Geschmackvoll ausgepresst: Ehepaar Pfennig aus Scheeßel setzt auf Natur pur

Die Ölmüller von der Beeke

Sie schwören auf die unter Einsatz von Kühlwasser kalt gepressten Öle aus der eigenen Manufaktur: Michael und Heidrun Pfennig.
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Sie schwören auf die unter Einsatz von Kühlwasser kalt gepressten Öle aus der eigenen Manufaktur: Michael und Heidrun Pfennig.

Scheeßel – Eine Wassermühle, die hat Scheeßel schon. Aber eine Ölmühle? Mitten im Beeke-Ort? Und was bitteschön soll das sein: eine Ölmühle? Nun, des Rätsels Lösung liegt im Flaßworth. Hier wohnen Heidrun Pfennig (56) und ihr Mann Michael (63). Beide betreiben sie hier seit vielen Jahren schon eine private Musikschule. Die heißt „Der gute Ton“. Seit 2018 geht es dem Paar aber nicht nur um das Akustische, sondern auch um den guten Geschmack. Und um ein leckeres Aroma. Genauer gesagt um wohlschmeckende und riechende Öle. Nicht um irgendwelche x-beliebigen Industrieprodukte, die sich – je nach Bestimmung – zum Verzehr, für dermatologische oder aber auch für handwerkliche Zwecke eignen. Nein, Hauptsache gesund müssen sie sein. Wie auch qualitativ wertvoll. Und genau deshalb sind die Pfennigs neben ihrer musischen Berufung inzwischen unter die professionellen Ölmüller gegangen. Wie deutschlandweit rund 20 solcher familiengeführten Mühlen-Betriebe schon vor ihnen.

Was es für die Manufaktur kalt gepresster Öle braucht? Eine spezielle Apparatur natürlich, für die im Eigenheim erst einmal auf allen Etagen ausreichend Platz geschaffen werden musste. Hygienevorschriften gilt es eben einzuhalten. Und so schnurrt und rattert es auch heute wieder im gefliesten Maschinenraum, als Heidrun Pfennig die Presse anschmeißt. Man hört die Bewegung der im Zylinder versteckten stählernen Förderschnecke, die mit jeder Umdrehung die Leinsamenmasse weiter Richtung Presskopf schiebt. Aus der Pressdüse bildet sich langsam ein großer brauner Öltropfen. Und nach einer knappen Stunde ist der Behälter auch schon gut gefüllt. Sein Inhalt wird nachher in etikettierte Fläschen abgefüllt, die sich zu den anderen hinzugesellen, die den Verkaufsraum schmücken. Insgesamt 16 verschiedene Sorten haben die Pfennigs im Angebot.

„Der Clou versteckt sich aber im Keller“, verrät Michael Pfennig dem Reporter und und führt ihn zum Beweis auch schon die Treppe hinab. Vorbei am Saatlager, in dem die Rohstoffe wie Nachtkerze, Aprikosenkerne, Haselnüsse und ja, sogar die seltene Jojoba, gut verpackt auf ihre Verarbeitung warten, geht es zu einem Gerät, das auf den ersten Blick wie ein handelsüblicher Bierkühler anmutet. Das war er auch mal. „Den habe ich zu einem ferngesteuerten Wärmetauscher umgebaut, der über Schläuche und Elektrokabel oben mit der Presse verbunden ist“, klärt der Scheeßeler auf, der früher einmal bei der Post als Fernmeldehandwerker gearbeitet hat. Der Vorteil dieser seinen Worten nach einzigartigen Verfahrensweise: Durch die räumliche Trennung beider Gerätschaften laufe der Maschinenraum selbst im Hochsommer auf angenehmer Betriebstemperatur. „Wir pressen ja maximal bis 37 Grad, der Prozess wird dadurch nicht unnötig belastet.“

