„Es darf nicht perfekt sein“

Interview mit Otmar Willi Weber über seine Mobilfotografien

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Otmar Willi Weber vor zwei Kunstfotografien, die ohne Bearbeitung mit seinem I-Phone entstanden sind.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. In ganz alltäglichen Dingen das künstlerische Potenzial zu entdecken, das ist schon für sich eine wahre Kunst. In seinen Mobilfotografien hat Otmar Willi Weber genau das mit scharfem Blick realisiert. Von morgen an präsentiert der Radio-Journalist noch bis zum 23. Juli unter dem Titel „(sic) - as I see“ im Kunstgewerbehaus auf dem Meyerhof seine wie gemalt aussehende Fotokunst. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten.

Herr Weber, ist Kunst schon lange ein Teil Ihres Lebens - wie hat alles angefangen?
Otmar Willi Weber: Ich hätte ein großer Künstler werden können, aber dann kam das Leben dazwischen, beruflich war ich zu sehr eingespannt. Mit einer Ladung an den Strand gespülter roter Gummihandschuhe fing 2011 im Urlaub auf Sylt alles an – die Faszination für die Handyfotografie entstand also rein zufällig, ließ mich dann aber nicht mehr los.

Sie sagen, dass Sie das fotografieren, was Sie eigentlich gern gemalt hätten. Wären Sie lieber Maler geworden?
Weber: Eindeutig ja. Ich habe mal vor langer Zeit gemalt, und meine Fotos haben bei genauerer Betrachtung viel Nähe zu Gemälden – und ja, Malen steht wieder auf der Tagesordnung. Zurzeit arbeite ich an einer neuen Ausstellung mit dem Titel „Wie gemalt“ mit Mobilfotografie, die den Eindruck echter Gemälde vermitteln soll.

Mit ihren „O-Bildern“ halten Sie es wie als Radiomann mit dem „O-Ton“ – also unverfälscht ohne Bearbeitung. Fällt es nicht schwer, sich künstlerisch zurückzuhalten?
Weber: Es fällt manchmal schon schwer, weil man etwas zurechtrücken möchte, aber ich habe mich bewusst für die O-Fotografie entschieden. Der Betrachter soll den Eindruck haben, es könnte ein gemaltes Bild sein. Der Blick wird geschärft, weil man lernt, genauer hinzusehen und Neues zu entdecken.

Durch Ihre Aufnahmen kommen Sie Motiven so nahe, dass ein Erkennen fast unmöglich ist – was wollen Sie damit erreichen?
Weber: Dass man sich auf ein Motiv einlässt und sich davon überraschen lässt, wie ein neues Bild entsteht, wenn man ihm näher auf die Pelle rückt – wie das Motiv sich verwandelt und ein Eigenleben entwickelt, zu einem anderen, neuen Bild wird.

Entstehen die Fotos zufällig oder unternehmen Sie auch geplante Erkundungstouren?
Weber: Ich fahre mit dem Fahrrad drauf los. Dabei suche ich nicht das offensichtliche Schöne in der Natur, sondern das versteckte Schöne im Gegenstand. Es darf nicht perfekt sein, je abgewrackter oder unscheinbarer das Motiv, desto besser – der Betrachter wird so aufgefordert, die Schönheit im Unscheinbaren zu entdecken.

Hören Sie bei Kommentaren wie „Das kann ich auch“ weg oder denken Sie, dass Sie den Blickwinkel auf Kunst positiv verändern können?
Weber: Das ist okay, jeder sollte sich ausprobieren. Ich halte mich nicht für eine Ausnahmeperson – und eigenes künstlerisches Schaffen bereichert das Leben auf jeden Fall.

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