behrens in Westerholz. Das Gerät diente dazu, Halme zu Längen von 1,5 Zentimetern zu zerkleinern und diese dann im Winter dem Hafer als Pferdefutter beizumischen. Dörpsverein-Mitglied Helmut Everding – laut Dreyer der „Haus- und Hofmaler“ – gestaltete ein Insektenhotel für die Außenwand der Schutzhütte.

Ein Insektenhotel an der Außenwand des renovierten „Kreugers Schuppens”.

Mitglieder der Jagdgenossenschaft Westerholz hätten sich, so Heino Dreyer, an den Arbeiten beteiligt. Sie seien von den Aktivitäten des Vereins so begeistert gewesen, dass sie gleich eingetreten seien. Ein Geschenk der Jäger ist der Name der Hütte auf Kiefernholz: „Viehmoor 1”.

Mitglieder des Dörpvereins haben dafür gesorgt, dass an der Ähren-Route in dem kleinen Westerholzer Ortsteil Bult eine weitere Schutz- und Rasthütte gebaut wurde. Eine dritte Hütte für Wanderer und Radfahrer entstand im Bereich Westerholzer Wald, Richtung Sandgrube. Vereinsmitglied Jörg Schwacke, Zimmermann aus Hetzwege, hatte alte Eichenbalken aus dem 16. Jahrhundert zur Verfügung gestellt.

Die Mitglieder des Dörpvereins grenzen ihre Aktivitäten nicht ein, sie sind auch für andere da. Als die Westerholzer Landjugend sich vor wenigen Jahren an einer Aktion auf Landesebene beteiligt hatte, packten sie mit an. Es ging dabei um die hölzerne Aussichtsplattform auf dem 52 Meter hohen Bunkerberg.

Keine Probleme in dem lang gestreckten Dorf in schöner Landschaft zwischen Hetzwege und Rotenburg? Doch, wie in so vielen kleinere Gemeinde auf dem Lande: Westerholz schrumpft, die Zahl der Einwohner wird weniger. Vor etwa 15 Jahren, so Hartmut Guderjahn und Heino Dreyer, seien es noch circa 750 Bürger gewesen, heute nur noch rund 600.

Heino Dreyer (r.) und Hartmut Guderjahn vor der selbst gebauten Schutzhütte.

Einen Grund für das rückläufige Wachstum sehen die beiden Männer in der Baugenehmigungs-Bürokratie: 16 Bauplätze würden in Westerholz zurzeit angeboten. 15 Bauwillige warteten auf grünes Licht, um in Westerholz mit der Errichtung ihres Heims beginnen zu können.

Eine kleine Redaktion fleißiger Westerholzer Frauen stellt regelmäßig ein Heft zusammen, in dem Jahr für Jahr so gut wie über alles mit viel Akribie berichtet wird: über Geburten, Schulbesuche, Berufsausbildung, Hochzeiten, Jubiläen, Beerdigungen.

Andere Abschnitte widmen sich der Freiwilligen Feuerwehr, dem Sportverein, dem Theaterverein, der Dorfjugend, dem Dörpsverein, dem Kindergarten und dem Schützenverein, der vor 50 Jahren das Dorfgemeinschaftshaus gebaut hat, das sich in seinem Besitz befindet. Westerholz sei ein Dorf mit relativer Vielfalt an interessanten Angeboten. Schade, bedauern Dreyer und Guderjahn, dass nur relativ wenige Neubürger davon Gebrauch machten.

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