Wohnbaugebiet noch nicht spruchreif

Dicke Luft in Westerholz

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Uwe Maas vor seinem rollenden Tante-Emma-Laden, mit dem er auch in Westerholz regelmäßig Station macht. Inzwischen hat sich der Kaufmann ein neues Fahrzeug zugelegt.

Dass Westerholz im Zuge seiner dörflichen Eigenentwicklung ein neues Wohnbaugebiet bekommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur ob es bei der geplanten Anzahl an Bauplätzen bleibt, das ist plötzlich alles andere als spruchreif. Grund ist die vom Land eingeführte und nicht gerade von wenigen Kommunen gefürchtete Geruchsimmissionsrichtlinie, kurz Girl.

Westerholz – Stefan Behrens zog ein ernstes Gesicht. „Es wird nicht einfach werden, das steht schon jetzt fest“, machte der Rathausmitarbeiter am Mittwochabend den Anwesenden auf der Ortsratssitzung im Westerholter Kroog klar. Aber von vorn: Wie bekannt, will die Gemeinde im Nordwesten des landwirtschaftlich geprägten Dorfes, am Rande des alten Sportgeländes, Platz für weitere Wohnbebauung schaffen. Gegenwärtig steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen – und daran wird sich in nächster Zeit wohl auch nicht viel ändern. Denn: „Das Thema Immissionen wird uns noch ganz schön auf Trab halten, da wir festzustellen haben, inwieweit in dem angedachten Wohnbaugebiet entsprechende Grundstücke etabliert werden können“, führte Behrens aus. Zwar habe bereits vor geraumer Zeit eine Grobuntersuchung in Sachen Geruchs- und Schallschutz an Ort und Stelle stattgefunden (auf dem im Übrigen auch der schon vorliegende Bebauungsplanentwurf beruht) – „weil es in einer Nachbarkommune aber inzwischen zu einem Fall gekommen ist, wo ein Landwirt sich sehr engagiert eingebracht hat, greift die Richtlinie, die der Landkreis nun einmal anzuwenden hat, härter durch.“ Demnach seien nun nicht nur alle genutzten Stallanlagen Untersuchungsgegenstand, sondern auch solche, die gar nicht mehr im Betrieb sind. „Es könnte ja sein, dass solche Anlagen wieder reaktiviert werden“, erläuterte der Verwaltungsmann. Nun müsse es also nochmals feiner ins Detail gehen. „Und es könnte durchaus passieren, dass Bauplätze in den Randgebieten wieder wegfallen müssen.“

Wie es denn dann um die Zukunft des Schießstandes für den örtlichen Schützenverein bestellt sei, wollte Ortsratsmitglied Werner Miesner wissen. Schließlich würde der sich ja in unmittelbarer Nähe zum Baugebiet befinden. „Ja, auch der ist Bestandteil der Untersuchung, denn Schießsport ist bekanntlich mit Schall verbunden“, gab Behrens zu verstehen. Auf Miesners Frage, wer denn seinem Verein die Kosten abnehmen werde, sollte man die Schießanlage baulich „schalldicht“ machen müssen, hatte aber auch er keine Antwort parat.

Ein weiteres Thema, dem sich die Ortspolitiker annahmen, betrifft eine Kofinanzierung des Services von Uwe Maas. Seit geraumer Zeit verkehrt der Kaufmann aus Tewel (Gemeinde Neuenkirchen) mit seinem rollenden Tante-Emma-Laden durch die Region – und auch in Westerholz ist der kleine Supermarkt auf Rädern immer samstagmorgens zugegen. „Inzwischen hat sich der Betreiber ein neues gebrauchtes Fahrzeug beschaffen müssen, weil das alte aus technischen Gründen nicht mehr einsatzfähig war“, so Ortsbürgermeister Wolfgang Kirschstein (SPD). Da die Neubeschaffung aus Eigenmitteln nicht vollständig möglich gewesen sei, habe die Gemeinde Neuenkirchen die beteiligten Orte, in denen das Mobil Station macht (in der Gemeinde Scheeßel sind das neben Westerholz noch Westeresch, Westervesede, Bartelsdorf und Wohlsdorf), um Unterstützung gebeten. „Pro Haltestelle sind das genau 221,84 Euro“, so Kirschstein. Ein Betrag, den die Westerholzer aus der Ortsratskasse auch gerne bereit seien, zu zahlen. „Schließlich sind es vor allem unsere älteren Einwohner, die sich über dieses Angebot im Dorf freuen“, erklärte der Ortsbürgermeister.

Während der Rat bei diesem Thema ruckzuck noch zu einem Konsens gekommen war (auch, weil die Mitglieder intern sich schon vorher dazu besprochen hatten), steht die Entscheidung zu einem anderen Thema auch nach der Sitzung noch aus. Es geht dabei um den Westerholzer Friedhof, konkret: um die Ordnung für das dortige Urnengräberfeld in Rasenlage. Denn, führte Kirschstein aus, finde man vor Ort immer wieder Grabschmuck, der von den Hinterbliebenen selbst nach einer gewissen Zeit nicht wieder eingesammelt wird. „Wir haben deshalb ein neues Entsorgungsproblem.“ Also habe er eine textliche Handreichung verfasst, in der Angehörige darauf hingewiesen werden, den Schmuck spätestens eine Woche nach der Bestattung selbstständig wieder zu entfernen.

Dass diese aber eineinhalb Seiten umfasst, erschien Ralf Münkel, Mitglied im Ortsrat, dann aber doch zu viel des Guten: „Ich würde schon nach dem zweiten Satz nicht mehr weiterlesen – da reichen auch fünf Spiegelstriche, um deutlich zu machen, was zu tun und was zu lassen ist.“

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