„Swimmytreff“-Betreuung endet nach 25 Jahren / Interview mit dem Team

„Die Kirche war wie ein Zuhause“

Viele kleine und große Füße, die zu Gott gefunden haben – dieses Ergebnis des „Swimmy-treffs“ verdeutlichen Karin Weseloh (v.l.), Solveigh Schröder und Elke Meyer beim finalen Gottesdienst.
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Viele kleine und große Füße, die zu Gott gefunden haben – dieses Ergebnis des „Swimmy-treffs“ verdeutlichen Karin Weseloh (v.l.), Solveigh Schröder und Elke Meyer beim finalen Gottesdienst.

Scheeßel – „Vom Anfang bis zum Ende“ – symbolträchtig das letzte Lied, das Elke Meyer, Erzieherin der ersten Stunde, anlässlich des finalen Gottesdienstes der „Swimmys“ mit einem Dutzend Kinder plus ihren Eltern, Geschwistern und einigen Großeltern im Pfarrgarten anstimmte. Nach den Sommerferien wird es in Scheeßel nach 25 Jahren keine christlichen Kindergartengruppen mehr geben. Über die Hintergründe gaben uns neben Meyer auch Mitstreiterin Solveigh Schröder Auskunft sowie Karin Weseloh, die als Vorsitzende des Fördervereins hinter den Kulissen die Strippen zog.

Was war damals, 1995, bei der Gründung die Grundidee der „Swimmys“?

Karin Weseloh: Wir haben quasi den Bedarf für kleine Kinder mit geweckt. Die politische Gemeinde hatte gerade eine Nachmittagsgruppe abgeschafft, der Bedarf nach einer Gruppe mit wenig Stunden an weniger Tagen und weniger Kindern als in einem regulären Kindergarten, also einem soften Einstieg, war aber da.

Und nach einigen Jahren hat das Konzept richtig geboomt.

Weseloh: Ja, in den Spitzenzeiten hatten wir 40 Plätze in vier Gruppen und noch einmal so viele Namen auf der Warteliste.

Warum waren die Plätze so begehrt?

Elke Meyer: Es war wohl eine Mischung: die kleinen Gruppen mit nur zehn Kindern, aber auch der christliche Hintergrund. Das haben Eltern zu schätzen gewusst – einige haben ihre Kinder aus Ahausen, Hemslingen, Waffensen oder Bötersen gebracht. Bei anderen Familien war es so, dass wir die christlichen Werte wieder bekannt gemacht haben. Das haben viele Eltern begrüßt. Sie haben durch die „Swimmys“ wieder einen Bezug zur Kirche bekommen. Einige Eltern waren sicherlich auch auf der Suche: die Sehnsucht jedes Menschen nach Ansprache – das haben sie hier gefunden.

Was war denn konkret anders als in den staatlichen Kindergärten?

Solveigh Schröder: Es ging immer darum, den Kindern die Scheu vor der Kirche zu nehmen. Dem Kantor beim Orgelspiel zuzuhören, ein Gang auf die Kanzel, wo sonst nur der Pastor steht.

Meyer: Die Kirche war wie ein Zuhause, sich dort selbstverständlich zu bewegen, Lieder zu singen, auch mal laut zu sein. Und es ging um die Botschaft Gottes: Du bist wertvoll, einzigartig und geliebt! Das gilt jenseits jeder Konfession, das vermitteln wir zum Beispiel auch den Flüchtlingskindern in der Gruppe. Getauft zu sein, war noch nie Voraussetzung. Wir hatten aber schon Kinder, die selbst meinten: „Ich will auch ein Freund von Jesus sein“ und in dem „Swimmy“-Jahr getauft wurden.

Schröder: Wir haben die Kinder nicht an den Glauben gebracht, sondern der Glaube hat mir geholfen, auch zu Kindern einen persönlichen Bezug herzustellen, wo das nicht immer einfach war. Er war der Motor für unsere Arbeit, er hat die Suche erleichtert, bei jedem Kind etwas Besonderes zu finden, das einen Kontakt ermöglicht.

Das klingt ein bisschen nach Missionieren.

Meyer: Nein, wir bieten etwas an, was in anderen Einrichtungen nicht angeboten wird, und es steht auch in unserer Konzeption: Vermittlung der christlichen Botschaft! Und deshalb wählen viele Eltern ganz bewusst unsere Einrichtung. Besonders schön ist es zu sehen, dass einige – die Ältesten sind jetzt 28 – als Schulkinder, Jugendliche oder Erwachsene in der Kirchengemeinde aktiv sind. Mit unserer Arbeit haben wir den Dünger auf Gottes Saat gegossen und hoffen, dass sie irgendwann aufgeht. Und: Der Großteil „unserer“ Kinder, insgesamt mehr als 600, sind nach ein bis zwei Jahren gestärkt und selbstbewusst in einen der „großen“ Kindergärten gegangen.

Und trotzdem ist nun nach 25 Jahren Schluss, weil die Nachfrage in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Ist in den Familien die frühe Glaubensvermittlung nicht mehr so wichtig?

Weseloh: Nein, dieser Trend, der sich ja schon seit einigen Jahren abgezeichnet hat, hat wohl eher mit äußeren Faktoren zu tun: mit dem Bedürfnis der Familien, besonders der Eltern, nach längeren Betreuungszeiten, aber auch der Tatsache, dass die staatlichen Kindergärten jetzt kostenfrei sind – das konnten wir trotz der vielen Sponsoren, die uns unterstützt haben, nicht leisten. Zwischenzeitlich gab es sogar die Idee eines christlichen Kindergartens, aber das wurde auf politischer Ebene nicht unterstützt.

Meyer: Bis zuletzt gab es noch Eltern, die sich bewusst dafür entschieden und zum Teil lange Wege auf sich genommen und gesagt haben: „Das gönnen wir unseren Kindern“ – und ist der Betreuungsschlüssel von 15 zu drei nicht toll?

Was hat das Besondere im „Swimmy“-Alltag ausgemacht?

Meyer: Wir haben den Kindern Achtung vor der Schöpfung vermittelt und sie sensibilisiert. Auch wenn das alles nur Anfänge sein können: es wurde in die Häuser getragen. Von so manchen Eltern haben wir Rückmeldung bekommen, dass sie sich selbst neu mit dem Glauben beschäftigt haben.

Weseloh: Die „Swimmys“ wurden von vielen Menschen in Scheeßel und umzu getragen: den vielen Spendern, die die Spielkirche auf dem Spielplatz oder die schallgeschützte Decke in der Gruppe ermöglichten, den Kreuzschnäbeln, die ein Benefizkonzert für die Nestschaukel organisiert haben.

Schröder: Es waren viele Menschen eingebunden: die Großeltern, die Eltern bei den Spielplatz-Diensten – alle haben Zeit und Energie investiert, damit es den Kindern bei uns gut geht.

Die „Swimmys“ hatten ja auch Strahlkraft über die Gruppen hinaus – etwa beim Martinsfest. Bricht da nicht ein wichtiger „Erstkontakt zum Glauben“ weg?

Meyer: Wir stellen seit einiger Zeit im Kinderausschuss Überlegungen an, wie man Angebote machen kann. Corona hat uns allerdings etwas zurückgeworfen.

Weseloh: Die Fördervereinsarbeit war ursprünglich dazu gedacht, Projekte zu finanzieren. Die „Swimmys“ sind dann jedoch zu einem eigenen Projekt geworden und haben fast alle Kräfte gebunden. Jetzt können wir wieder neue Projekte anschieben und mitfinanzieren.  hey

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