Frauenchor Scheeßel probt an der frischen Luft

Die Rose im Eichenwald

Chorleisterin Svetlana Korytko (2.v.l.) ist nach anfänglicher Skepsis begeistert von den Proben des Frauenchors im Wald.
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Chorleisterin Svetlana Korytko (2.v.l.) ist nach anfänglicher Skepsis begeistert von den Proben des Frauenchors im Wald.

Scheeßel – Wenn in diesen Wochen Geträller aus dem Wald bei der Wümmeschleife erklingt, so müssen nicht unbedingt Vögel die Sangeskünstler sein. Vierstimmig schallt es a capella an einem Mittwochabend über den Nordpfad unweit des Wümmestrandes. Ein Spaziergänger mit Hund bleibt kurz stehen und lauscht. „Singt von der Freude am Leben“ – diese Zeile fasst die derzeitigen Übungsabende des Frauenchores Scheeßel unter Leitung von Svetlana Korytko gut zusammen. Sie war zunächst skeptisch, als der Wunsch der Damen an sie herangetragen wurde, wegen der Corona-Auflagen an der frischen Luft zusammenzukommen. „Schon wegen der Akustik und weil wir hier kein Klavier haben.“

Die Befürchtungen sollten sich nicht bewahrheiten, auch wenn es zunächst ungewohnt gewesen sei, im Wald zu stehen. Ganz im Gegenteil: „Alle sind viel entspannter, mit mehr Freude dabei. Die Lieder, die wir sonst ewig geübt haben, sitzen in kürzester Zeit.“ Schon jetzt, nach drei Abenden, ist die Hälfte des Repertoires aus der Mappe aufgefrischt. „Ich dachte, es wird schlimmer“, gibt die Chorleiterin nach einem Vierteljahr Zwangspause zu, „aber die Stimmen sind noch da!“ Zunächst ging es ihr um die Auffrischung des Repertoires, „aber auch das Einüben neuer Lieder könnte klappen“, ist sie optimistisch.

Ganz abgesehen davon, geht es vielen hier nicht um den perfekten Ton, sondern darum, „mal wieder zusammenzukommen, sich in Zeiten der Vereinsamung zu treffen“, wie die Vorsitzende Beate Junker es formuliert. „Als die Idee aufkam, habe ich abgefragt, wer dabei wäre – 27 von 40 konnten sich das vorstellen.“ Auch, wenn aus Gesundheitserwägungen auf Atemübungen verzichtet wird: „Alles ist besser als gar keine Treffen“, weiß Junker, und die Freude, die den Teilnehmerinnen auf ihren Plastikstühlen ins Gesicht geschrieben steht, spricht Bände. Einige Sängerinnen hatten sich bereits im Frühsommer getroffen, zu zehnt als „Waldsänger“, ebenfalls hinter dem Grillplatz auf dem Campingplatzgelände von Chormitglied Angelika Wilken. „Am Anfang haben wir noch mit den Vögeln um die Wette gesungen“, erinnert sie sich. Nachdem der Landesmusikrat immer mehr Lockerungen zugelassen habe, konnte auch in großer Runde der Startschuss gegeben werden, berichtet Junker.

Schlechtes Wetter gibt es übrigens nicht: „Prinzipiell ist es gut, wer anderer Meinung ist, bleibt zuhause“, erklärt sie. „Zur Not singen wir im Ostfriesennerz oder stellen uns unter den Pavillon“, auch die dicken Jacken seien in der Vorwoche schon zum Einsatz gekommen. Nichtsdestotrotz hat sie schon die Fühler nach passenden Räumlichkeiten ausgestreckt, „vielleicht in Kleingruppen im Sporthaus des SV Jeersdorf – wegen der Auflagen brauchen wir hohe Decken.“

Vorerst wollen die Damen jedoch zunächst im Wald zu Gast bleiben, „allein die Luft macht schon einen Unterschied – hier sacken die Stimmen gar nicht mehr ab“, hat Korytko festgestellt. Inzwischen hat ein Vater-Sohn-Gespann mit Wohnmobil seine Campingstühle in Richtung des Chor-Halbkreises ausgerichtet, eine blau geränderte Libelle zieht auf ihrem Weg zur Wümme über den Köpfen eine Schleife. Die letzten Sonnenstrahlen dringen durch das Blätterdach, als „Die Rose“, quasi als Zugabe, „Ich geh durch einen grasgrünen Wald“ angestimmt wird. „Aber bitte nicht so, wie ihr das in der Schule gelernt habt, sondern wie es in den Noten steht“, ermahnt die Chorleiterin mit gütiger Strenge. Anschließend kreist eine Dose selbst gebackener Muffins, bevor die Damen sich wieder ins Auto, oder – und das ist die Mehrheit – aufs Fahrrad schwingen.  hey

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