Überhaupt, berichtet das Paar, seien jene 37 Grad hinsichtlich einer Optimaltemperatur das Zauberwort und würden über die komplette Produktionskette, also von der Ernte bis zur Flasche, als Obergrenze strickt eingehalten. Denn nur so könnten die Bedingungen für ein gesundes Öl auch optimal eingehalten werden. „Im Endeffekt ist das absolute Rohkostqualität, die ihresgleichen sucht“, nennt Michael Pfennig das Kind beim Namen. Erfunden habe dieses auf Wasserkühlung fußende Verfahren ein gewisser Kay Kühnel, der am Bodensee ebenfalls eine Mühle betreibt und sozusagen der Ur-Vater dieser Technologie sei. Er sei es auch gewesen, der die beiden zwecks Ausbildung vor zwei Jahren unter seine Fittiche genommen habe.

Seitdem wächst und gedeiht der Familienbetrieb in Scheeßel prächtig. So sehr, dass das Paar schon eine Hilfskraft hat einstellen müssen. Viele schwören im Sinne einer gesunden Lebensweise auf die kalt gepressten Öle, die die Pfennigs neben ihrer heimischen Verkaufsstätte auch auf Wochen- und auf Kunsthandwerkermärkten feilbieten. Und selbst in anderen Läden, unter anderem in Rotenburg und in Neuenkirchen, sind ihre Naturprodukte mittlerweile erhältlich. „Woran wir gerade noch als einen dritten Vertriebsweg arbeiten, ist ein Online-Shop“, sagt Heidrun Pfennig. Die Gewinnspanne, wirft ihr Mann ein, halte sich bei ihrem Geschäftsmodell allerdings in Grenzen. Aber um das große Geschäft ginge es ihnen auch gar nicht. „Wenn es uns keinen Spaß machen würde, nähme man auch nicht die ganze Arbeit in Kauf, die einem dieses Handwerk bereitet.“

Nichts weniger als das sei die Ölmüllerei: ein Handwerk. Und ein von Grund auf Ehrliches dazu. „Man wundert sich schon, wenn man sieht, wie Öle industriell hergestellt werden“, sagt der 63-Jährige, der hier eher von ausgelaugten chemischen Substraten spricht, als von Ölen, die dem Körper auch wirklich guttäten. Und die darüber hinaus selbst bis zu 150 Grad noch ganz legal dem Kunden noch als „kalt gepresst“ angepriesen werden dürften. Eine Mogelpackung. Denn, klärt Heidrun Pfennig auf: „Kalt gepresst heißt nur, dass die Saat kalt, und nicht vorerwärmt der Mühle zugeführt wird.“ Dabei arbeitete die Industrie in der Regel mit Schneckenpressen, die einen Druck von 400 Bar aufbauen würden. „Wir haben hier das Dreifache, womit wir ganz ohne chemische Zusatzstoffe auch wirklich alles herauspressen können“, nennt sie den Unterschied. Und genau daher steuere man ja auch mit Wasserkühlung dem hohen Pressdruck entgegen – über einen Doppelkammerzylinder.

Wenn man ihr und ihm so zuhört, dann merkt man: Hier ist jemand von dem, was er und sie macht, zu 100 Prozent überzeugt. „Gesundheit und Ernährung – das lag uns halt schon immer sehr am Herzen“, meint das Paar unisono. Und aus Erfahrung ihrer gemeinsam unter einem Dach stattfindenden Tätigkeit als Musiklehrer wissen beide: „Man muss aufpassen, dass man nicht nur Geschäftspartner ist, sondern nach 21 Jahren auch die Liebesbeziehung am Leben erhält – bis heute haben wir das aber immer noch ganz gut hinbekommen.“

Richtig verbunden

Wer mehr über die Scheeßeler Ölmanufaktur erfahren möchte, kann mit Familie Pfennig unter der Nummer 04263 / 985185 Kontakt aufnehmen oder per E-Mail an

info@oelmuehle-scheeßel.de.

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