EUROPAWAHL Scheeßeler Politiker aller Couleur rufen zur Teilnahme auf

Eine Stimme für die Demokratie 

Sie sitzen für ihren Aufruf, sich in der Gemeinde Scheeßel rege an der Europawahl zu beteiligen, nicht nur in einem Boot, sondern auch auf einer Bank: Arthur Lempert (v.l.), Carsten Gehse, Gabriela Villwock, Günter Bassen und Jürgen Wahlers. Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „Ist doch nicht wichtig.“ So oder so ähnlich hat vor zehn Jahren noch mehr als jeder zweite Scheeßeler gedacht, der bei der Europawahl zwar stimmberechtigt war, partout aber nicht sein Kreuzchen setzen wollte. „Doch, es ist wichtig“, meinen Günter Bassen (CDU), Jürgen Wahlers (SPD), Gabriela Villwock (UGS), Carsten Gehse (Gruppe 57) und Arthur Lempert (Grüne) unisono – zehn Jahre später. Und zwar wichtiger denn je.

Damit bringt das politisch farbenfrohe Quintett, allesamt sind sie Vertreter der im Gemeinderat vertretenden Parteien oder Gruppierungen, genau auf den Punkt, um was es ihm in seinem gemeinsamen Appell geht: Wer die Wahl hat, sollte zu solcher auch hingehen – „erst recht mit Blick auf die schwierige Situation in Europa“, sagt Günter Bassen, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands, beim Pressegespräch im Rathaus. „Um so der Demokratie in Zeiten von Brexit und eines aufgeflammten Rechtspopulismus eine Stimme zu geben.“

Wahlmuffel, das zeigt ein Blick in die Statistik, waren die Scheeßeler eigentlich noch nie. Im Gegenteil: 62 Prozent gemeindeweite Beteiligung bei der Kommunalwahl 2016, 68 Prozent Beteiligung bei der Landtagswahl 2017, fast 80 Prozent Beteiligung nur wenige Wochen später bei der Bundestagswahl. Rekord. Und die letzte Europawahl vor fünf Jahren? Die schnitt in der Einheitsgemeinde vergleichsweise auch schon recht gut ab, konnte sie immerhin 6 387 Bürgerinnen und Bürger an die Urnen locken – macht im Ergebnis 63 Prozent.

Die Kommunalpolitiker wollen aber noch mehr. Mindestens 70 Prozent, darauf hoffen die Fünf, sollen es diesmal sein. „Je weniger Stimmen abgegeben werden, desto mehr werden Rechte nur noch von Minderheiten vertreten“, ist Friseurmeister Carsten Gehse überzeugt. „Für mich bedeutet wählen gehen, seine Stimme zu erheben – und danach selber auch zu handeln.“

Dass man sich für eine starke und einige EU noch nie so einsetzen musste, wie heute, findet auch Arthur Lempert. „Je schärfer die Rechten und Populisten zu Ausgrenzern werden, je mehr der braune Mob an Zulauf gewinnt, desto weniger Vielfalt, Offenheit und Toleranz wird es bei uns geben“, ist der Sprecher des Grünen-Ortsverbandes überzeugt. „Wer sich mit seiner Stimme dagegen erhebt, tut nicht nur für sich selbst etwas Gutes, sondern auch für die nachfolgenden Generationen.“

Entscheidend sei laut Jürgen Wahlers, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Scheeßel, „dass wir die Polarisierung ein bisschen abschwächen, indem wir dazu übergehen, wirklich demokratische Parteien zu wählen und nicht solche, die ganz klar gegen die Demokratie, wie sie im Grundgesetz definiert ist, arbeiten.“ Günter Bassen nickt zustimmend: „Wenn man den Falschen, die im komplizierten Gefüge mit einfachen Antworten aufwarten, den Raum lässt, dann kann das sicher nicht die Lösung sein.“ Dass man sein Wahlrecht nicht wahrnimmt, weder bei dieser noch bei anderen Wahlen, könne er nicht nachvollziehen. „Viele Völker beneiden uns darum, dass wir diese Möglichkeit haben – und das europaweit.“

Dabei, ergänzt UGS-Frau Gabriela Villwock, müssten vor allem junge Menschen anfangen, ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen. „Ich finde das sehr wichtig, weil die uns nachfolgende Generation so ihre Zukunft selber gestalten kann.“

Ob die Gemeinde tatsächlich am Ende eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent – oder womöglich sogar mehr – erreicht, das entscheidet sich morgen Abend nach Auszählung aller Stimmen. Sicher ist bereits jetzt: 858 Bürger, Stand Donnerstag, haben in den vergangenen Wochen schon von der Briefwahl Gebrauch gemacht. Dies entspricht 8,46 Prozent aller 10 144 Wahlberechtigten. Wer morgen zur Urne gehen möchte: Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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