Aktion am Westerescher Hof

Disco hinter verschlossenen Türen

Die „Disco-Attrappe“ des Westerescher Hofs zieht die Blicke auf sich.
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Die „Disco-Attrappe“ des Westerescher Hofs zieht die Blicke auf sich.

Westeresch – Wummernde Bässe, Disco-Lichter und an den Fenstern schemenhafte tanzende Gestalten – so mancher, der dieser Tage oder vielmehr Abende am Westerescher Hof vorbeikommt, fragt sich, ob da in Corona-Zeiten wohl eine Party gefeiert wird. Pächter Philipp Hayo wurde sogar schon darauf angesprochen: „Na, ganz schön was los bei Euch auf dem Saal“, hieß es dann.

Andere vermuten, dass dort ein Kindergeburtstag im Gange ist, haben die ausgeschnittenen Konturen der Partygänger hinter den Fenstern des großen Saals doch nicht gerade Gardemaß.

Auch wenn im Westerescher Hof in Zeiten der Pandemie nicht wirklich gefeiert werden darf – Aufmerksamkeit erregt die Dekoration allemal. „Schon, als ich die Fenster abgeklebt habe, sind die Autos langsamer gefahren“, schmunzelt der Wirt. Am ersten Abend, als er das Discolicht angeschmissen hatte, seien sogar zwei Einwohner mit Taschenlampen gekommen, um nach dem Rechten zu schauen.

Geboren wurde die Idee zu der „etwas anderen Disco“ aus einer Laune heraus. „Beim Schrauben und Renovieren blutet einem das Herz angesichts der Leere“, erzählt Hayo. So setzte er die Idee der virtuellen Party, die er bereits vor Corona irgendwo in Hamburg gesehen hatte, mit Pauspapier und Nagelschere um. Die Silhouetten druckte der Vater im eigenen Musikverlag, „die Frauen mit den langen Haaren auszuschneiden, war allerdings schon zeitaufwendig“, so Hayo.

Werbung für Feste: Die eingedeckten Tische sollen Lust auf die Zukunft machen.

Ein Fenster ließ er frei, um den Blick auf die unterschiedlichen eingedeckten Tische zu ermöglichen. Sie sollen Interessenten, die sich den Saal angucken, Lust auf ein Fest in den Räumlichkeiten machen. „Wir machen Werbung für 2022“, so Hayos Galgenhumor. Termine vorher nehme er zwar an, ist aber persönlich skeptisch, ob die Veranstaltungen dann auch stattfinden können. Auch eine Öffnungsmöglichkeit noch im März sieht der Gastronom kritisch: „Wir warten lieber noch ein, zwei Wochen – wenn schon aufmachen, dann aber auch richtig!“ Derzeit investiert der Pächter des Westerescher Hofs in eine größere Terrasse mit Heizstrahlern, „für die Zeit, wenn es denn wieder losgeht – mit Geld, das wir eigentlich nicht haben.“ Das Außer-Haus-Geschäft, während des ersten Lockdowns ein voller Erfolg, sei inzwischen rückläufig: „Inzwischen macht das jeder, außerdem kommt allmählich die Grillsaison, da wird dann wieder verstärkt im heimischen Garten gebrutzelt.“

Die Überbrückungshilfe muss Hayo vermutlich wegen der zwischenzeitlichen Öffnung wieder zurückzahlen, die Novemberhilfen seien ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Trotzdem liegt Jammern ihm fern: „In anderen Ländern geht es den Leuten bedeutend schlechter.“ Die Disco an den Wochenenden im leeren Saal ist denn auch nur ein bisschen als Protest zu verstehen: „Zuallererst war es eine Aktion aus Spaß, die gute Laune bringen soll.“ Inzwischen habe sich ein gewisser Werbeeffekt eingestellt, „viele kommen und gucken, was hier los ist“. Gerechnet hat Hayo schon mit dem Besuch der Polizei, „aber die haben sich hier noch nicht blicken lassen“.

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