„Macht hoch die Tür“ begleitet Ingeburg Beuck-Dittmer ein Leben lang

Der Klang der Adventszeit

„Macht hoch die Tür“ ist für die ehemalige Kantorin Ingeburg Beuck-Dittmer ein ganz besonderes Lied. Für sie gehört es jedes Jahr zur Adventszeit.
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„Macht hoch die Tür“ ist für die ehemalige Kantorin Ingeburg Beuck-Dittmer ein ganz besonderes Lied. Für sie gehört es jedes Jahr zur Adventszeit.

Scheeßel – Advent, das ist die Zeit der Lieder – jedenfalls normalerweise. Und die Zeit, in der das neue Kirchenjahr seinen Anfang nimmt. Für Ingeburg Beuck-Dittmer vereinigt sich beides in einem Lied, das für die Wahl-Scheeßelerin eine besondere Bedeutung hat: in „Macht hoch die Tür“, einem der „wohl bekanntesten volkstümlichen Adventslieder“, ist die 88-Jährige überzeugt.

Dieses Lied, das es im Neudruck des evangelischen Gesangsbuchs von der sechsten Stelle auf Platz Eins geschafft hat, ist für die ehemalige Kantorin so besonders, dass sie diese Faszination zu Papier gebracht hat. Inhaltlich sei außer dem Psalm die Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem zu hören, „die fünfte Strophe ist ein besonders schönes Adventsgebet, sie führt uns in die Stille.“

Stiller als sonst wird die Adventszeit auch für seit zwei Jahren zum zweiten Mal verwitwete Sängerin der Kantorei und das älteste Mitglied des St-Lucas-Flötenensembles. Sämtliche Weihnachtsfeiern, die sie früher mit dem Keyboard begleitete, fallen in diesem Jahr weg, ebenso wie die musikalische Begleitung des Heiligabendgottesdienstes mit der Kantorei oder der lebendige Adventskalender, bei dem sie den Besuchern neue Lieder beibrachte. Ihre Leitung des Elsdorfer Chors, einem von insgesamt dreien, hat sie 2012 alters- und gesundheitsbedingt aufgegeben, „das war meine letzte Amtshandlung“.

Die Musik begleitet Beuck-Dittmer weiter durchs Leben – Orgel spielt sie zwar nur noch selten, Flöte öfter und ans Klavier setzt sich die geistig jung gebliebene Seniorin fast jeden Tag. Das Singen von Weihnachtsliedern ist für die gebürtige Wackenerin ein fester Bestandteil des Heiligabends, damals als eines von sieben Kindern in einem Pastorenhaushalt ebenso wie heute, wo reium bei einem ihrer eigenen Kinder gefeiert wird.

„Damals haben wir auch Kantaten gesunden“, erinnert sie sich, die Mutter spielte Geige, der Vater Posaune. Bei Einladungen zu Goldenen Hochzeiten „engagierte“ der Vater gern das Familienensemble. „Wir waren fast alle freiwillig dabei“, nur der Bruder, der Jüngste, habe manchmal geknurrt. Noch heute wundert sich die zweifache Mutter und dreifache Großmutter, dass der Gabentisch zu Weihnachten trotz Kriegs- und Nachkriegszeit gefüllt gewesen seien: „Eigentlich ist es doch ein Wunder, denn kaufen konnte man nichts. Alle Geschenke waren selbst gebastelt.“

Klavier lernte Beuck-Dittmer erst mit 18 – erst nach dem Krieg waren Rheuma-Medikamente verfügbar, die es ihr ermöglichten, die Finger zu bewegen. Nach der Ausbildung zur Kantorin saß die Musik-Liebhaberin 60 Jahre an der Orgel – „ein wenig fehlen mir die Gottesdienste schon“, gibt sie unumwunden zu. Etwas Ersatz schaffen dieser Tage jeden Sonntag zuerst der Fernseh- und im Anschluss der Radiogottesdienst. Dort hörte kürzlich auch „ihr“ Lied – „am Totensonntag eigentlich ein wenig zu früh, aber trotzdem schön!“ Gesang sollte auch an einem Weihnachtsfest eine besondere Rolle spielen, an dass sie sich bis heute erinnert: „Wir hatten uns einen Kanarienvogel gewünscht, der vorher einige Tage beim Nachbarn untergebracht war. Als unsere Eltern ihn an Heiligabend in die Weihnachtsstube holten, sang er schon vor der Bescherung“, schmunzelt sie.

Dass auch dieses Jahr vor der Bescherung im Kreis der Familie gesungen wird, ist für sie eine klare Sache. Beim Gottesdienstbesuch sieht die Sache etwas unsicherer aus: „Eigentlich wollten wir zum Freiluft-Gottesdienst nach Wittkopsbostel; es wäre schön, wenn der stattfinden kann.“  hey

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