Reetdächer auf dem Scheeßeler Heimathausgelände erstrahlen in neuem Glanz

„Dichtkriegen, Hochklopfen, Einlegen“

Der Blick von oben: Nach und nach wird das Reet aufgebracht. Das wichtigste Werkzeug ist das Klopfbrett.
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Der Blick von oben: Nach und nach wird das Reet aufgebracht. Das wichtigste Werkzeug ist das Klopfbrett.

Scheeßel – Wie für das Weihnachtsfest schick gemacht erstrahlen dieser Tage die Reetdächer der fünf Gebäude auf dem Scheeßeler Heimathausgelände in neuem Glanz. Doch die Tatsache, dass die Mitarbeiter des Unternehmens Heiko Ehlert aus Vierden dem Schafstall, Backhaus und Honigspeicher aufs Dach gestiegen sind, hat weniger mit Weihnachten als mehr mit dem Jahreswechsel zu tun. Bis dann nämlich mussten die Gelder im Rahmen des „Soforthilfeprogramms Heimatmuseen“ des Deutschen Verbandes für Archäologie (DVA) ausgegeben sein, mit denen die Sanierung und Neueindeckung der Reetdächer auf dem Heimathausgelände zu rund zwei Dritteln finanziert wird.

„Den Antrag auf Förderung hatten wir schon im April gestellt“, erzählt Museumsdirektor Nils Meyer. Im September sei die Förderzusage gekommen. An der Finanzierung des Projekts mit einem Gesamtvolumen von rund 34 000 Euro sind neben dem Bund auch die Gemeinde Scheeßel und der Heimatverein Scheeßel mit einem Eigenanteil beteiligt. So wurde bei jedem der historischen Dächer überprüft, ob ein Flicken oder Überdecken reicht, oder ob komplett neu gedeckt werden muss.

Bei dem Großteil der Gebäude reichte das Ausbessern aus – Moosabklopfen, Nachbessern – einige der Mitarbeiter kennen die Anlage noch von ihrem letzten Einsatz 2010. Komplett eingedeckt werden die 1967 wiedererbaute Flechtscheune und das Dach über dem Kachelbild von Ernst Müller-Scheeßel neben dem Backhaus.

„Hochdecken, Dichtkriegen, Hochklopfen, Einlegen“ – so lassen sich die Arbeitsschritte konkret beschreiben, bei dem die einzelnen Lagen des Reets auf die Dachsparren gebunden werden und mit einem fünf Millimeter dicken Draht mit einer krummen Nadel festgebunden werden. Die Zeiten, wo das Material noch selbst im Alten Land am Ufer der Este geerntet wurde, sind lange vorbei. Heute wird es mit Gütezertifikat aus Rumänien oder Ungarn importiert, erzählt Geselle Oliver Klee, der mit seinem Dutzend Kollegen vor allem in den Landkreisen Rotenburg und Stade unterwegs ist. Meistens gehe es um Bestandsschutz, aber auch neue Häuser sind unter den Aufträgen. Klee liebt seinen Beruf: Die Arbeit mit Naturmaterial, die fehlende Hektik. „Hier kommt es nicht auf ‚schnell schnell‘ an, sondern darum, dass ordentlich gearbeitet wird, schließlich haben die Dächer ja auch ihren Preis“, erzählt der Geselle, während er das Reet mit dem Klopfbrett nach oben schlägt – Werkzeug, das sich bis auf das Material seit Jahrhunderten nicht verändert hat. Er schätzt die Arbeit an der frischen Luft, auch wenn es im Sommer durchaus mal heiß zugehen kann: Durch die Reflexionen des Reets haben er und seine Kollegen an einem sonnigen Tag schon mal 65 Grad gemessen. „Da hält man es nur eine Viertelstunde aus und wechselt sich öfter auf der Leiter ab“, erzählt er. Auch wenn das Unternehmen in puncto Mitarbeiter gut aufgestellt ist, sei es wie überall im Handwerk nicht leicht, Nachwuchs zu finden. Die Auszubildenden durchlaufen eine Dachdecker-Lehre mit Schwerpunkt Reetdachdecker.

Die Auftragsbücher sind auch für nächstes Jahr schon gut voll – gar nicht so leicht für Meyer, noch einen Termin zu ergattern. „Es war jedoch Vorgabe der Förderung, das Projekt dieses Jahr noch abzuschließen.“ Knapp zwei Wochen dauert es, bis alle Reetdächer frisch geputzt sind. Bei dieser Gelegenheit bekamen sie auch einen neuen Heidefirst verpasst – denn der wird durch die Vögel, die sich hier gern mal beim Nestbau bedienen, besonders in Mitleidenschaft gezogen.

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