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Interview: Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann ist 100 Tage im Amt

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Von: Lars Warnecke

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Ulrike Jungemann im Foyer des Scheeßeler Rathauses. Nach 100 Tagen im Amt fühlt sich die neue Bürgermeisterin angekommen.
Ulrike Jungemann im Foyer des Scheeßeler Rathauses. Nach 100 Tagen im Amt fühlt sich die neue Bürgermeisterin angekommen. © Warnecke

Scheeßel – Viele Jahre lang war Ulrike Jungemann Regionalplanerin beim Landkreis, zum 1. November hat sie die Seiten gewechselt und ist nun seit mehr als 100 Tagen Scheeßels Gemeindebürgermeisterin und Chefin im Rathaus. Im Interview äußert sich die 50-Jährige über bereits gesetzte Akzente – und wie sie sich die weitere Arbeit vorstellt.

Frau Jungemann, Sie sind jetzt seit 100 Tagen Scheeßeler Bürgermeisterin. Wie fühlen Sie sich?

Danke, ich fühle mich sehr gut. Die ersten 100 Tage waren sehr kurzweilig, interessant und sind wie im Fluge vergangen.

Konnten Sie sich schon in die Abläufe des Amtes einarbeiten?

Ja, schon in viele. Und dank meiner Kolleginnen und Kollegen hat das gut funktioniert. Jeden Tag kommt aber was Neues dazu und der Rest bringt die Zeit mich sich.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihren Mitarbeitern gewonnen?

Einen sehr guten. Meine Vorgängerin hat mir bei ihrer Verabschiedung schon gesagt, dass ich ein sehr gutes Haus übernehme – und dem ist auch so. Ich bin sehr froh und zufrieden mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Ich habe ein gutes Team und das macht sich in der angenehmen Zusammenarbeit bemerkbar.

Sehen Sie es als Vorteil an, aus der Verwaltung zu kommen?

Es ist sicherlich keine Voraussetzung, aus einer Verwaltung zu kommen, um ein Rathaus führen zu können. Aber es bringt viele Vorteile mit sich, da man die Strukturen und Abläufe einer Verwaltung bereits kennt und sich hier weniger einarbeiten muss. Das ist schon hilfreich.

Wie beurteilen Sie selbst Ihre ersten drei Monate als Bürgermeisterin?

Ich habe bisher viel erlebt. Die Schlagzahl der ersten Wochen war enorm, da ich von einem Termin in den nächsten geeilt bin. Da fehlt gelegentlich Zeit zum Verschnaufen, aber es macht Spaß sich in die Themen der Gemeinde einzuarbeiten. Mit dem Anstieg der Coronazahlen sind allerdings immer mehr Termine weggebrochen und viele Anlässe zum Kennenlernen müssen verschoben werden. Darunter fallen auch die traditionellen Veranstaltungen wie das Bauernmahl oder Heringsessen. Ich hoffe, dass wir das im Frühjahr alles nachholen können.

Wie viel mehr Zeit als bisher fordert das Amt der Verwaltungschefin von Ihnen?

Auf jeden Fall mehr als die klassische 40-Stunden-Woche, die ich vorher hatte. Wobei ich bei meiner vorherigen Tätigkeit auch viele Abendtermine wahrgenommen habe. In Sitzungswochen kann der Feierabend auch weit nach 21 Uhr liegen. Wenn diese aber gut verlaufen und Beschlüsse nahezu einstimmig gefasst werden, hat es sich aber gelohnt. Zeit spielt daher für mich eine untergeordnete Rolle.

Sie haben sich während Ihrer Kandidatur unter anderem für mehr Transparenz für den Bürger eingesetzt. Haben Sie schon mit vielen Scheeßelern sprechen können?

Wegen der steigenden Coronazahlen sind die Bürgerkontakte leider etwas in den Hintergrund gerückt. Der Schutz der Gesundheit aller steht aktuell im Vordergrund. Die Bürgersprechstunden werden gut angenommen, aber ich wünsche mir einen umfangreicheren Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern – und hoffentlich bald wieder ohne Maske und Abstand.

Welche Erfahrungen haben Sie als neue Chefin der Verwaltung bisher mit den Mitgliedern des Scheeßeler Rates gemacht?

