Die Bebengefahr

Atommüll-Endlager: Bartelsdorfer hält Region als Standort für denkbar ungeeignet

Johann Baden hält den Plan in der Hand, der die Region Taaken, Scheeßel, Ostervesede als möglichen Atommüll-Endlager-Standort ausweist.
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Johann Baden hält den Plan in der Hand, der die Region Taaken, Scheeßel, Ostervesede als möglichen Atommüll-Endlager-Standort ausweist.

Bartelsdorf – Beinahe gehen sie in der Wahlplakate-Flut ein wenig unter, die gelb-roten Bauzaunbanner in Bartelsdorf. „Wenn es hier bebt, zittert das ganze Land!“ ist darauf zu lesen. Im Zusammenhang steht die Botschaft mit der Suche nach einem deutschen Atommüll-Endlager. 90 potenziell geeignete Teilgebiete hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bekanntlich schon bestimmt.

Dass davon sieben in den Fokus geratene Standorte allein auf den Landkreis Rotenburg entfallen, Teile der Gemeinde Scheeßel mit eingeschlossen, findet Johann Baden äußerst bedenklich. „Das sind immerhin fast zehn Prozent vom großen Kuchen“, sagt er. Baden ist Bartelsdorfer. Der 61-Jährige hat die spendenfinanzierten Banner entworfen und im Ort aufstellen lassen, wie auch im benachbarten Wohlsdorf und in Rotenburg. Aktiv ist er in der gleichen Bürgerinitiative, die unter Rolf Wedemeyer schon seit geraumer Zeit in Taaken gegen ein mögliches Endlager in der Region trommelt. „Ich kümmere mich federführend hier mehr um den östlichen Bereich“, berichtet der Sparkassenbetriebswirt in Altersteilzeit.

In diesem Zuge habe er sich vor allem in die Erdbeben-Thematik hineingekniet, die seinen Worten nach bei der Frage nach einem Endlager noch gar nicht so stark im allgemeinen Bewusstsein der Bürger verankert sei. Dabei sei er bei seinen Recherchen auf einen Aspekt gestoßen, der ihn hellhörig habe werden lassen: „Es gibt bei uns die sogenannte Scheeßel-Fallingbostel-Störungszone, die sich auf die Erhebung der skandinavischen und der Senkung der norddeutschen Bodenplatte zurückführen lässt“, erläutert er. Nun habe in der Vergangenheit immer mal wieder in der Region die Erde gewackelt, was unter anderem – quasi menschengemacht – auf die Erdgasförderung zurückzuführen sei. 38 leichte Beben, deren Magnitude zwischen 1,5 und 3,2 gelegen habe, zählt Baden seit dem Jahr 2014 auf. „Dann gab es 2004 zwischen Rotenburg und Neuenkirchen aber ein starkes tektonisches Erdbeben mit einer Magnitude von 4,5, das laut der Bundesgesellschaft für Geowissenschaften und Rohstoffe wahrscheinlich auf eben diese Störungszone zurückgeht“, sagt der Bartelsdorfer. Und: 27 Jahre zuvor, im Juni 1977, sei bei Soltau ein Beben der Magnitude 4.0 registriert worden, für das seinen Erkenntnissen nach Fracking und Erdgasförderung noch gar nicht als verursachende Faktoren infrage hätten kommen können. „Denn beides wurde damals noch nicht bei uns betrieben.“

Sechs solcher Protestplakate hat der Bartelsdorfer aufstellen lassen.

Johann Baden bezweifelt, dass bei derartigen Bebenstärken ein unterirdisches Endlager dichthalten würde. „Dabei muss ja gerade sichergestellt sein, dass solche Stätten nicht aufreißen, wenn sich das Land hebt oder senkt“, betont er. Die BGE selbst jedenfalls habe bereits kundgetan, dass dort, wo die Erde zittert, kein Atommüll-Endlager eingerichtet werden dürfe. Zahlreiche Regionen im Bundesgebiet seien so auch schon ausgeschlossen worden. Auch der Landkreis wisse inzwischen um die Problematik. „Wenn es jetzt alle 27 Jahre bei uns in der Gegend zu einem starken Erdbeben kommt, mit einer Steigerung um jeweils 0,5 auf der Richterskala, dann ist das bei der Betrachtung schon interessant“, befindet der 61-Jährige.

Was die nach wie vor in der Standortauswahl befindliche Region Taaken, Scheeßel, Ostervesede betrifft, gäbe es ihm zufolge, sollte dort wirklich ein Endlager entstehen, drei Einfahrten – eine bei Taaken, eine bei Veersebrück und eine bei Einloh. 1  900 Fässer mit hoch radioaktivem Material würde seinen Recherchen nach das Lager fassen – hinzukommen könnte aber auch noch schwach- und mittelradioaktiver Atommüll. Das sei am Ende eine Frage der Flächengröße, sagt er. Bis zum Jahr 2031 soll eine Lösung gefunden worden sein, bevor ab 2050 mit der Einlagerung begonnen werden kann. Wo auch immer. „Hier bei uns ist es jedenfalls vor allem wegen der Scheeßel-Fallingbostel-Störungszone total ungünstig“, meint Baden, der auf seine Protest-Banner schon jede Menge Zuspruch bekommen habe, wie er sagt.

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