SOMMER ZUHAUSE Mit der Tourenapp „Komoot“ durch die Vareler Heide

Digital durch die Natur

Auf der Strecke lässt sich die Natur genießen.
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Auf der Strecke lässt sich die Natur genießen.

Scheeßel – Was kann man in einem Sommer tun, in dem das Reisen wegen einer Pandemie nur eingeschränkt möglich ist? Radfahren vor der Haustür. Das klingt jetzt erstmal nicht so spannend, schließlich kennt man das, was vor der Haustür ist, schon. Oder? Dass das nicht so ist, hat der Autor gemerkt, während er mit der App „Komoot“ die Radtour „Vareler Heide“ getestet hat. Dabei zeigte sich, dass auch jemand, der schon viele Jahr im Landkreis lebt, noch viel Neues entdecken kann.

Wer seine Radtour digital plant, kann sich in der App „Komoot“ unter dem Menüpunkt „Entdecken“ Routen in der Nähe vorschlagen lassen. Wer lieber seine eigenen Strecken fährt, kann wiederum die Wegführungen aufzeichnen und so dafür sorgen, dass der Kanon an Routen größer wird. Bereits von Radlern oder Wanderern erstellte Strecken können in der App abgerufen werden.

In der Tourenbeschreibung der Route Vareler Heide erfährt der Nutzer, dass es sich um eine mittelschwere Graveltour handelt, für die eine gute Grundkondition erforderlich ist. Gravel steht für eine Gattung von Rädern, die für das Gelände tauglich sind. Laut Komoot soll die Tour 3 Stunden und 15 Minuten dauern, 45 Kilometer lang sein, 120 Meter bergauf und 120 bergab gehen. 818 Meter der Radtour „Vareler Heide“ bestehen aus Kopfsteinpflaster, 22,1 Kilometer aus Straßenbelag und 13,7 Kilometer aus losem Untergrund – Radler erfahren also bereits vorab schon viele nützliche Detailinformationen. Premium-Nutzer, die dafür monatlich 4,99 Euro zahlen, können sich zusätzlich noch die Wetterlage anzeigen lassen.

Der Start der Route ist in der Moorstraße in Rotenburg und von da aus führt sie weiter über die Visselhöveder Straße in die Straße Zwischen den Wassern. Hier gibt es schon die erste Überraschung: Die dortige Baustelle zeigt die App nicht an. Vor dem Krankenhaus geht es dann nach rechts in einen Wiesenweg, der in die Buhrfeindstraße mündet. Danach führt die Strecke über den Therkornsberg, vorbei am Friedhof in der Freudenthalstraße und auf Feld- und Waldwegen Richtung Bartelsdorf.

Die eigene Position auf der Route wird durch einen kleinen blauen Punkt auf der Karte dargestellt, der es einem sehr leicht macht, den Weg zu finden. Nutzer können aber auch die Navigation einschalten und sich ausschließlich von akustischen Anweisungen der App leiten lassen. In beiden Fällen ist es sinnvoll, sich für den Fahrradlenker eine Halterung für das Smartphone zu besorgen, damit man während der Fahrt einen guten Blick aufs Gerät hat. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch notwendig, um gesetzeskonform mit der App unterwegs zu sein. Denn wer beim Radfahren das Handy in der Hand hält und von der Polizei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Hinter Bartelsdorf führt die Strecke weiter nach Lauenbrück. Auf dem Weg dorthin passiert der Radler den Bartelsdorfer Kirchsteg, eine Bohlenbrücke über die Veerse, die in der App als erste Sehenswürdigkeit mit Foto angepriesen wird. Die Sehenswürdigkeiten können von anderen Nutzern der App kommentiert werden. „Tolle Landschaft zwischen Bartelsdorf und Scheeßel“, schreibt „BikerFrank“. „Bei Regen unbedingt absteigen, der Bodenbelag ist sehr rutschig“, rät ein Nutzer namens Heiko in Bezug auf den Bartelsdorfer Kirchsteg.

Die Tour geht weiter an den Wiesenseen in Lauenbrück vorbei, durch die Vareler Heide zwischen Lauenbrück und Scheeßel und letztendlich über Scheeßel und Jeersdorf zurück nach Rotenburg. Neben Sehenswürdigkeiten geben Nutzer der App „Komoot“ auch immer wieder Hinweise zu dem, was am Wegesrand am Radler vorbeirauscht. Zum Beispiel, dass der Scheeßeler-Everinghausener Kanal, den man kurz vor Jeersdorf passiert, früher zum Transport von Torf verwendet wurde und dass man in der Köhlerhütte in der Vareler Heide gut eine Pause einlegen kann.

Besonders die kleinen Pfade durch den Wald oder die Sandwege durch die Vareler Heide würde man ohne die App nicht ohne Weiteres finden. Wegen der übersichtlichen Karte und der guten Navigation kann man sich beim Radfahren voll auf das Umfeld konzentrieren. Die Tipps der anderen Nutzer für Pausenplätze oder Sehenswürdigkeiten machen die Route noch ein wenig lebendiger. Etwas überraschend ist, dass Punkte wie der Kranichturm kurz vor Lauenbrück als Sehenswürdigkeit nicht erwähnt werden.

Was man vor der Tour unbedingt beachten sollte, ist sein Smartphone aufzuladen. Denn die Anwendung zieht recht viel Strom. Das Gerät des Autors zeigt am Ende der Tour nur noch weniger als die Hälfte Akkuladung an.

Die App „Komoot“

Die App „Komoot“ kann man sich kostenlos herunterladen. Die Karte für die erste Region ist ebenfalls kostenfrei, erst ab der zweiten Region müssen Nutzer zahlen. Für die Nördliche Heide zum Beispiel 8,99 Euro. Wer alle Karten auf einmal kaufen möchte, kann das Weltpaket erwerben. Das kostet 29,99 Euro. Laut einem Bericht von Gründerszene im Juni dieses Jahres gewinnt „Komoot“ zurzeit monatlich eine Million Nutzer hinzu. Insgesamt wird die App demnach europaweit von elf Millionen Menschen genutzt.

Von Lutz Bergmann

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