Ich bin zufrieden mit dem Rat. Ich habe eine sachliche und faire Zusammenarbeit zugesichert, die mir ebenfalls zugesagt wurde. Daran werde ich mich halten. Natürlich gibt es mal unterschiedliche Meinungen zu einem Thema, aber das macht es ja so reizvoll und interessant. Der Rat ist jünger und weiblicher geworden, das spiegelt sich auch in den Themen, die in den Ausschüssen diskutiert werden. Wenn ich mir die Ergebnisse der Beschlüsse ansehe, wollen doch alle in die gleiche Richtung und die Entwicklungen in der Gemeinde voranbringen. Nach meinem Eindruck gehen alle gut vorbereitet in die Sitzungen der politischen Gremien.

Konnten Sie schon erste neue Themen angehen? Oder führen Sie vorwiegend Maßnahmen fort, die Ihre Vorgängerin noch auf den Weg brachte?

Sowohl als auch. Natürlich geht das laufende Geschäft der Verwaltung seinen Weg. Für den Windpark in Ostervesede konnte ich bereits einen Aufstellungsbeschluss für die Bauleitplanung herbeiführen und somit dafür Sorge tragen, dass der Eingriff in die Natur innerhalb der Umgebung Ostervesedes ausgeglichen wird. Die Vernetzung von Ehrenamt, Tourismus und Kultur läuft zunächst intern, das heißt, ich versuche, neue Aufgaben intern zu platzieren. Zusammen mit den Kindergarten-Leitungskräften arbeite ich an einem Betreuungskonzept, in das auch die Eltern und Politik eingebunden werden. Die Corona-Pandemie verlangt uns vieles ab. Täglich neue Fälle und Vorgaben, die sich häufig ändern, beschäftigen uns mehr, als uns lieb ist. Von meiner Vorgängerin habe ich das Projekt der ökologischen Rückführung der Wegeseitenränder übernommen und bin bei den Terminen mit den betroffenen Landwirten vor Ort dabei. Das ist mir sehr wichtig.

Denken wir mal 100 Tage weiter: Was wollen Sie bis dahin erreicht haben?

100 Tage gehen schnell vorüber. Ich hoffe, dass bis dahin ein Lösungsansatz für die Betreuungszeiten in den Kitas erarbeitet und ein gangbarer Weg für Eltern, Kinder und Erzieherinnen gefunden ist. Weiterhin möchte ich den Kontakt zu den Vereinen intensiviert haben, damit nach der Coronazeit gemeinsame Aktionen in Angriff genommen werden können. Auch geht die Planung für das Gewerbegebiet an der Westerveseder Landstraße weiter. Dort möchte ich den Fokus auf eine klimaschutzorientierte Entwicklung umsetzen.

Wo wollen Sie langfristig gesehen in den kommenden Jahren noch neue Schwerpunkte in der Gemeinde setzen?

Ich möchte sowohl in den Ortschaften als auch im Kernort den sparsamen Umgang mit Grund und Boden stärker verfolgen. Nachverdichtung von Baulücken und Nachnutzung leer stehender Gebäude liegen mir dabei sehr am Herzen. Das bedarf einer umfangreichen Kommunikation und vielleicht auch ein Umdenken in der Bevölkerung. Für Scheeßel wünsche ich mir ein Hotel, vielleicht auch für Tagungsmöglichkeiten, und eine Neubelegung der Leerstände im Kernort. Aktuell schreiben wir an einem Klimaschutzbericht. Langfristig stelle ich mir eine klimaautarke Gemeinde vor – Potenziale in den Bereichen Wind- und Solarenergie, Wasserstoff und andere Bioenergien möchte ich sinnvoll und verträglich ausbauen und einen guten Mix aus Erneuerbaren Energien herstellen. Kurzfristig möchte ich gemeinsam mit dem Gewerbeverein das Marketing-Konzept weiterentwickeln, um den Charme und Charakter des Ortes zu wahren. Und wenn ich Lars Klingbeil glauben darf, soll in dieser Wahlperiode endlich eine abschließende Entscheidung zur Umgehungsstraße getroffen werden.

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