„Direkt in die Seele gespielt“

Andreas Winterhalter und Primavera Shima legen furioses Doppel an zwei Flügeln hin

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Zwei, die menschlich und musikalisch auf einer Wellenlänge sind: die international gefragte australische Pianistin Primavera Shima und der Scheeßeler Kantor Andreas Winterhalter.

Scheeßel - Zwei Flügel, eine akustisch wie optisch atemberaubende Australierin und ein beseelt lächelnder Kantor – dem Konzert von Andreas Winterhalter und der eigens aus Paris eingeflogenen Starpianistin Primavera Shima, das am Freitagabend rund 150 Zuhörer in der St.-Lucas-Kirche erleben durften, mangelte es nicht an Besonderheiten. Das fing bei der Idee zur Veranstaltung an, war das Konzert mit hochkarätiger Partnerin doch ein Geschenk des Wahl-Scheeßelers an sich selbst und die Gemeinde der Klassikliebhaber zum runden Geburtstag.

Die nicht ganz alltägliche Anfrage Winterhalters vor rund zwei Jahren hatte die in Paris lebende Shima zunächst überrascht: „Das hat man nicht alle Tage“, aber auch begeistert. Nach einem Telefonat ließ sie sich auf das Wagnis ein – ein künstlerisches Risiko, „im Internet konnte ich nichts über ihn finden“. Für die Trägerin des ersten Preises und Publikumspreises beim siebten internationalen Klavierwettbewerb Mayenne, die vor allem auf Solopfaden wandelt, ist das gemeinsame Konzertieren Herausforderung und Bereicherung zugleich, „man kann nicht so spontan agieren – das erfordert eine größere Fokussierung“. Am Ende gehe es bei allen Absprachen – die beiden hatten zwei Tage lang gemeinsam geprobt – nicht um Details, sondern darum, „im Moment zu sein, um Präsenz“.

Davon war am Freitag jede Menge zu spüren. Bereits bei Mozarts Sonate in D-Dur spielten die beiden sich die Bälle zu, leichtfüßig, mit schöner Dynamik und mit einem Einklang, der es teilweise schwer machte, die Töne einem der Instrumente zuzuordnen. Das entlockte Winterhalter im Anschluss ein beseeltes Lächeln – zu Recht, gehörte der langsame, unaufgeregt und ohne übermäßige Schwelgerei vorgetragene Mittelsatz zu den Höhepunkten. „Den haben wir noch nie so gut auf den Punkt gebracht wie eben“, wie er später verriet.

Ein Feuerwerk der Lebensfreude brannten die beiden mit Milhauds Scaramouche ab, überbordend vor Einfällen, mit Referenzen an Volkstümliches, lateinamerikanische Rhythmen und viel Drive. Schon jetzt offenbarte sich den zahlreichen Gästen, die Winterhalter von seinen Saalkonzerten kannten: Als Pianist hatte er noch einige Schippen drauf gepackt – die eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit auf das technisch anspruchsvolle Programm hatten sich bezahlt gemacht.

Winterhalter hielt auf hohem Niveau mit

Das zeigte sich vor allem im mit Spannung erwarteten Rachmaninoff. Wenngleich vor allem Shima Akzente setzte, ein Gleichgewicht aus Rasanz und Cantabile zauberte, gelang es Winterhalter doch, auf hohem Niveau virtuos mitzuhalten. Mit viel Blickkontakt meisterten sie rasante Tempiwechsel, verschobene Rhythmen, den romantisch-schwelgerischen Valse und Presto und das finale A Tempo. „Er ist eben doch ein Pianist“, so Besucherin Elisabeth Golombek nach der Zugabe, dem „Vocalise“ von Rachmaninoff, „er hat sich direkt in die Seele gespielt!“ 

Vor Lob konnten sich die beiden kaum retten. Der ehemalige Rotenburger Kollege Karl-Heinz Voßmeier, der noch nach Mozart und Milhaud „Hut ab“ konstatierte, revidierte sein Urteil nach dem fulminanten Rachmaninoff auf „Drei Hüte, mindestens!“, und Antje Meiborg, ebenfalls eine der vielen musikaffinen Zuhörerinnen: „Die beiden haben uns die Seele Rachmaninoffs mit all seinen Höhen und Tiefen nahe gebracht!“

Das Geburtstagspaket hielt, was die Verpackung versprach: eineinhalb Stunden pralles Leben auf 176 Tasten. Manch einer freut sich schon auf den nächsten „Runden“. Zu Recht. 

hey

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