Die Töpferin vom Papenhus

Edda Barth-Golz aus Fintel hat ein Händchen für Keramik

„Für uns ist dieses Haus ein Luxus“, sagen Edda Barth-Golz und ihr Mann Rainer über das Papenhus, in das das Paar vor 22 Jahren eingezogen ist.
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„Für uns ist dieses Haus ein Luxus“, sagen Edda Barth-Golz und ihr Mann Rainer über das Papenhus, in das das Paar vor 22 Jahren eingezogen ist.

Früher, in den 80ern, musste jeder mal einen Krug aus einem Tonklumpen geformt haben. Heute, nach Jahren der Flaute, ist Töpfern wieder groß in Mode. Edda Barth-Golz aus Fintel ist ihrer Leidenschaft treu geblieben. Und das ist auch gut so: Ihre Tassen, Teller, Schüsseln und Co. sind nicht nur kunstvoll bemalt, sondern auch handwerklich hervorragend gearbeitet. Ein Besuch im Papenhus.

Fintel – Schnell dreht sich die Töpferscheibe. Auf ihr befindet sich nicht mehr als ein Klumpen Ton, den die Fintelerin, ihre Arme auf den Oberschenkeln abgestützt, in ihrer Werkstatt gerade in Form bringt. Mit dem Fuß auf dem „Gaspedal“ reguliert die 72-Jährige dabei die Geschwindigkeit – und allmählich nimmt das Gefäß Form an. „Ist das nicht ein süßes Kännchen?“, fragt Barth-Golz den Reporter. Der kann nur darüber staunen, mit welchem Feingefühl die gelernte Töpferin zu Werke geht. Die Keramik gewordene Ausbeute ihrer Kreativität, mal farbenfroh, mal rustikal, mal in schlichter Eleganz, ist gleich nebenan in ihrem kleinen Laden zu bestaunen und natürlich auch käuflich zu erwerben: Geschirr, Deko für Haus und Garten, keramische Objekte sowie Figuren wie Engelchen und Osterhasen.

Und ihre bemalten Ton-Hühner natürlich – mit denen ist sie weit über Fintels Grenzen hinaus erst so richtig bekannt geworden. Einige, sagt sie stolz, hätten es sogar schon ins Ausland geschafft.

Die Arbeit mit dem Naturmaterial, sagt Barth-Golz, sei mehr als nur das bloße Herstellen einer Ware. Sie beschreibt den Schaffensprozess so: „Man denkt sich etwas Schönes aus, das vom Kopf durch den Körper am Ende in die Hände fließt – man töpfert auf diese Weise praktisch seine eigenen Gedanken.“ Und: Man nehme sich Zeit, im Hier und Jetzt anzukommen. „Durch diese Arbeit bin ich auch viel gelassener geworden und sehe das Leben anders.“

Das war nicht immer so: Eine Krankheit stellte das Leben der Diplom-Soziologin völlig auf den Kopf. Da war sie erst 55. In Hamburg, wo sie früher lebte, hatte sie über die Awo für das Jugendamt gearbeitet – als Familientherapeutin. „Damals hatte ich durchgehend Stress. Ich arbeitete auch oft am Wochenende, das hat mich ganz schön aufgefressen“, blickt die zweifache Mutter zurück. Dann aber habe ihr das Universum einen Tritt gegeben. Sie erkannte: „Wenn ich nur noch funktionieren muss, funktioniert gar nichts mehr. Mein Körper hatte sich gegen meinen damaligen Lebensstil, der ja auch psychisch belastend war, gewehrt.“ Sie zog die Notbremse, begab sich in den Vorruhestand.

Bis zu 25 Stunden die Woche verbringt die Fintelerin in ihrer Werkstatt.

Infolgedessen suchte Edda Barth-Golz etwas, das ihr wirklich Spaß macht – und entdeckte das Töpfern wieder. „Mein Hobby war das Handwerk ja schon früher.“ Ohnehin, sagt sie, habe sie als Tochter einer Schneiderin schon ein gewisses Maß an Kreativität mit in die Wiege gelegt bekommen.

Vor 27 Jahren zog sie mit Rainer, ihrem zweiten Mann, von Hamburg ins dörfliche Fintel in ein kleines Häuschen im Eurostrand. Später bemühte sich das Paar um einen alten Hof, den sie in Ortsrandlage am Moordamm fanden und in Eigenregie ausbauten. Papenhus, der Name des ehemaligen Häuslingshauses, geht auf den ersten Besitzer zurück. „Im Prinzip wohnen wir hier in zwei Häusern“, schmunzelt die Seniorin. „Ein Teil stammt von 1867, der andere ist 1928 angebaut worden.“ Obwohl große Teile des Gebäudes inzwischen renoviert sind, haben die beiden den ursprünglichen Charakter ihres Domizils weitestgehend erhalten. Eine bewusste Entscheidung sei das gewesen, „weil dieses Urige einfach so schön ist“, befindet Barth-Golz, die ebenso wie ihr neun Jahre jüngerer Mann ein Faible für das Motorradfahren hat.

Die getöpferten Hühner sind längst zum Markenzeichen von Barth-Golz geworden.

Gerne gibt Edda Barth-Golz, die sich vor 22 Jahren mit der Töpferei selbstständig gemacht hat, ihr Fachwissen an andere weiter – bei Kursen im Finteler Papenhus etwa. Oder auch auf ausgewählten Kunsthandwerkermärkten, wo sie mit ihren Produkten an den von ihr liebevoll dekorierten Ständen regelmäßig anzutreffen ist. Coronabedingt ist es diesbezüglich aber etwas stiller geworden. „Meine letzte Ausstellung außer Haus war Ende 2019 im Rotenburger Wachtelhof.“

Dennoch: Der Verkauf in ihrem Laden geht unter den bekannten Auflagen weiter. Und auch an publikumsträchtigen Aktionen, wie zuletzt kurz vor Ostern die Hühnertage, halten die Fintelerin und ihr Mann fest. Das ländliche Anwesen mit dem rund 4 000 Quadratmeter großen Naturgarten bietet für Besucher ja auch viel Platz für Entdeckungen an der frischen Luft – „und für mich selbst immer wieder Inspiration für neue Ideen, die ich an der Töpferscheibe umsetzen möchte“, meint die Hausherrin. Die Hände einfach so in den Schoß legen – das sei eben noch nie ihre Sache gewesen. Spricht‘s und macht sich wieder an die kreative Arbeit.

Von Lars Warnecke

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